Coronakrise

Welche Daten in der Krise helfen

Andreas Steinbeißer, Gründer und Geschäftsführer Sell & Pick GmbH.
Salome Roessler
Andreas Steinbeißer, Gründer und Geschäftsführer Sell & Pick GmbH.

Vor dem Ausbruch der Corona-Pandemie konnten Gastro-Unternehmen zahlreiche Daten sammeln – doch wie lassen sich diese Daten nun in dieser massiven Krise effektiv nutzen? Und welche Erkenntnisse sind jetzt von zentraler Bedeutung? FOOD SERVICE sprach mit dem Gastro-Daten-Spezialisten Andreas Steinbeißer, welche Daten Gastronomen in der Krise helfen.

Sehr geehrter Herr Steinbeißer, welche Daten können einem Gastro-Unternehmer in dieser massiven Krise hilfreich sein?
Andres Steinbeißer: In der aktuellen Zeit sind Ressourcen-Einsatz und Umsatz natürlich bei den meisten auf einem sehr niedrigen Niveau. In dieser massiven Krise gilt es, aus dem Minimalen das Maximale herauszuholen. Wer jetzt etwa auf Lieferdienste und Take-Away setzt: Hilfreich sind unter anderem Analysen mit Echtzeit-Erkenntnissen, mit welchem Warenangebot zu jeder Zeit ein optimaler Deckungsbeitrag erzielt werden kann, um ein fokussiertes Krisen-Angebot zu fahren.

Was sollten sich Gastro-Unternehmer jetzt zusätzlich anschauen?  
Hilfreich ist jetzt etwa, die unterschiedlich eingesetzten Lieferdienste und Vermarktungskanäle zu analysieren. Interessante Erkenntnisse sind hier die unterschiedlichen Ticket-Größen (Durchschnitts-Bon je Bestellung) je Lieferdienst und zeitliches Bestellverhalten der (Online-)Kunden mit Echtzeitdaten einzusehen. Eine Optimierung und Automatisierung des Online-Marketings mit gezieltem Ausspielen einer relevanten Sichtbarkeit kann hier eine clevere Maßnahme sein. Auch Erkenntnisse über Warenkorbunterschiede mit Wetter-Einfluss können helfen, um Bestell-Prognosen zu erhalten und daraufhin Plan-Ressourcen auszurichten.   

"Wie sieht mein idealer Warenkorb aus?", "Inwiefern beeinflusst das Wetter meinen Umsatz?" und "Welche Einflüsse bestimmen meinen Umsatz & Ertrag?" sind drei wesentliche Fragen, bei deren Beantwortung Sie Gastronomen vor der Krise unterstützten. Welche Fragen wollen Gastronomen jetzt von Ihnen hauptsächlich beantwortet bekommen?
Neben Kostenanalysen und Performance-Benchmarking innerhalb der Standorte arbeiten wir aktuell im Hintergrund für Kunden, die bereits schon länger in Datenanalysen, Business Intelligence und in KI-Umsetzung investiert haben, unter anderem an folgenden Treiber-Themen:
  • Spezial-Analysen zum Einfluss des Online-Marketings zum PoS-Absatz. Heißt, welche Umsatz-/Absatzeffekte haben Online-Marketing-Aktivitäten, zB. unterschiedliche Textbeschreibungen und Bildqualitäten von F&B-Angeboten in Social Media oder Online-Darstellungen bei Lieferdienst-Portalen auf den POS-Umsatz.

  • Alerting-Dashboards, die spezielle Auffälligkeiten und Abweichungen anzeigen, etwa Betrug durch überhöhte Storno-Quoten oder das Aufzeigen von negativen Effekten im Absatz-Verhältnis von Eigenlabels versus Brand-Labels. Dazu werden unter anderem relevante Einflüssen wie WKZ, Einkaufskonditionen oder Bonus mitberücksichtigt. 
     
  • Und ein Thema, was nach der Krise stärker an Relevanz gewinnen wird: Preisabsatz-/Preiselastizitätsanalysen. Also die Untersuchung des richtigen Preispunktes im Verhältnis zur Nachfrage-Zeit. Das End-Ziel ist hier, wie auch in anderen Branchen, in das Thema Dynamic Pricing reinzukommen. Die Preise werden sich nach der Krise mit Sicherheit in der Branche verändern.  
Welche Marketing-Maßnahmen sind in der derzeitigen Situation für Gastronomen am erfolgreichsten?
Spätestens jetzt zeigt sich, dass eine strategische Digitalisierung extrem wichtig ist. Wer es in den vergangene Jahren verpasst hat, eine Online-Sichtbarkeit aufzubauen, ist (momentan) aus der Wahrnehmung verschwunden. Wer zudem verpasste, in den Aufbau digitaler Prozesse und Infrastruktur zu investieren, um Produktivität zu steigern und in Echtzeit handeln zu können, der verpasst viele Chancen und wahrscheinblich eine schnelle wirtschaftliche Erholung nach der Krise.

In welcher Situation befinden sich derzeit die Gastronomen, mit denen Sie zusammenarbeiten?
Bei vielen Unternehmen merken wir, dass im Hintergrund sogar aktuell noch intensiver in automatisierte Prozess-Steuerungs-Themen über Daten-Analysen investiert wird. Wir sehen, dass eine intelligente und automatisierte Steuerung des Geschäfts über Echtzeit-Daten zukünftig noch mehr Relevanz haben wird.    

Mit wie vielen Gastro-Unternehmen arbeiten Sie derzeit zusammen?
Aktuell arbeiten wir aktiv mit unseren knapp 30 Key Account Unternehmen in den Segmenten System-Gastro, Tankstellen, System-Bäckereien und Fashion-Retail mit einer Systemgröße zwischen 5 und 1.000 Standorten zusammen. Aktiv bedeutet: begleitende Umsetzung unserer Methodik für eine erfolgreiche datengetriebene Unternehmens-Steuerung der Organisation, fortlaufende Analyse-Beratung und Einsatz unserer Software-Plattform.
Über Andreas Steinbeißer
Andreas Steinbeißer arbeitet seit rund 20 Jahren in der Foodservice-Branche. Er ist Founder & CEO der Softwareplattform Sell & Pick, die Gastro-Unternehmen hilft, Daten zur Geschäftsoptimierung zu sammeln. Im Fokus seiner Arbeit stehen die Bereiche Entwicklung und Veränderung von Prozessen für gastronomische Systeme und Hersteller-Industrie für nationale und internationale Unternehmen. Vor seiner Selbstständigkeit baute er unter anderem für ein Systemgastronomie-Unternehmen mit über 1.000 Mitarbeitern neue Prozesse in der Markenführung und für die Unternehmensentwicklung mit auf.



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