Coronakrise / Statements

"Es macht überhaupt keinen Sinn"

"Es macht überhaupt keinen Sinn": David Baumgartner, Dean & David, über die aktualisierten Maßnahmen der Bundesregierung in der Coronakrise.
Dean & David
"Es macht überhaupt keinen Sinn": David Baumgartner, Dean & David, über die aktualisierten Maßnahmen der Bundesregierung in der Coronakrise.

Während der Handel teils mit der Wiederaufnahme des Geschäftsbetriebs planen kann, wartet die Gastronomie weiterhin auf eine Lockerung der aktuellen Beschränkungen durch Bund und Länder. Wie fallen die Reaktionen aus der Branche aus?

Unternehmer und Branchen-Sprecher zeigen sich verstimmt und enttäuscht darüber, dass die Politik dem Gastgewerbe bisher noch keine Perspektive in dieser massiven Krise aufgezeigt hat. Dringende Fragen bleiben weiterhin ungeklärt. So sagt etwa Michael Kuriat, Präsident des Leaders Club, nach dem jüngsten Beschluss von Bund und Ländern: "Die Enttäuschung in der Branche ist riesengroß!" Man habe einen Fahrplan für das Gastgewerbe erhofft, aber der sei komplett ausgeblieben.
Gleichwohl der bayerische Ministerpräsident Markus Söder nun angedeutet habe, dass die Gastronomie an Pfingsten wieder starten könnte, bedeute diese lange Durststrecke das Aus für viele Gastro-Unternehmen. "Bei vielen gehen die Ressourcen jetzt zu Ende", berichtet Michael Kuriat. Er fordert von der Politik nun einen konkreten und verbindlichen Fahrplan für die Gastronomie, der gemeinsam mit Vertretern aus der Branche abgestimmt wird. Dazu zählt etwa auch die Perspektive, dass für das Gaststättengewerbe der reduzierte Mehrwertsteuersatz eingeführt wird.

Für Kanwal Gill, Gründer des indischen Fast-Casual-Konzepts EatDoori, kam der jüngste Entschluss von Bund und Ländern nicht überraschend: "Wir gehen davon aus, dass wir erst Ende Mai wieder öffnen dürfen", sagt er. Er hoffe allerdings, dass die Politik möglichst bald eine Auseinandersetzung mit der Branche sucht: "Wir müssen wissen, wie es weitergehen kann."

Auch wenn das Gastgewerbe Ende Mai wieder starten könnte, bleibt eine Ungewissheit: "Es kann doch jetzt auch noch niemand sagen, ob die Menschen nach der Aufhebung des Kontaktverbots sofort wieder Restaurants besuchen", warnt Kanwal Gill. Er geht davon aus, dass im Nachgang der Krise im Gastgewerbe der reduzierte Mehrwertsteuersatz von 7 Prozent eingeführt werden wird. "Anders geht es einfach nicht."

David Baumgartner, Gründer des Fast-Casual-Konzepts Dean & David, sagte auf Anfrage von FOOD SERVICE: "Ich kann nicht verstehen warum die Regierung keine allgemeinverbindlichen Vorgaben hinsichtlich Sicherheitsabstand, Hygiene usw. macht, deren Umsetzung in der Verantwortung der Unternehmen liegt. Es macht überhaupt keinen Sinn, dass große Läden gegenüber kleinen diskriminiert werden und auch nicht, dass eine Gastronomie, der es baulich möglich ist, zwei Meter Abstand zwischen den Tischen zu schaffen, keine Sitzplätze im To-go-Bereich nutzen darf."

Neben Dehoga-Präsident Guido Zöllick äußerten auch Politiker Widerspruch. FDP-Chef Christian Lindner twitterte etwa: "Die Öffnungsperspektive ist gut - Vorsicht sowieso. Aber wäre bei Handel, Gastronomie und Bildung nicht etwas mehr möglich, wenn Schutzkonzepte vorliegen? Die Regierung sollte jedenfalls wöchentlich prüfen und nicht erst Ende April."


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