Coronakrise / Karneval

Gastro droht massiver Umsatz-Ausfall

Die vergangene Karnevalssaison (2019/2020) fand fast zeitgleich mit der Ausbreitung des Coronavirus in Deutschland statt. Ob die kommende Saison gefeiert werden darf, stellte Gesundheitsminister Spahn nun in Frage.
imago images / Future Image
Die vergangene Karnevalssaison (2019/2020) fand fast zeitgleich mit der Ausbreitung des Coronavirus in Deutschland statt. Ob die kommende Saison gefeiert werden darf, stellte Gesundheitsminister Spahn nun in Frage.

Laut Medienberichten denkt Gesundheitsminister Jens Spahn derzeit laut über die Absage der anstehenden Karnevalssaison 2020/21 nach. In einer Telefonkonferenz soll der CDU-Politiker gesagt haben, er könne sich mitten in der Pandemie keinen Karneval vorstellen. Damit stehen in den deutschen Karnevals-Hochburgen Millionenumsätze auf dem Spiel - allen voran für Gastronomie und Hotellerie.

"Das ist bitter, aber es ist so", kommentierte Spahn laut "Rheinischer Post" seine eigenen Überlegungen zur Absage des Karnevals. Hintergrund der Bedenken ist die steigende Zahl der Neuinfektionen in Deutschland, die zuletzt regelmäßig bei täglich mehr als 1.000 neu registrierten Fällen lag. 
Für die deutschen Karnevalshochburgen käme eine Absage einem "wirtschaftlichen Desaster" gleich, wie der Präsident des Bundes Deutscher Karneval (BDK), Klaus-Ludwig Fess, der "Rheinischen Post" sagte. Die Gesundheit stehe auf für die Karnevalisten an erster Stelle, so Fess: "aber bevor Veranstaltungen abgesagt werden, muss es darüber Gespräche geben."

In der zurückliegenden Dekade ist die Wirtschaftskraft des Kölner Karnevals laut einer im vergangenen Jahr Studie der Unternehmensberatung Boston Consulting (BCG) erheblich gestiegen. Laut der gemeinsam mit der Rheinischen Fachhochschule Köln durchgeführten Erhebung legte die Wirtschaftskraft zwischen 2008 und 2018 um 29 Prozent zu und liegt nun bei fast 600 Mio. Euro pro Saison. 

Die Unternehmensberatung führt das Wachstum auf vier Faktoren zurück: die Zunahme der
 Karnevalsveranstaltungen, steigende Besucherzahlen, Anstieg des Tourismus und bei den Verkäufen in der Textilbranche. 2,1 Millionen Besucher kamen in der Saison 2017/18 zu den Umzügen in Köln, 835.000 Besucher nahmen an Bällen und Umzügen teil.

Auf die Gastronomie und den Verzehr entfällt der Studie zufolge ein Löwenanteil der geschätzten 600 Mio. € Wirtschaftskraft der Hochburg Köln: 257 Mio. Euro wurden demnach 2018 im Bereich Food & Beverage ausgegeben (+34 % gegenüber 2008). Auf die Hotellerie entfielen 63 Mio. Euro (+43 % im Zehn-Jahres-Vergleich). 

Die zurückliegende Karnevalssaison fand fast zeitgleich mit dem ersten Aufflammen des Coronavirus in Deutschland statt. Im ersten Corona-Hotspot, dem Kreis Heinsberg, wurde die Häufung der Infektionen auf eine Karnevalsfeier zurückgeführt.

stats