Coronakrise / SSP Deutschland

"Bahnhöfe besser als Airports"

Oliver Dörschuck, CEO Continental Europe, SSP.
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Oliver Dörschuck, CEO Continental Europe, SSP.

Fürs internationale Geschäft haben die Verkehrsgastronomie-Spezialisten der SSP Group gerade die Zahlen des 1. Geschäftshalbjahres 2020 vermeldet: starker Covid-19-Einfluss und Umsatzminus. Zu den Corona-bedingten Herausforderungen des Deutschland-Geschäfts an Flughäfen und Bahnhöfen sprach Redaktion FOOD SERVICE mit Oliver Dörschuck, CEO Continental Europe, SSP.

Lieber Oliver Dörschuck, wie läuft es bei SSP?
Bevor Covid-19 hierzulande ausbrach, entwickelte sich SSP Deutschland gut, wie auch in den Halbjahres-Ergebnissen unserer Gruppe für Kontinental-Europa vermeldet. Heißt: Ohne Covid-19 wäre SSP Deutschland 2020 stark gewachsen, unter anderem durch die Station Food-Übernahme und dass wir nun ein ganzes Jahr mit 22 neuen Standorten an der Autobahn agieren. Auch in Spanien und Frankreich konnten wir weiter flächenmäßig wachsen.
Welche Aktionsfelder hatten und haben Vorrang im Rahmen der Coronakrise?
Der Schutz unserer Mitarbeiter und unserer Kunden besitzt in den letzten 3 Monaten oberste Priorität. Wir haben sehr schnell Maßnahmen ergriffen und hatten bislang nur einen bekannten Ansteckungsfall in Deutschland unter unseren rund 3.000 Mitarbeitern.
Daneben haben wir bereits Ende März als eines der ersten Unternehmen in England unsere Finanzierung mit einer Summe von rund 750 Mio. Britischen Pfund gesichert. Wir haben uns bereits Ende Februar auf sehr niedrige Umsätze eingestellt und sehr hart an Kosteneinsparungen gearbeitet.
Schnelle und klare Entscheidungen waren enorm wichtig. Gleichwohl ist es notwendig, die Mietverträge besonders in der Mindestmiete an diese außergewöhnliche und noch nie da gewesene Situation für 2020 und 2021 anzupassen.

Wie sieht bundesweit die Lage der SSP-Betriebe konkret an den Flughäfen aus?
Die allermeisten SSP-Betriebe waren im April und Mai an den Flughäfen geschlossen. Nur eine Handvoll Landside-Betriebe wurden mit verkürzten Öffnungszeiten betrieben. Parallel führen wir sehr gute und verständnisvolle Gespräche mit den Vermietern und wir bewegen uns analog des Passagier-Aufkommens.

Was erwarten Sie Stand heute für die kommenden Wochen, es heißt zum Beispiel in Frankfurt, der Flugverkehr solle langsam wieder anlaufen?
Wir sind im engen und vertrauensvollen Austausch mit den Vermietern und reagieren dann schnell auf sich ändernde Entwicklungen. Das schnelle Anpassen an die Situation hat sich in den letzten Wochen sehr bewährt. Es macht wenig Sinn, F&B-Units zu öffnen, wenn die Kunden fehlen und dies unsere Verluste nur vergrößert. Unsere Vermieter besitzen hier ein gutes Augenmaß.

Nun zu den Bahnhöfen? Wie laufen dort die Foodservice-Units?
Hier sieht es deutlich besser als an den Flughäfen aus und wir erreichen in manchen Betrieben schon wieder 50 Prozent des Umsatzes im Vorjahreszeitraum. Deutlich wird aber auch, dass die Kunden aktuell in puncto Food-Konsum im Bahnhof noch zurückhaltend sind. So richtig das Tragen von Masken ist, um die Ausbreitung des Virus zu bremsen, so wenig fördern sie natürlich die Lust auf die Nutzung der F&B-Angebote an Bahnhöfen.

Wie sehen die Gästezahlen an Airports und Bahnhöfen krisenbedingt bisher aus im Vergleich zum Vorjahreszeitraum?
Das erste Halbjahr bis März 2020 schließen wir in Continental Europe mit fast minus 11 Prozent auf bestehenden Flächen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum 2019 ab. Auf Gruppenebene lag der Umsatz Ende März bei rund minus 90 Prozent zum Vorjahr. Auch April und Mai waren viel nicht besser. Deutschland ist dabei sogar noch einer der stärksten Märkte, da der Shutdown nicht so ausgeprägt war wie in Frankreich oder Spanien.

Welches Umsatzniveau erwarten Sie bis Jahresende im Vergleich zum Vorjahr?
Sehr schwer einzuschätzen, wir beobachteten im Mai eine Verbesserung der Umsätze, aber doch sehr graduell und auf geringem Niveau. Deutschland spielt im europäischen Vergleich eine Vorreiterrolle und wir öffnen gerade unsere Einheiten nach einem systematischen Prinzip vor allem an Bahnhöfen und Autobahnen. Viel wird von der Lockerung der Reiseeinschränkungen und dem Verhalten unserer Kunden abhängen. Ich glaube aber, wir müssen uns auf eine längere Phase einstellen mit Umsätzen unter dem Niveau von 2019.
Das ist auf die Einflussfaktoren reduziertes Flugangebot, aufkommende Rezession mit Konsumzurückhaltung und gekürzte Reisebudgets der Unternehmen sowie ein verändertes Konsumentenverhalten zurückzuführen. Wir bereiten uns jedenfalls auf ein solches Szenario vor und bewahren gleichzeitig unsere Flexibilität, wenn die Umsätze schneller zurückkommen. Wir wollen gestärkt aus der Krise hervorausgehen und glauben an eine vollständige Erholung.
Über SSP
Der Spezialist für Verkehrsgastronomie, SSP, ist ein führender Betreiber von Lebensmittel- und Getränkekonzessionen mit Restaurants, Bars, Cafés, Gastronomie, Lounges und Convenience Stores an Flughäfen, Bahnhöfen, Autobahnen und anderen Freizeitstandorten.
Mit über 50 Jahren Erfahrung beschäftigt die Company heute mehr als 39.000 Mitarbeiter und bedient täglich rund eineinhalb Millionen Kunden.
An rund 180 Flughäfen und 300 Bahnhöfen betreibt SSP mehr als 2.800 Einheiten in 35 Ländern der Welt.
SSP verfügt über ein umfangreiches Portfolio von mehr als 550 internationalen, nationalen und lokalen Marken.
Im aktuellen foodservice Top 100 Ranking belegt SSP Deutsachland Rang 6 mit einem Foodservice-Umsatz netto von 285 Mio. Euro (Schätzwert der Redaktion), erlöst in 372 Betrieben (Stand 31.12.2019).


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