Corona-Einfluss auf Marktdaten

Kontaktlos und Retail profitieren - Loyalität zählt

Corona-bedingte Restaurant-Schließung von Five Guys in Essen.
Imago Images / Jochen Tack
Corona-bedingte Restaurant-Schließung von Five Guys in Essen.

Die Corona-Krise ist nun auch in der Statisik erkennbar. Eine negative Entwicklung im niedrigen zweistelligen Prozent-Bereich weisen die von der npdgroup, Nürnberg, erhobenen Gastro-Umsatzzahlen in der KW 10 (2. bis 8. März 2020) auf.

Dies trifft die Marktteilnehmer allerdings sehr unterschiedlich. Höhere Minuszahlen gibt es beispielsweise bei der On-Board-Verpflegung (Bahn und Flugzeuge) aufgrund der sinkenden Zahl der Reisenden. Dies gilt auch für Kantinen und Schulmensen. Vending in Schulen und am Arbeitsplatz war bereits in der KW 10 deutlich geringer durch die stärkere Nutzung des 'Home-Office'. Klassische Restaurants, Cafés und Bars haben ebenfalls weniger Umsatz als der Durchschnitt.

Profiteure der Krise

Alles, was mehr oder weniger kontaktlos erfolgt, ist weniger stark betroffen oder profitiert sogar. Weniger stark negative Entwicklungen beobachtet die npdgroup für die Bäcker und Metzger sowie am Drive-Thru-Schalter, ebenso bei digitalen Bestellungen zum sogenannten ‚Click & Collect‘. Positiv hält sich in der ersten März-Woche der Foodservice-Absatz im Lebensmitteleinzelhandel sowie beim Delivery.

In den kommenden Wochen schätzt Jochen Pinsker, Senior Vice President der npdgroup deutschland, dass sowohl Delivery als auch Retail im positiven Sinne mehr Geschäft machen. Beim Bäcker und Metzger wird der Rückgang der Umsatzkurve sanfter verlaufen als für den Durchschnitt. Sie sind stärker davon beeinflusst, wenn Arbeitnehmer im Homeoffice arbeiten, da die Käufe oft auf dem Weg zur Arbeit oder in der Mittagspause getätigt werden.

"Was wir in unserem Panel in China sehen: Die Loyalität der Gäste zu ihren Stammplätzen ist deutlich höher und Transaktionen wurden eher beibehalten. Die Leute wollen aber nichts Neues ausprobieren in dieser Zeit", erklärt Pinsker.

Vermeidung von Plastik verliert an Bedeutung

Das Thema Sustainability ist laut Pinsker erstmal in den Hintergrund gerückt. Die gesamten Anstrengungen, die in der vergangenen Zeit unternommen wurden, sind in ihrer Bedeutung deutlich nach unten gerutscht. Jetzt heißt es: Lieber mehr Verpackung als weniger! Jeder bevorzugt Einwegbesteck beziehungsweise Einwegbecher als Mehrweglösungen. Alles soll so hygienisch wie möglich sein.

Einer der großen Wachstumstreiber im vergangenen Jahr und auch 2020 war laut npdgroup das Thema Solo-Dining. Dieser Trend bekommt nun durch Corona eine neue Bedeutung. Die Marktforscher sehen aktuell, dass noch mehr Menschen alleine essen oder in kleinen Gruppen. Größere Gruppen sind hingegen selten geworden. Statt der bewussten Entscheidung, sich etwas zu gönnen und auch mal alleine essen zu gehen, geht es in den heutigen Tagen um die Convenience-Versorgung.

Ferien prägten Februar-Umsätze stärker als Corona

Im Februar 2020 zeigten die Umsatzzahlen in der deutschen Gastronomie noch keine merkliche Veränderung. Der Monatsanfang lief für die Branche besser als im Vorjahr, ein Knick kam in der KW 9. Diesen Umsatzrückgang führt Jochen Pinsker allerdings eher auf die Faschingsferien in mehreren Bundesländern zurück und erklärt: "Ferien wirken sich normalerweise immer negativ auf die Umsätze im Außer-Haus-Markt aus." In Summe betrachtet, bleiben die Zahlen für den Februar konstant, denn die gute positive Entwicklung Anfang Februar wiegt den Rückgang gegen Ende des Monats wieder auf.

Am kommenden Freitag wird es eine erste Abschätzung für die Kalenderwoche 11 geben. "Die Entwicklung wird wohl deutlich negativer ausfallen als in der Vorwoche", ist sich Pinsker sicher.

Über die npdgroup
Die npdgroup betreibt in Deutschland und 12 weiteren Ländern weltweit das CREST Verbraucherpanel. Die vorgenannten Daten basieren auf ersten Ergebnissen aus diesem Instrument, die aufgrund der aktuellen Lage derzeit wöchentlich betrachtet werden.



Sie möchten Aktuelles zum Thema "Coronavirus und die Gastro-Branche" lesen? Mehr fachlichen Input finden Sie in unserem "Coronavirus und die Gastro-Branche"-Dossier.
stats