Coronakrise / Re-Start Biergärten

"Kaum Preiserhöhungen in diesem Jahr"

Der Biergarten des Seehauses im Englischen Garten in München, ein Betrieb der Kuffler Gruppe, am Tag des Re-Starts.
Kuffler Gruppe
Der Biergarten des Seehauses im Englischen Garten in München, ein Betrieb der Kuffler Gruppe, am Tag des Re-Starts.

Seit 18. Mai sind in Bayern die Biergärten wieder eröffnet – eine Woche später sollen die Speisegastronomie in Bayern den Re-Start absolvieren dürfen (25. Mai). Auch der Biergarten vom Seehaus im Englischen Garten in München, ein 2.500 Sitzplätze starkes Konzept der Kuffler Guppe, München, nahm den Betrieb im Freien wieder auf: den Auflagen entsprechend und mit gestrafftem Angebot. FOOD SERVICE sprach mit Christine da Silva, Marketing und Public Relations der Kuffler Guppe über die Herausforderungen des Re-Starts.

Liebe Frau da Silva, welche Maßnahmen haben Sie ergriffen, um die Abstands- und Hygieneregeln für den Re-Start des Biergartens zu gewährleisten?
Wir haben den Ein- und Ausgang voneinander getrennt, eine Mund/Nasenschutz-Maske für die Gäste ist Pflicht, nur am Tisch darf diese abgenommen werden. Am Eingang erfassen wir die Kontaktdaten der eintreffenden Gäste. Danach werden die Gäste von uns platziert. Knapp zwei Drittel aller Tischgarnituren wurden entfernt, um den nötigen Abstand – 1,50 Meter Minimum von Rücken zu Rücken – zu gewährleisten.
Eine neue Wegeführung wurde auch bei der Speisenausgabe eingeführt, um eine Einbahn-Lösung zu schaffen. Zudem sorgen wir für eine kontinuierliche Reinigung und Desinfektion der Tische und bieten auch den Gästen Desinfektionsspender im gesamten Biergarten.

Wie muss man sich die Abholung der Speisen und Getränke konkret vorstellen, wie präsentieren Sie die Speisen und das Geschirr?
Die Gäste werden durch eine Art Parcours im Zick-Zack an den Küchenpavillon geleitet, um die Gästeschlange beim Anstehen zu entzerren. Alle Speisen sind abgedeckt und werden von der Küche ausgegeben – auch Brezen und Ketchup. Das Besteck ist ebenfalls verpackt, die Küchenmitarbeiter arbeiten natürlich mit Masken und Handschuhen.
Zudem wurden die Abläufe in der Küche vereinfacht, unter anderem bedingt durch ein kleineres Angebot – und das bedeutet, dass weniger Mitarbeiter in der Küche nötig sind, was den Abstand untereinander wiederum vergrößert. Getränke werden offen (Bier, Softdrinks, Kaffee) und alternativ in Flaschen (Zwickl Bier, Softdrinks) angeboten.
Über die Kuffler Gruppe
Zur Kuffler Gruppe (gegründet 1960), mit Sitz in München, zählen neben bekannten Gastro-Konzepten wie Mangostin und Spatenhaus auch das Weinzelt auf der Wiesn sowie außerhalb Bayerns bekannte Konzepte mit Außenflächen, zum Beispiel in Frankfurt die Rosso Suite in der Alten Oper mit Terrasse, das Opéra, das Lambertus in Wiesbaden und die Schlossschänke auf dem Johannisberg. Im Top 100-Ranking 2019 von foodservice erzielte die Kuffler Gruppe 2020 einen gastronomischen Netto-Umsatz von 124,0 Mio. Euro in 41 Gastro-Betrieben. Daneben ist das Unternehmen auch im Catering und in der Hotellerie aktiv.

Wie sieht in Ihrem Biergarten die Preisgestaltung unter diesen Umständen aus, wie wird bezahlt?
Wir haben dieses Jahr auf die sonst anstehende Preiserhöhung im Biergarten fast komplett verzichtet. Lediglich die Maß Paulaner Bier hat sich von 8,60 auf 8,90 Euro und die Maß Weißbier von 8,90 auf 9,30 Euro geringfügig verteuert. Bei der gesamten restlichen Palette an Getränken und Speisen halten wir die Preise des Vorjahres. Wir erheben keinen Corona-Aufschlag und keinen Eintritt. An den Kassen ist Barzahlung noch möglich, aber natürlich kann kontaktlos mit EC-Karte bezahlt werden.

Re-Start / Erstes Wochenende: Streifzug durch Münchner Biergärten




Eine Reservierungspflicht aufgrund Corona besteht im Biergarten nicht, arbeiten Sie trotzdem mit Reservierung und was passiert mit den Gästedaten?
Reservierungen im Biergarten sind nicht handelbar, die Gäste geben am Eingang ihre Kontaktdaten an. Diese Daten werden drei Wochen aufgehoben und danach vernichtet. Nur auf behördliche Anordnung werden sie an das Gesundheitsamt übergeben.
Eingangssituation im Biergarten Seehaus in München zum Re-Start: Mitarbeiter begrüßen die Gäste, erfassen ihre Kontaktdaten und geleiten sie zum Tisch.
Kuffler Gruppe
Eingangssituation im Biergarten Seehaus in München zum Re-Start: Mitarbeiter begrüßen die Gäste, erfassen ihre Kontaktdaten und geleiten sie zum Tisch.

Mit wie vielen Gästen pro Tag rechnen Sie bei den gegebenen Auflagen?
Wir haben die möglichen Plätze ja mehr als halbiert, und da nur vier Gäste (plus eigene Kinder) an einem Tisch sitzen dürfen, liegt die erwartete Zahl deutlich unter Vorjahr. Wir erwarten im Moment maximal 50 Prozent der Vorjahres-Gästezahl an Wochentagen und etwa 20 Prozent an den Wochenenden. Die Nachfrage ist da, aber wir können die Gäste einfach wegen der Abstandsregeln nicht wie im Biergarten sonst üblich setzen.

Welchen Prozentsatz Ihres Vorjahresumsatzes hoffen Sie in diesem Jahr erwirtschaften zu können?
Wir hoffen, positives Denken und weitere Lockerungen noch in diesem Sommer vorausgesetzt, im Seehaus-Biergarten auf einen Umsatz von 40 Prozent des Vorjahresumsatzes zu kommen.
Gastro-Öffnungsregeln Bayern
  • Ab 18. Mai ist Außengastronomie bis 20 Uhr wieder möglich.
  • Ab 25. Mai können Speiselokale wieder bis 22 Uhr öffnen.
  • Auflagen: begrenzte Gästezahl, Tischabstand von mindestens 1,5 Metern, Tische für Familienverbunde dürfen eingerichtet werden, besondere Desinfektion für Besteck und Gläser, Maskenpflicht für Küche und Service, für Gäste bis Platzeinnahme und beim WC-Gang, eigene Hygiene-Konzepte liegen vor.
  • Maßnahmen zur Abstandeinhaltung: etwa getrennte Ein- und Ausgänge oder Reservierungspflicht
  • Quelle: Öffnungsplan der Landesregierung
(Stand 18. Mai 2020)





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