Coronakrise/Update Nachbarländer (II)

Shutdown in der Schweiz

Schweiz erklärt Notstand: Auch in Zürich dürfen keine Gäste mehr in Restaurants.
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Schweiz erklärt Notstand: Auch in Zürich dürfen keine Gäste mehr in Restaurants.

Ab 16. März um Mitternacht greift auch in der Schweiz der neueste Beschluss des Bundesrates zum landesweiten Shutdown, der für die 24 Schweizer Kantone und das Fürstentum Liechtenstein Gültigkeit besitzt und die Corona-Maßnahmen vereinheitlicht. Auch auf die Gastronomie schlägt dies nun durch. FOOD SERVICE fragte in Gastro-Unternehmen nach.

Ab Mitternacht geschlossen

Damit müssen laut Beschluss des Schweizer Bundesrates vom 16. März, 17 Uhr, landesweit Läden, Restaurants, Bars, Museen, Bibliotheken, Kinos, Konzerthäuser, Sportzentren, Schwimmbäder, sämtliche Skigebiete, Friseure, Kosmetikstudios, Botanische Gärten und Tierparks ab 16 März um Mitternacht schließen. Bereits geschlossen sind die Schweizer Schulen, Hochschulen und weitere Ausbildungsstätten bis 4. April.

Noch geöffnet ...

Offen bleiben Lebensmittelläden, Apotheken, Tankstellen, Bahnhöfe, Banken, Poststellen, die öffentliche Verwaltung, soziale Einrichtungen, Spitäler, Kliniken und Arztpraxen.
Damit reagiert die Schweiz auf die Corona-Krise mit schweizweit rund 2.200 bestätigten Covid-19-Erkrankungen und 14 Todesfällen (Stand 16.3.2020; Quelle: Bundesamt für Gesundheit (BAG) Schweiz, www.bag.admin.ch).

Nun landesweit verschärfte Regelung

Nachdem bis 16.3. mittags bereits sieben Kantone das öffentliche Leben stark eingeschränkt hatten, gilt nun die landesweite Regelung des Shutdowns. Damit hat der Schweizer Bundesrat seine bisherigen Regelungen des Verbotes von Veranstaltungen mit über 100 Teilnehmern und die Beschränkung auf maximal 50 Personen in Restaurants, Bars, Diskotheken und Nachtclubs deutlich verschärft.

GastroSuisse: Gastgewerbe hart getroffen

Seitens des gastronomischen Arbeitgeberverbandes GastroSuisse werden die vom Bundesrat drastisch verschärften Maßnahmen als extrem einschneidend definiert. „Sie treffen das Gastgewerbe in aller Härte. Die Branche hat infolge der Corona-Krise bereits jetzt massive Umsatzeinbußen zu bewältigen. Die nächsten Wochen werden über die Existenz zahlreicher Betriebe entscheiden“, heißt es.

GastroSuisse begrüßt die Bereitschaft des Bundesrates, Wirtschafts-Soforthilfe für die betroffenen Unternehmen bereit zu stellen. Es sei zwingend, dass diese Gelder schnell und unbürokratisch fließen. Die ökonomischen Auswirkungen des Coronavirus drohen die ganze Branche mit ihren 260.000 Beschäftigten in eine nachhaltige Krise zu stoßen, heißt es.

Auch die Hotel- und Tourismusbranche der Schweiz vermeldet drastische Einbußen. Laut Brancheverband HotellerieSuisse ist im Durchschnitt mit 45 Prozent Umsatzeinbußen im März und April zu rechnen.

Nahezu 10 Mrd. Schweizer Franken Unterstützung

„Die Situation ist ernst, aber wir haben die Mittel und die Möglichkeiten, ihr zu begegnen – medizinisch und auch finanziell“, betonte bereits am 13. März Bundespräsidentin Simonetta Sommaruga gegenüber der Öffentlichkeit und kündigte der Schweizer Wirtschaft eine finanzielle Unterstützung in Höhe von nahezu 10 Mrd. Schweizer Franken an. Die Unterstützung solle schnell und unbürokratisch erfolgen.
Oberstes Ziel sei zudem die Lohnfortzahlung für Mitarbeitende, heißt es seitens der Regierung. Bis zu 8 Mrd. Schweizer Franken stehen im Fonds der Arbeitslosenversicherung für die Kurzarbeitsentschädigung bereit.
Auch Unternehmen mit Liquiditätsengpässen soll mittels einer Härtefallregelung mit bis zu 1 Mrd. Schweizer Franken geholfen werden. Weitere 580 Mio. Schweizer Franken stehen zur Verbürgung von Bankkrediten zur Verfügung.

Gastro-Unternehmen im Gespräch
Wie stark die Schweizer Gastronomie und deren Foodservice-Geschäfte von der Corona-Situation betroffen sind, zeigt der Blick auf große Gastro-Unternehmen aus den Kategorien Konzeptspezialisten und Catering/Gemeinschaftsverpflegung.

Veggie-/Vegan-Segment, Konzept-Spezialisten am Beispiel Tibits

Mit einer besonderen Maßnahme begegnet das vegetarische Fast-Food-Konzept Tibits der Corona-Situation: Crowdfunding für Essens-Lieferung im Abo nach Hause!

Wofür steht Tibits?
Mit dem Erfolg seiner hochkreativen wie hochpreisigen Sortimente (Buffet-Verkauf über Waage) in attraktiven Restaurants beweist das eigenständig agierenden Familienunternehmen Tibits – gemeinsam mit Hiltl absolute Pioniere und Platzhirsche und nahezu konkurrenzlos im Schweizer Veggie-/Vegan-Segment – dass vegetarische und vegane Ernährung viele Fans hat. Zu diesen zählen nicht nur Vegetarier, sondern ebenso Fleischesser und Flexitarier.

Nun hat Tibtis geschlossen. Die aktuelle Corona-Situation zwingt die drei Tibits-Mitgründer Reto, Daniel und Christian Frei dazu, alle Tibits Restaurants, Ganztagesbetriebe, vorübergehend zu schließen. „Der Bundesrat rät, dass besonders gefährdete Personen das Haus nicht mehr verlassen sollen. Und auch alle anderen wird geraten, soziale Kontakte zu meiden. Für uns Grund genug, unseren Beitrag zu leisten. Denn gerade in Zeiten einer Pandemie ist eine gesunde Ernährung besonders wichtig“, begründet das Frei-Trio seine Entscheidung.

Mittels seiner Crowdfunding-Kampagne will Tibits nun herausfinden, ob genug Interesse für eine Essens-Lieferung im 5er, 10er- oder 15-er Abo vorhanden ist. Die Maßnahme zielt nicht nur darauf ab, das „Überleben“ der Restaurantkette und seiner Mitarbeiter zu ermöglichen. Sondern die Tibits-Chefs betonen, man wolle vor allem auch ältere Menschen, die nicht einkaufen gehen wollen und auch niemanden haben, der ihnen diese Einkäufe macht, mit gesunden Mahlzeiten versorgen. Kunden über 65 Jahren wird darum ein 10-prozentiger Rabatt auf ihre Bestellung versprochen. Auch an Eltern, Familien und Menschen, die im Home Office arbeiten, richtet sich das Angebot.

Ziel der Kampagne: bis Ende Woche über www.tibits.ch/crowdfunding 1.000 Abo-Bestellungen pro Stadt, in der sich ein Tibits befindet, zu generieren. „Nur so wird Tibits wirtschaftlich in der Lage sein, die (Koch-) Infrastruktur aufrecht zu erhalten“, sagen die Frei-Brüder.

Catering/Gemeinschaftsverpflegung am Beispiel SV Group Schweiz

„Seit Montag, den 9. März, spüren wir vor allem bei den Mittagessen und Inhouse-Caterings wie Sitzungsverpflegungen oder Apéros einen deutlichen Rückgang“, vermeldet Manuela Stockmeyer, Group Communications Manager, SV Schweiz AG, Dübendorf. Bis dato (Stand 11.3.) sei aber keines der Restaurants der SV Group in der Schweiz komplett geschlossen.

Stark betroffen ist die SV Group auch vom Ausfall größerer Events und Veranstaltungen: „Aufgrund der Messe-Annullationen ist die Gastronomie der Messe Zürich, die wir führen, quasi zum Stillstand gekommen“, sagt Stockmeyer. Auch das Eventcatering Dine & Shine sei stark betroffen. „Darum haben wir in der Schweiz bereits Kurzarbeit beantragt. Dies z.B. für die Messe Zürich Gastronomie, unseren Eventcaterer Dine & Shine und diverse Hotels“, fasst Stockmeyer zusammen.

Die geographische Situation spiele für die Corona-Auswirkungen eine untergeordnete Rolle, so die Erfahrungen in der SV Group. Allerdings macht es einen Unterschied, ob in den Unternehmen die Mitarbeiter in Büros arbeiten oder in der Produktion tätig sind. „Arbeitsplätze von Mitarbeitenden in Produktionsbetrieben können nicht ins Home-Office verlegt werden“, so die Erklärung.

Über die DACH-Länder hinweg hat die SV Group Maßnahmen eingeleitet, um die negativen Auswirkungen abzufedern. Dazu gehören etwa die Streichung von Kosten an wichtigen Stellen und die Verschiebung von Projekten. „Liquidität ist für uns kein Problem“, betont Stockmeyer.

„Die Folgen des Coronavirus treffen unsere Branche leider sehr stark. Auch wenn wir wirtschaftlich gesund sind, müssen wir bereits heute Maßnahmen ergreifen, um die negativen Auswirkungen abzufedern“, umreißt Stockmeyer die Gesamtsituation. Man sei mit den Mitarbeitern in stetigem Austausch, um sie über die Schritte im Unternehmen informiert zu halten. Das neue DACH-weite Intranet helfe sehr, diesen steten Kommunikationsfluss aufrechtzuerhalten. „Wir halten uns in puncto Schutzmaßnahmen absolut an die Vorgaben der Behörden und setzen diese überall um.“

Alle SV-Betriebe sind über den Pandemieplan instruiert und können, sofern angezeigt, umgehend weitere Maßnahmen einleiten. Zudem wurden sie angewiesen, auf die Pandemiepläne der Auftraggeber einzugehen und diese strikt zu befolgen.

Konzept-Spezialisten am Beispiel McDonald’s Schweiz

Auch bei McDonald’s Schweiz haben Sicherheit und Hygiene grundlegende Priorität – zu jeder Zeit. Als Quickservice-Restaurant mit grundsätzlich eher kurzen Begegnungen der Gäste ist McDonald’s relativ gut aufgestellt – zusätzlich bieten die gut entwickelten Mitnahme- und Liefer-Optionen weiteren Spielraum. „Viele Gäste nehmen ihr Essen auch als Take-away mit, bestellen es am McDrive oder via unseres Lieferservice McDelivery.

In den Restaurants kommt es aufgrund der neuen Bestellkioske zu keinen Schlangen. Wir beobachten die Situation weiterhin und treffen bei Bedarf weitere Maßnahmen“, berichtet, McDonald's Suisse Management & Services, Crissier.

"Um den Schutz unserer Gäste und Mitarbeitenden auch in der aktuellen Situation bestmöglich zu gewährleisten, haben wir frühzeitig Maßnahmen ergriffen und sie verstärkt.“ Neben den eigenen Hygienerichtlinien kommuniziert McDonald’s zurzeit regelmäßig die aktuell empfohlenen Schutzmaßnahmen der Behörden gegenüber den Mitarbeitern. Mehrmals täglich wird die Inneneinrichtung der Restaurants mit speziellen Mitteln gereinigt - darunter auch die Bestell-Kioske, die Tischsteller, alle Oberflächen, Türklinken und Küchenutensilien, etc.
Gegenüber Lieferanten und Partnern wurde die klare Erwartung formuliert, sich an die Instruktionen der Behörden zu halten.
Über McDonald’s und SV Group in der Schweiz
Der Konzept-Spezialist Tibits, Newcomer und Nummer 22 im exklusiven foodservice Top CH Ranking 2019, erzielte 2018 einen Netto-Umsatz von 55 Mio. Schweizer Franken (+10 % zum Vj.; Schätzwert der Redaktion) in 10 Schweizer Betrieben.
Der Konzept-Spezialist McDonald’s, Leader des foodservice Top CH-Rankings, erzielte 2018 einen Netto-Umsatz von 761 Mio. Schweizer Franken (+5 % zum Vj.) in 169 Betrieben.
Der Catering- und Gemeinschaftsgastro-Spezialist SV Group generierte 2018 einen gastronomischen Netto-Umsatz von 513 Mio. Schweizer Franken (+ 1,6 % zum Vj.; Schätzwerte der Redaktion) in 316 Betrieben; Rang 3 im Top CH Ranking von foodservice.


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