Coronakrise / Experten-Interview (I)

"Es gibt eine Rückbesinnung"

PD Dr. med. Thomas Ellrott leitet das Institut für Enährungspsychologie an der Georg-August-Universität Göttingen.
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PD Dr. med. Thomas Ellrott leitet das Institut für Enährungspsychologie an der Georg-August-Universität Göttingen.

Sein Spezialgebiet ist das Essverhalten der Menschen und welche Faktoren es prägen. PD Dr. med. Thomas Ellrott ist Leiter des Instituts für Ernährungspsychologie an der Georg-August-Universität Göttingen. Der Experte im exklusiven gv-praxis-Interview über die Auswirkungen einer weltumspannenden Corona-Krise.

Dies ist ein Exzerpt. Das vollständige Interview lesen Sie in der April-Ausgabe der gv-praxis Jetzt im E-Paper lesen .

Was macht diese weltweit unbekannte Phase aus psychologischer Sicht mit den Menschen?
Dr. Thomas Ellrott:
Die Verlässlichkeit des bisherigen Lebens steht in Frage. Bei vielen stellt sich eine tiefgreifende Unsicherheit und Zukunftsangst ein. Das ist verbunden mit einer Rückbesinnung auf all das, was für das unmittelbare Überleben wichtig ist: Lebensmittel und Getränke, basale Hygiene, Energie, Wasser … aber auch Menschlichkeit, Nachbarschaft und Hilfsbereitschaft.

Wenn alle sicheren Parameter für Wohlstand – und damit Zufriedenheit – wegbrechen, wie könnte sich dieser Gau auf das Konsumverhalten auswirken?
Das hängt natürlich maßgeblich von der Dauer und den gesamtwirtschaftlichen Folgen der Krise ab. Eines ist indes klar: Landwirtschaft, Lebensmittelhandwerk, Lebensmittelproduzenten und Lebensmittelhandel werden zukünftig wieder wesentlich stärker gesellschaftlich geschätzt als vor der Corona-Krise. Sie werden weit mehr als vorher als unverzichtbarer Garant für das (Über-)Leben wahrgenommen. Die Situation in Gastronomie und Gemeinschaftsgastronomie weicht davon ab, denn gemeinsame Mahlzeiten im öffentlichen Raum sind typischerweise durch soziale Nähe gekennzeichnet. Gerade soziale Nähe ist jedoch zum neuen Synonym von Risiko geworden. Erst wenn Wissenschaft und Politik unisono kommunizieren können, dass soziale Nähe zu Dritten – nicht nur beim Essen – kein Risiko mehr darstellt, wird auch in diesen Branchen wieder Normalität einkehren. Der gesamte Lebensmittel- und Gastronomiesektor hat durch höchste Hygienestandards über die letzten Dekaden massive Fortschritte bei der Bekämpfung von 'food born illnesses' gemacht, sprich Erkrankungen, die durch Lebensmittel übertragen werden. Das gilt auch heute noch, denn Covid-19 wird maßgeblich direkt von Mensch zu Mensch übertragen und nicht über den Faktor Lebensmittel. Damit werden aber alle Lebenssituationen zum Risiko, in denen viele Menschen vergleichsweise dicht zusammentreffen.

Genau das passiert in der Gemeinschaftsgastronomie und Gastronomie.
Richtig. Aber auch an unzähligen anderen Stellen unserer hypermobilen Gesellschaft: in Bus und Bahn, im Flugzeug, auf Bahnhöfen und Flughäfen, auf Konferenzen und Messen, im Theater und auf Konzerten, in Ausstellungen …  erfüllen.

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