Coronavirus

Drastische Folgen für die Catering-Branche

Viele Events werden derzeit abgesagt.
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Viele Events werden derzeit abgesagt.

Ob verstärkte Desinfektionsmaßnahmen oder die Einrichtung eines Krisenstabs, Deutschlands Contract Caterer reagieren auf die Bedrohung durch das Corona-Virus. Gleichzeitig spüren sie auch dessen Konsequenzen. Von beunruhigten Kunden bis zu abgesagten Messen und Veranstaltungen.

Jürgen Preuß, Geschäftsführer des Cateringunternehmens L&D mit Sitz in Grafschaft, Rheinland-Pfalz, sieht die Auswirkungen des Coronavirus mit Besorgnis. "Wir sind für die Vereinten Nationen (UN) in Bonn tätig. Weltweit hat die UN alle Events abgesagt bzw. auf einen späteren Zeitpunkt verschoben. Das trifft uns natürlich direkt. Auch im Auswärtigen Amt wurden viele Meetings abgesagt. Wir verbuchen allein hier einen Verlust von rund 50.000 Euro.
Der Eventbereich bricht aus unserer Sicht regelrecht zusammen, viele Veranstaltungen wurden storniert oder auf die Sommermonate verschoben. Neuanfragen kommen nur schleppend rein. Eigentlich ist der März ein starker Monat bei uns. Das Coronavirus hinterlässt deutliche Spuren und schlägt im wahrsten Sinne des Wortes ins Kontor", so Jürgen Preuß. Man hoffe nun, Anfang der zweiten Jahreshälfte einige dieser Veranstaltungen nachholen zu können.

Zugang für Externe geschlossen

Auch viele Unternehmen treffen derzeit Sicherheitsvorkehrungen für die Betriebsgastronomie, berichtet Jürgen Preuß. "Die Bundesnetzagentur beispielsweise, deren Mitarbeitergastronomie wir verantworten, schließt seit dieser Woche den Zugang für alle Externen zum Betriebsrestaurant als eine wichtige Vorsichtsmaßnahme. Die Konsequenz für uns: Von rund 600 Gästen täglich fallen 50 Prozent weg. Auch die Deutsche Welle hat, wie wir hörten, den Eingang für externe Gäste geschlossen", berichtet Jürgen Preuß.

Zudem sei von verschiedenen Kunden die Bitte an L&D herangetragen worden, die Salatbar in Selbstbedienung bis auf weiteres einzustellen. "Wir konnten die Kunden jedoch davon überzeugen, dass dies nicht nötig ist. Stattdessen sind alle Speisen im Selbstbedienungsbereich unter Spuckschutz und das Ausgabebesteck wird hier nun alle 30 Minuten als eine weitere Präventionsmaßnahme gewechselt." Zudem habe man in allen Betriebsrestaurants die Reinigungs- und Desinfektionsmaßnahmen intensiviert und das Personal noch einmal eingehend in punkto Personalhygiene geschult.

Generell finden in vielen Unternehmen, die L&D becatert, nur noch Konferenzen bis sechs Personen statt, alles andere werde intern abgesagt. "Wir hoffen, dass mit den steigenden Temperaturen im Frühjahr und dem damit einhergehenden Rückgang des Coronusvirus das Geschäft wieder anzieht", so Jürgen Preuß.

Krisenstab bei SV Group

Die SV Group Deutschland mit Sitz im nordrhein-westfälischen Langenfeld hat seit Ende Februar einen Krisenstab eingerichtet, der täglich zusammenkommt, um die Gesamtsituation zu beobachten. Zusätzlich ist bei dem Contract Caterer ein Pandemieplan im Einsatz, der eine verstärkte Informations- und Sensibilisierungskampagne der SV-Mitarbeiter beinhaltet. Dazu gehört die morgendliche Abfrage des Gesundheitszustandes. "SV-Mitarbeiter mit Husten oder anderen Grippesymptomen müssen darüber hinaus zwingend zu Hause bleiben und ab dem ersten Krankheitstag ein Arztzeugnis einreichen", verrät Christian Eick, Leiter Marketing SV Deutschland.

Auf Betriebsebene beobachtet der Contract Caterer zusätzlich einzelne Restaurant-Schließungen als Vorsichtsmaßnahme, die jedoch zeitlich bisher begrenzt sind. Einen Rückgang an Gästen gebe es in den übrigen Betriebsrestaurants allerdings nicht. "Möglicherweise gehen unsere Gäste zum Mittagessen vorsichtshalber nicht nach draußen, sondern bleiben eher in ihrem Personalrestaurant im Haus", mutmaßt der Marketingleiter. Dennoch: Auch die Langenfelder haben Umsatzrückgänge durch Absagen und Stornierungen, beispielsweise von Konferenzen, Hausmessen und Events zu verkraften.

Toolkit für Sodexo-Mitarbeiter

Der Rüsselsheimer Caterer Sodexo Deutschland beobachtet aktuell keine verstärkten Homeoffice-Regelungen bei seinen Kunden. "Wir stehen kontinuierlich im Austausch mit unseren Kunden und entwickeln gemeinsam Antworten auf den Umgang mit dem Corona-Virus", erklärt Alexander Weiss, Senior Manager Public Relations bei Sodexo.

Allen Betriebsleitern und Mitarbeitern hat der Caterer ein Toolkit an die Hand gegeben und noch einmal ausdrücklich auf die rigorose Einhaltung der Hygienerichtlinien hingewiesen. Zusätzlich wurden in allen Bereichen des Unternehmens die Desinfektionsmaßnahmen verstärkt. Um die eigenen Mitarbeiter zu schützen, hat Sodexo alle Dienstreisen, die nicht dringend oder geschäftskritisch sind, storniert.

Wisag ist vorbereitet

Wie bei anderen Themen mit Krisenpotenzial würden auch beim Umgang mit dem neuartigen Coronavirus in der Wisag zuvor definierte Prozesse zur Risikominimierung greifen, sowohl in Richtung der Mitarbeiter als auch in Richtung der Kunden, erklärt der Multidienstleister mit Sitz in Frankfurt am Main. "Zur Koordination der Aktivitäten wurde ein zentraler Krisenstab eingerichtet. Die konkrete Ausgestaltung von Maßnahmen ist abhängig vom Bedarf in den einzelnen Dienstleistungsbereichen sowie von konkreten Kundenanforderungen", berichtet Tamara Schreiber, Teamleiterin der Wisag-Unternehmenskommunikation. Man beobachte die weitere Entwicklung aufmerksam, sodass man bei Bedarf zeitnah das Vorgehen anpassen bzw. weitere notwendige Schritte einleiten könne.

Wisag sieht eine zentrale Aufgabe darin, die "Belegschaft über die erhöhte Dringlichkeit grundsätzlicher Hygienemaßnahmen aufzuklären", um sich und andere vor einer Ansteckung zu schützen. "Wir orientieren uns dabei an den aktuellen Empfehlungen und Hinweisen der zuständigen Behörden und Ministerien", sagt Tamara Schreiber.


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