Coronakrise

"50 Mio. Euro Verlust bis Ende Juni!"

Hat als Sprecher der Leading Caterer Association eine Überblick über die Lage der Branche: Georg W. Broich.
Joerg Kuester
Hat als Sprecher der Leading Caterer Association eine Überblick über die Lage der Branche: Georg W. Broich.

Das Coronavirus weitet sich in Deutschland aus und bedroht auch das Geschäft der Eventcaterer. Georg W. Broich, Geschäftsführer von Broich Premium Catering und Sprecher der Leading Event Caterer Association (LECA), spricht von einer Stornierungsquote von 95 Prozent bis Ende April und Verlusten von ca. 50 Mio. Euro bis Ende Juni für die Caterer der LECA.

"Die Lage ist dramatisch", betont Georg W. Broich im Gespräch mit FOOD SERVICE. Das Geschäft seit für viele Eventcaterer bis Ende Mai fast völlig eingebrochen. Inzwischen sind selbst private Veranstaltungen, wie Hochzeiten, von der Stornierungsflut betroffen. "Wenn wir keine Unterstützung im Sinne von Liquiditätshilfen, wie sie der Dehoga fordert, bekommen, wird es für einige Kollegen bereits Ende April knapp. Viele Caterer mussten schon Mitarbeiter kündigen, während sich andere aktuell noch mit Kurzarbeit über Wasser halten."

In der vergangenen Woche startete die Leading Event Caterer Association (LECA) eine Umfrage unter ihren Mitgliedern zu den Auswirkungen des Coronavirus auf die Eventbranche. Ergebnis: Aktuell rechnen die zu der Organisation gehörigen Caterinunternehmen mit Verlusten von mindestens 50 Mio. Euro bis Ende Juni. Sollten noch mehr Events abgesagt werden, könnte sich diese Summe bis Ende Juli sogar auf 80 Mio. Euro steigern.

Leading Caterer Association (Leca)

Die Leading Event Caterer Association (LECA) wurde im April 2000 als Sprachrohr der führenden Eventcaterer unter dem Dach des FAMAB Kommunikationsverbandes gegründet. Heute gehören insgesamt 16 Unternehmen der Organisation an. Präsident ist Georg W. Broich. Als führende Betriebe setzen sich die Leading Event Caterer sowohl für Qualitätsstandards als auch für Leitlinien im Umgang mit Mitarbeitern und Fairness-Regeln in der Anbahnung und Zusammenarbeit mit Auftraggebern und Agenturen ein.



Um die wirtschaftlichen Auswirkungen der Corona-Krise abzufedern hat die Broich Premium Catering GmbH seit letzter Woche die Kurzarbeit eingeführt. "In der Operative haben wir zu fast 100 Prozent auf Kurzarbeit umgestellt, in anderen Bereichen, wie etwa der Verwaltung zu etwa 25 Prozent", verrät Georg W. Broich. Auch die Geschäftsführung selber zeigt sich solidarisch und verzichtet auf einen Teil ihres Gehalts. Dieser fließt in einen Fonds, aus dem Mitarbeiter, die von der Kurzarbeit finanziell besonders hart getroffen werden, unterstützt werden. "Ehrensache", betont Broich. "Das haben wir während der Finanzkrise 2008 ähnlich gehandhabt."

Umstellung auf Delivery

Zusätzlich ist der Caterer aktuell auch dabei staatliche Hilfe, etwa über die KfW zu beantragen. Und er stellt sein Geschäft, wo möglich, auf Delivery um. Ein großer Vorteil für das Unternehmen ist, dass es dafür auf die eingespielten Prozesse aus dem Schul- und Kitacatering zurückgreifen kann. "Wir haben in den letzten 14 Tagen schon für ältere Menschen aus unserem Bekanntenkreis, darunter auch meine Eltern, mitgekocht und ihnen das Essen vorportioniert geliefert. Inzwischen ist zudem ein Altenheim an uns herangetreten, das seine eigenen Küche aufgrund des Coronavirus schließen musste", erzählt der Geschäftsführer. In einem Facebook-Beitrag bietet der Caterer jetzt auch weiteren sozialen Einrichtungen Hilfe bei der Speisenversorgung an.



Positiv blickt Georg W. Broich bisher auf das Sommergeschäft. Wenn die Events, die aktuell in den Juli verschoben werden, regulär stattfinden, drohe den Caterern wenigstens kein Sommerloch. Als Sprecher der LECA forder er von der Politik zudem eine Aufweichung der Arbeitszeitenregelung in der Gastronomie für den Herbst. "Es geht nicht darum, dass unsere Mitarbeiter mehr als die vertraglich vereinbarte Stundenzahl arbeiten sollen", betont er. "Aber wir brauchen mehr Flexibilität in der Schichtenplanung. Nur so können wir in den kommenden Monaten das Ruder herumreißen."

Über die Broich Hospitality Group
Die Geschichte des Unternehmens reicht bis ins 18. Jahrhundert zurück. 1987 übernahm Georg W. Broich in vierter Generation das Familienunternehmen und startete 1998 in das Locationmanagement mit dem Alten Böhler Kesselhaus. Heute beschäftigt Broich 170 Mitarbeiter an sechs Standorten. Der Hauptsitz ist weiterhin in Düsseldorf. Produktionsküchen werden in Düsseldorf, Bonn, Mönchengladbach und Berlin betrieben.



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