Coronakrise / Airports & Verkehrsgastronomie

Die Luftfahrt leidet

Stärkere Kontrollen an Flughäfen in Baden-Württemberg wegen zunehmender Corona-Infektionen. Kein Stopp des Flugverkehrs. Ob in einem weiteren Schritt der Flugverkehr eingeschränkt wird, ist nach Angaben des Verkehrsministers noch nicht beschlossen (Stand: 16.3.2020).
Imago Images/Arnulf Hettrich
Stärkere Kontrollen an Flughäfen in Baden-Württemberg wegen zunehmender Corona-Infektionen. Kein Stopp des Flugverkehrs. Ob in einem weiteren Schritt der Flugverkehr eingeschränkt wird, ist nach Angaben des Verkehrsministers noch nicht beschlossen (Stand: 16.3.2020).

Massiv von den Corona-Auswirkungen sind inzwischen auch die deutschen Flughäfen betroffen. Als Folge der Krise bei den Airlines melden die Flughäfen einen massiven Umsatzeinbruch. Im Schnitt gehen die Zahlen aktuell um rund 20 Prozent zurück. Zur Situation der deutschen Airports und der dortigen Verkehrsgastronomie holt FOOD SERVICE aktuelle Statements und Informationen ein (Stand 18.03., 15 Uhr).

Auf 113 Mrd. US-Dollar Verluste beziffert der internationale Luftfahrtverband IATA das im schlimmsten Fall erwartete Minus 2020 der Fluggesellschaften weltweit im Passagiergeschäft. 63 Mrd. US-Dollar Verlust seien laut der Prognosen mindestens zu erwarten, sofern die Passagierzahlen „nur“ um 10 Prozent zurückgehen. Allein für die deutsche Luftfahrt ist mit einem Minus von knapp 3 Mrd. Euro zu rechnen.

Keine Urlaubsreisen mehr

Durch die Urlaubs-Verzichts-Aussage der Bundesregierung verschärft sich seit 16. März die Lage zusätzlich: Um das Coronavirus einzudämmen, sollen die Deutschen keine Urlaubsreisen ins In- und Ausland mehr unternehmen, fordert Kanzlerin Angela Merkel. Zudem solle es hierzulande keine Übernachtungsmöglichkeiten mehr für Touristen geben. Unternehmen streichen Dienstreisen der Mitarbeiter, Messen und Großveranstaltungen sind abgesagt. Damit sind auch Flüge und Flughäfen quasi frequenzlos.

Flughafenverband ADV erwartet Durststrecke

Ralph Beisel, Hauptgeschäftsführer des Flughafenverbandes ADV, richtet sich auf möglicherweise länger anhaltende Folgen der Corona-Krise ein. Derzeit sei die Zurückhaltung sehr hoch. "Und das wird sicherlich auch noch einige Wochen oder gar Monate so bleiben. Die Auswirkungen der Coronavirus-Krise trifft den Luftverkehr stärker als alle anderen Branchen. Die Buchungen von Flugreisen gehen in allen Verkehrsbereichen massiv zurück.“
Die deutschen Flughäfen seien nicht unerfahren im Management von Krisen, sagt Beisel mit Blick auf die Weltwirtschaftskrise 2009, September/11, Flugbeschränkungen durch Vulkan-Aschewolken oder die frühere Ausbreitung des Sars-Virus, aber diese Abwärtsentwicklung übersteige alle bisher gemachten Erfahrungen. Viele Flughäfen sehen wirtschaftlich harten Zeiten entgegen. Die Corona-Krise zwinge die Flughäfen zu schnellen Sparmaßnahmen.

„Aufgrund ihrer hohen Fixkosten lassen sich Anpassungsmaßnahmen bei den Flughäfen schwieriger umsetzen als bei anderen Unternehmen. Die wirtschaftliche Lage der Airports verschärft sich aufgrund der Verkehrseinbrüche von Woche zu Woche.“ Die Lage bedürfe dringend der Unterstützung der Bundesregierung und müsse über die Kurzarbeit hinausgehen.

Stimmen großer und kleinerer Airports:

Airport Frankfurt

Einerseits kann der Flughafenbetreiber Fraport am 13. März ein erfolgreiches und positives Geschäftsjahr 2019 vermelden, doch zugleich zeichnet sich an Deutschlands größtem Airport ein düsteres Bild für 2020 ab. In Summe erwarte der Vorstand ein deutlich rückläufiges Konzern-Ergebnis, so die Botschaft. Dr. Stefan Schulte, Vorstandsvorsitzender der Fraport AG, sagt dazu: „Nach mehreren Jahren mit starkem Wachstum befindet sich die Luftfahrt derzeit in einer schweren Krise, deren Ende wir noch nicht absehen können.“
Im Februar verzeichnete der Flughafen Frankfurt bei den Passagierzahlen ein Minus von 4,0 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat. Allein in der letzten Februarwoche wuchs das Minus der Fluggastzahlen auf 14,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. In der ersten Märzwoche verstärkte sich diese negative Dynamik sogar – das Passagier-Minus lag bei 30 Prozent, heißt es. Am 16. März erreichte die Zahl der Passagiere nur noch 50 Prozent des Normalverkehrs, der Flugbetrieb sank um rund ein Drittel.
Um auf der Kostenseite gegenzusteuern, hat Fraport eine Reihe von Maßnahmen auf den Weg gebracht: Alle Kostenpositionen stehen derzeit auf dem Prüfstand. Keine Neueinstellungen. Den Beschäftigten werde angeboten, auf freiwilliger Basis unbezahlten Urlaub oder eine vorübergehende Reduzierung der Arbeitszeit in Anspruch zu nehmen. Kurzarbeit sei in Vorbereitung, heißt es zu den Maßnahmen.
Jüngste Maßnahmen aufgrund des Coronavirus: Schließung der Besucherterrasse für den Publikumsverkehr und Aussetzung der Rundfahrten seit 17. März.

Wie stark dies alles die gastronomischen Betriebe an den Airports betrifft, die derzeit je nach Bundesland nur zu begrenzten Uhrzeiten öffnen dürfen, lässt sich erahnen. Von Seiten der Gastro-Verantwortlichen am Airport Frankfurt war eine genaue Aussage aufgrund der volatilen Situation leider nicht möglich.

Flughafen München

Auch an Deutschlands zweitgrößtem Flughafen trifft es den Betreiber und die Mieter hart. Die Passagierzahlen  sanken im März zweistellig, zumal München als starkes Lufthansa-Drehkreuz (über 50 % des Flugverkehrs) extrem von den 50-prozentigen Flugstreichungen der Airline und ihrer Partner betroffen ist.
Doch derzeit sei die Lage zu unsicher, um eine konkrete Strategie und Zahlen bekannt zu geben, heißt es seitens des Betreibers. Der diskutierte Maßnahmenkatalog reiche von Kurzarbeit über Abbau bis zu Einsparprogrammen. Detailliertere Informationen seien eventuell auf der Jahrespressekonferenz am 24. März zu erwarten, so die Aussage.

Flughäfen Berlin, Tegel & Schönefeld

Die weltweite Verbreitung des Coronavirus wirkt sich auch auf die Berliner Flughäfen aus. Gleichzeitig ist die erwartete Konsolidierung im Luftverkehrsmarkt auch in Berlin angekommen und die Verkehrszahlen für Februar sind rückläufig. Es sei noch nicht abzusehen, inwieweit die weltweite Ausbreitung des Coronavirus die Entwicklung des Flugverkehrs in der Hauptstadtregion belaste, so die Aussage seitens des Flughafens.
Man rechnet damit, dass unter anderem ausgefallene Großveranstaltungen wie die ITB, aber auch Streichungen von Flügen bei den Airlines die Entwicklung in den kommenden Wochen und Monaten beeinflussen. „Klar ist allerdings, dass die Entwicklung der Passagierzahlen über das gesamte Jahr hinweg und die Erreichung der wirtschaftlichen Ziele des Flughafens Berlin Brandenburg vom weiteren Verlauf der Pandemie abhängen.
„Die Flughafen Berlin Brandenburg GmbH (FBB) beobachtet die Ausbreitung des Coronavirus sorgsam und ist in engem Austausch mit den zuständigen Gesundheitsbehörden und unseren Partnern am Flughafen. Wir bewerten die Situation tagesaktuell“, sagt Pressesprecher Unternehmenskommunikation Daniel Tolksdorf, Flughafen Berlin Brandenburg GmbH (FBB).

Airport Düsseldorf

Als Flughafen mit Betriebspflicht ist der Flughafen Düsseldorf eingestuft. Für das erste Quartal 2020 rechnet die Betreibergesellschaft des Flughafens Düsseldorf mit einem Minus im Verkehrsvolumen von bis zu 20 Prozent. Um die kurzfristigen wirtschaftlichen Effekte abzumildern, reduziere man derzeit den Betrieb auf das Notwendige, heißt es.
„Die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Epidemie für die Wirtschaft im Allgemeinen und die Luftverkehrsbranche im Besonderen sind bisher im Detail schwer abschätzbar“, so das Statement der Abteilung Kommunikation. Verlässliche Aussagen zur Entwicklung der gastronomischen Situation am Düsseldorfer Airport konnten ebenfalls nicht gemacht werden.

Airport Stuttgart

Moderate Auswirkungen durch das Coronavirus vermeldet der Flughafen Stuttgart. „Bis Ende März haben die Airlines bereits vereinzelt Flüge gestrichen, zumeist Italien-Flüge. Im Januar und Februar hatten wir beim Verkehr positive Zahlen“, heißt es. So lag die Zahl der Passagiere im Januar bei 721.378 (+ 6,5 % zum Vj.) die vorläufige Passagierzahl im Februar wird auf 706.474 beziffert (+ 3,5 % zum Vj.).
„Für März hingegen gehen wir bei Passagieren und Bewegungen von einem Rückgang aus – wie hoch dieser ausfallen wird, ist derzeit noch nicht absehbar. Auswirkungen auf die Gastronomie in den Terminals können wir noch nicht benennen, weder in der Menge noch im Detail“, konstatiert Beate Schleicher, Pressesprecherin, Flughafen Stuttgart.
Beim Thema Coronavirus und Vorbeugung seien grundsätzlich die Gesundheitsämter die zuständigen Stellen, der Flughafen setze in den entsprechenden Situationen deren Empfehlungen und Anweisungen um.

Flughafen Nürnberg

Aktuell ist der Gastronomiebetrieb am Airport Nürnberg eingeschränkt. Ein Teil der Units läuft mit geänderten Öffnungszeiten oder hat den Betrieb vorübergehend eingestellt. Die Filialen von Rewe ToGo, McDonalds und Kalchreuther Bäcker haben weiterhin wie gewohnt geöffnet. "Die geöffneten Gastronomiebetriebe dienen in erster Linie der Versorgung der am Flughafen tätigen Mitarbeiter und Nutzern des öffentlichen Nahverkehrs am Airport, etwa beim Umstieg vom Bus in die U-Bahn. Da die Zahl an Passagieren stark gesunken ist, sind die Gastronomie-Umsätze aktuell nicht mehr kostendeckend", sagt Katharina Ostertag, Content- & Social Media Managerin, Airport Nürnberg. Zu weiteren Entwicklungen soll die Jahrespressekonferenz am 26. März Infos liefern.

Airport Dortmund

„Seit März bemerken wir einen leichten Umsatzrückgang bedingt durch einen Passagierrückgang im Vergleich zu 2019. Dennoch liegen die gastronomischen Umsätze über dem Wert im Vergleichszeitraum 2018. Ansonsten ist die Situation derzeit sehr dynamisch und kann sich jeden Tag ändern“, berichtet Frank Weeke, Geschäftsführer der Kongress Dortmund GmbH und verantwortlich für die Gastronomie am Dortmunder Flughafen.
Die Stimmung bei den Mitarbeiter sei unverändert gut und auch seitens der Gäste sei keine Hysterie-Welle in Dortmund erkennbar. Als unterstützende Maßnahme seitens des Dortmund Airport gibt es ein allgemeines Informationsschreiben für die Mieter, wie im Corona-Verdachtsfall vorzugehen sei und welche Notfallpläne seitens des Flughafens greifen würden.

Airport Bremen

Vom Flughafen Bremen gab es vorerst folgendes Statement: „Natürlich steht der Bremen Airport derzeit in engem Kontakt mit seinen Kunden und Konzessionären. Dass das Coronavirus Auswirkungen auf den Non Aviation-Bereich haben wird, steht außer Frage. Wie konkret sich die Auswirkung darstellen wird, wird sich allerdings erst später zeigen.“


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