Coronakrise / Schulverpflegung

Aus für viele Berliner Schulcaterer? Ein Brandbrief

Ob die Versorgung nach der Coronakrise noch gesichert ist? Die Schulcaterer fordern Unterstützung.
Thomas Fedra
Ob die Versorgung nach der Coronakrise noch gesichert ist? Die Schulcaterer fordern Unterstützung.

Für die Berliner Schul- und Kitacaterer ist die derzeitige Coronakrise besonders dramatisch, läuft doch aktuell immer noch die Ausschreibung für die Grundschulverpflegung von der ersten bis sechsen Klasse in den Bezirken. Diese wird voraussichtlich erst mit den Sommerferien abgeschlossen sein. Doch werden alle, die sich jetzt darauf beworben haben, in ein oder zwei Monaten noch liquide sein? Jetzt geht der Verband Deutscher Schul- und Kitacaterer (VDSKC) in die Offensive.

Rolf Hoppe, Vorsitzender des VDSKC, erläutert die Situation: „Wenn im Laufe des Verfahrens ein Unternehmen Insolvenz anmelden muss, ist es verpflichtet, dies an die ausschreibende Stelle, dem Bezirksamt, weiterzugeben. Der Auftraggeber, also in diesem Falle das Bezirksamt, muss nun rein rechtlich den Caterer vom weiteren Ausschreibungsverfahren ausschließen.“ Insofern sei die Coronakrise für viele Berliner Anbieter am Markt zum aktuellen Zeitpunkt doppelt existenzbedrohend – wenn jenseits von Kurzarbeitergeld keine weitere Unterstützung komme. Denn Miete und sonstige laufende Kosten müssen weiter beglichen werden.

Vertragserfüllung gefordert

Rolf Hoppe, Vorsitzender des Verbandes Deutscher Schul- und Kitacaterer.
Hoppe
Rolf Hoppe, Vorsitzender des Verbandes Deutscher Schul- und Kitacaterer.
Der Verband hatte deshalb kurzfristig mit allen 16 Mitgliedern in der vergangenen Woche eine Krisensitzung einberufen, um mögliche Maßnahmen zu besprechen. Das Ergebnis: In einem offenen Brief bittet der Verband die Berliner Bildungssenatorin Sandra Scheeres um Vertragserfüllung. Was das heißt? In der Hauptstadt ist das Schulessen bis zur 6. Klasse kostenfrei. Das Geld ist also für die täglich rund 160.000 Mahlzeiten bereits im aktuellen Haushalt eingestellt. 3,25 Euro pro Essen. In dem Schreiben, das FOODSERVICE vorliegt, fordert der Verband eine Bezahlung von mindestens "zwei Drittel der bisher gelieferten Portionen" an die Caterer.
„Wir appellieren an die politischen Entscheidungsträger, sich möglichst schnell für unbürokratische Nothilfemaßnahmen einzusetzen“, sagt Rolf Hoppe mit Nachdruck. Als Begründung führt der Verband in dem Schreiben an: „Viele Caterer können durch fehlende Liquidität bis hin zu Insolvenzen die Struktur der Schul-und Kitaverpflegung nicht mehr aufrechterhalten.“ Rolf Hoppe selbst ist Geschäftsführender Gesellschafter des Cateringunternehmens Luna in Berlin, einer der größten Anbieter für Kita- und Schulessen in der Hauptstadt, er kennt die Herausforderungen des Marktes nur zu gut.

Systemrelevante Infrastruktur

Die Zukunft vieler Unternehmen in der Schul-und Kitaverpflegung sei akut bedroht, so Rolf Hoppe. Um aber die Versorgung der Schüler jederzeit gewährleisten zu können, sei es notwendig, die Mitarbeiter weiter zu beschäftigen und somit die Erhaltung der systemrelevanten Infrastruktur sicherzustellen. „Ein Bereitschaftsdienst muss aufrechterhalten werden, auch deshalb, um im Notfall die Küchen für den Katastrophenschutz bereitstellen zu können“, heißt es weiter in dem Schreiben. Man hoffe, so Rolf Hoppe, mit Sandra Scherres ins Gespräch zu kommen.

Ein Vorschlag, den die Bildungssenatorin kaum ablehnen kann. Denn ohne Schul- und Kitacaterer ist kein geregelter Schulalltag und keine ganztägige Betreuung in den Kindertagesstätten künftig mehr möglich. Derzeit fahren viele Caterer eine Notfallversorgung für die Einrichtungen, in denen die Kinder von Eltern mit systemrelevanten Berufen wie Pfleger, Arzt oder Polizist betreut werden.
Schulverpflegung Berlin
Rund 20 kleinere und größere Cateringunternehmen beliefern die Grundschulen in Berlin. Insgesamt geht es täglich um rund 160.000 Essen. Seit August 2019 ist das Essen für die Grundschüler kostenfrei. Die Caterer erhalten seit sechs Jahren einen berlinweiten Einheitspreis von 3,25 Euro pro Essen. Schlon lange reicht diese Summe nicht mehr aus, um die gestiegenen Lebensmittel-, Personal- und Energiekosten der vergangenen Jahre zu decken. Mit der neuen Ausschreibung wird der Festpreis deshalb ab August 2020 zunächst auf 4,09 Euro steigen und ab August 2021 auf 4,36 Euro. Die Ausschreibung in den zwölf Berliner Bezirken läuft noch und soll bis zu den Sommerferien abgeschlossen sein. Es geht um ein Auftragsvolumen von rund 500.000 Mio. Euro für vier Jahre. Die Coronakrise verschäft die ohnehin schon angespannte Lage vieler Berliner Schul- und Kitacaterer.





Sie möchten Aktuelles zum Thema "Coronavirus und die Gastro-Branche" lesen? Mehr fachlichen Input finden Sie in unserem "Coronavirus und die Gastro-Branche"-Dossier.
stats