Coronakrise / Interview Gastro-Unternehmer

"Die Gastro hat keinen leichten Stand"

"Man ist immer wieder auf sich allein gestellt": Fabio Haebel
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"Man ist immer wieder auf sich allein gestellt": Fabio Haebel

Der Hamburger Gastronom Fabio Haebel betreibt in Hamburg das Restaurant Hæbel, die Weinbar La Cave und die Seafoodbar XO. Im Interview mit FOOD SERVICE spricht er über die Reduzierung des Mehrwertsteuersatzes, weitere notwendige Hilfen durch den Bund und seine persönlichen Zukunftsperspektiven.

Sehr geehrter Herr Haebel, wie beurteilen Sie die aktuelle Lage der Gastronomie in Deutschland?
Fabio Haebel: Besorgniserregend. Für die Branche muss es dringend nachhaltige Hilfen geben, Stellschrauben müssen gedreht werden. In Deutschland hat die Gastro keinen leichten Stand, damit meine ich: Keine Lobby, keine ernstzunehmende Gewerkschaft. Somit ist man immer wieder auf sich allein gestellt.
Wie viele Mitarbeiter beschäftigen Sie? Wie geht es denen?
20 Vollzeit, fünf weitere in Teilzeit. Den Mitarbeitern geht es zum Glück gesundheitlich gut. Natürlich haben genau wie wir Gastronomen auch die Mitarbeiter das berühmte Wechselbad der Gefühle. Und da wir nicht wissen, was die Zukunft bringt, können wir die Frage schlecht beantworten.

Was bringt die zeitlich befristete Reduzierung des Mehrwertsteuersatzes der Branche?
Es ist ein Anfang. Viel sinnvoller wäre es gewesen, die sieben Prozent für die gesamten Jahre 2020 und 2021 umzusetzen - auch rückwirkend. Zum einen hätte man dann das Thema des Liquiditätsengpasses erledigt. Ehrlich arbeitende Gastronomen würden anhand ihrer Betriebswirtschaftlichen Auswertungen gemessen. Sie hätten dann die Möglichkeit, mit der Umsatzsteuer-Rückzahlung wieder frisch zu starten sowie ggf. künftige Kredite und aufgeschobene Steuern zu bedienen.

Welche weiteren Hilfen benötigt die Gastronomie durch den Bund?
Das Kurzarbeitergeld nach vier Monaten auf 70 und nach weiteren zwei Monaten auf 80 Prozent aufzustocken, das verstehe ich ehrlicherweise nicht so ganz. Bis das greift, werden wir hoffentlich teilweise wieder geöffnet haben. Ich hätte es gut gefunden, für meine Mitarbeiter ein KUG von 80 Prozent zu zahlen, sodass wir freiwillig auf 100 Prozent hätten aufstocken können. Keiner meiner Angestellten soll einen Nachteil aus dieser Pandemie haben.

Wie sehen Sie die Zukunft für Ihr Restaurant und die Branche?
Für die Seafoodbar "XO" sehe ich das entspannt. Wir haben Platz, eine große Außenfläche. Was nervt, das ist die Tatsache, dass der Tag der Öffnung auch der Tag der Schließung war. Wir konnten also nach vier Monaten Bau- und Planung nicht eröffnen - da war dann die Luft raus. Aber das hat sich schnell in Erfindergeist gewandelt und mein großartiges Team hat sofort mitgezogen! Für das Restaurant Hæbel und die Weinbar La Cave fällt mir auf Grund der Größe der Läden eine Prognose schwer, ich rechne aber mit einer Öffnung im September. Wenn es gut läuft...  Sollte sich zu unserem Kerngeschäft, das im Winter ist, wirklich eine zweite Welle formieren, dann wird das eine enge Kiste. Aber wir geben nicht auf! Auch mit Steinen, die einem in den Weg gelegt werden, kann man Schönes bauen.
Über Fabio Haebel:
Fabio Haebel, geb. 1986, ist gelernter Koch und Hotelfachmann, betreibt in Hamburg das Restaurant Hæbel. 2010 gründete er die Catering-Agentur Tarterie St. Pauli in Hamburg. Ein Jahr später folgte die Eröffnung des Bistros & Restaurants "Tarterie St. Pauli", bald darau fiel der Startschuss für das Haebel. Kurz vor Ausbruch der Corona-Pandemie sollte die Seafoodbar "XO" starten.



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