Coronakrise

Jugendherbergen in Existenz-Not

9,76 Millionen Übernachtungen meldeten die 14 DJH-Landesverbände 2019. Ein Plus von 60.000 gegenüber 2018. Fast 2,5 Millionen DJH-Mitglieder nutzen die Jugendherbergen.
DJH
9,76 Millionen Übernachtungen meldeten die 14 DJH-Landesverbände 2019. Ein Plus von 60.000 gegenüber 2018. Fast 2,5 Millionen DJH-Mitglieder nutzen die Jugendherbergen.

Die deutschen Jugendherbergen sind weitgehend geschlossen. Die Corona-Pandemie gefährdet das Freizeit-Angebot für rund 2,5 Millionen Mitglieder. Das Deutsche Jugendherbergswerk (DJH) stellt seine Häuser für Quarantänemaßnahmen und Einsatzkräfte zur Verfügung und kämpft um finanzielle Unterstützung.

"In den vergangenen Tagen wurden nahezu alle rund 450 Jugendherbergen der 14 DJH-Landesverbände geschlossen und es ist absolut nicht absehbar, wann sie wieder öffnen können", konstatiert DJH-Hauptgeschäftsführer Julian Schmitz. Der Einbruch der Reservierungen aufgrund ausgefallener Klassenfahrten und Jugendfreizeiten stelle für das DJH eine existenzbedrohende Krise dar. Aktuell wird in allen Landesverbänden unter anderem über Vereinbarungen zur Kurzarbeit für die insgesamt fast 5.000 Mitarbeitenden verhandelt. "Praktisch all unsere Zielgruppen sind auf absehbare Zeit nicht zu erreichen. Das führt zu Verunsicherung bei Mitarbeitenden und Gästen", fasst Schmitz zusammen.

Offen für Hilfseinsätze

Das DJH hat Behörden und zuständigen Stellen signalisiert, dass ihre Häuser für Quarantänemaßnahmen und beispielsweise als Unterbringung für Einsatzkräfte zur Verfügung stünden. Erste Kooperationen sind bereits gestartet. Mit Stand 2. April werden in einer Berliner Jugendherberge Wohnungslose untergebracht. Die Jugendherberge in Stuttgart dient als temporäre Fieberambulanz. In Freiburg nutzt die Stadt die Jugendherberge, um die Lage in den zu engen Flüchtlingsunterkünften zu verbessern

Umgekehrt seien jedoch auch die Landesverbände selbst auf staatliche Unterstützung angewiesen. "Gelingt es uns nicht, die Entscheider davon zu überzeugen, dass auch wir als gemeinnütziges Unternehmen dringend Unterstützung brauchen, steht hinter dem Fortbestand der Jugendherbergen in Deutschland ein sehr großes Fragezeichen: Aus eigener Kraft können wir es nicht schaffen", betonen Julian Schmitz und DJH-Präsident Prof. Dr. Günther Schneider. Sie stehen aktuell in intensiven Gesprächen mit politischen Vertretern und Institutionen, um die bedrohliche Lage der Jugendherbergen zu lösen.

Als gemeinwohlorientierte Organisation dürfe man keine Rücklagen bilden. "Wir reinvestieren unsere Erlöse immer direkt in die Jugendherbergen", erläutert Prof. Schneider. Dies drohe nun zum Nachteil zu geraten. Er betont: "Das DJH will nach dieser schweren Zeit wieder aktiv dazu beitragen, dass sich Menschen aus aller Welt begegnen und Toleranz und respektvolles Miteinander gestärkt werden können." Die Jugendherbergen leisteten einen wertvollen Beitrag im Bereich der non-formalen pädagogischen und kulturellen Bildung. 
Über das Deutsche Jugendherbergswerk
Im Dachverband Deutsches Jugendherbergswerk (DJH) sind 14 Landesverbände zusammengeschlossen. Sie vertreten 442 Jugendherbergen mit insgesamt fast 70.000 Betten. Im Jahr 2019 wurden rund 9,76 Millionen Übernachtungen gebucht, über 70 Prozent davon in Land- und Kleinstadtjugendherbergen. Fast 40 Prozent der Besuchergruppen kommen aus Schulen und Hochschulen, Familien machen 22 Prozent der Buchungen aus, Freizeitgruppen 16 Prozent. Aus dem Ausland kamen im vergangenen Jahr 666.001 Besucher. Das DJH hat 2.460.329 Mitglieder sowie 5.000 hauptberufliche und 782 ehrenamtliche Mitarbeiter. 2020 feiert der Verband sein 111-jähriges Bestehen.



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