Creator

Gastronomie 4.0 - Wenn der Roboter die Burger brät

Viel Holz und helle Farben - der vollautomatische Roboter von Creator ist optisch eher schlicht.
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Viel Holz und helle Farben - der vollautomatische Roboter von Creator ist optisch eher schlicht.

Als Teenager musste Alex Vardakostas häufig in den zwei Burger-Restaurants (A's Burger) seiner Familie in Kalifornien aushelfen. Weil ihm die Arbeit am Grill nicht besonders gefiel, machte er sich daran eine Maschine zu erfinden, die das Burger braten für ihn übernehmen sollte. Acht Jahre später präsentiert er in San Francisco sein vollautomatisiertes Gastro-Konzept Creator.

Seit dem 27. Juni können die Technik-Nerds und Burger-Enthusiasten San Francisco's, sofern sie vorab eines der raren Online-Tickets erworben haben, im rund 205 Quadratmeter großen Laden an der 680 Folsom Street einen von vier Creator-Burgern bestellen. Vorläufig allerdings nur mittwochs und donnerstags zwischen halb zwölf und vierzehn Uhr. Ab September diesen Jahres soll das Restaurant, laut Gründer Alex Vardakostas, dann ganztägig und auch für Laufkundschaft geöffnet sein.

Ein vollautomatischer Koch

Die Burger bei Creator werden von einer knapp über vier Meter lange Maschine zubereitet, die mit 350 Sensoren, 20 Computern und 50 Antriebsmechanismen ausgestattet ist. Auf dem Weg zum fertigen Produkt, schneidet und toastet der Roboter die Brötchen, verteilt die Soße, schneidet Salat, Tomaten, Zwiebeln und Essiggurken frisch auf den Burger, reibt und schmilzt den Käse und formt, brät und würzt das Fleisch-Pattie, bevor am Ende ein menschlicher Angestellter, der "Concierge", den Burger serviert. Auch die Bestellung und Bezahlung wird vorläufig über einen der neun Angestellten abgewickelt. Der komplette Prozess, mit Ausnahme der Fleischherstellung, ist für den Gast einsehbar. Damit greift Creator auch das Thema Transparenz in der Essenszubereitung auf.

Creator: Burger von Roboterhand




Das Design des kulinarischen Roboters besteht aus viel Glas, hellem Holz und kupferfarbenem Metall. Alle Zutaten befinden sich in gläsernen Zylindern, die von den Mitarbeitern des Restaurants aus den ebenfalls einsehbaren Kühlschränken befüllt werden. Für seine Burger verwendet Creator ausschließlich Fleisch von Weiderindern. Die Brötchen und das Gemüse werden von lokalen Bio-Produzenten bezogen. Eine Auswahl von 15 verschiedenen Saucen und 12 Gewürzen rundet das Angebot ab.

Erfinder mit Vision

Für seine Erfindung tüfelte der ehemalige Physikstudent Vardakostas, wie einst Steve Jobs, zwei Jahre in der elterlichen Garage an einem Prototypen. Heute hat er ein ganzes Team an Experten versammelt, neben Ingenieuren von Apple, Tesla und NASA auch Gastronomen aus San Francisco's Nobelrestaurants. Ein besonderes Augenmerk legten die Erfinder auf die Konsistenz der Burger-Patties. Creator-Burger werden vertikal gemahlen, so dass die Fleischstränge nebeneinander liegen und nur leicht zusammengedrückt werden. Das Ergebnis ist ein Fleischstück, das zarter und saftiger als herkömmliche Burger sein soll.

Ein unschlagbarer Preis

Qualität ist dem Creator-Gründer Vardakostas wichtig, ein faires Preis-Leistungsverhältnis aber auch. Für knapp 6 $ erhalten die Gäste seines Restaurants, laut eigener Aussage, den "frischesten Burger" der Welt. Zum Vergleich: Der Durchschnittspreis für einen Hamburger in San Francisco lag, nach einer Erhebung der Delivery-Website GrubHub 2015, bei 9,24 $. Die Burgerpreise des direkten Konkurrenten Shake Shack, der in diesem Jahr ebenfalls eine Filiale in der Stadt eröffnen will, reichen von 5,29$ für einen Cheeseburger bis 9,64$ für den Double SmokeShack.

Gesteigerte Effizienz durch Maschinen

Aber welche Vorteile bietet der Einsatz einer vollautomatischen Maschine gegenüber einer Handvoll Angestellten? Alex Vardakostas nennt hier vor allem die gesteigerte Effizienz beim Braten und Zubereiten der Burger (angeblich schafft seine Erfindung bis zu 120 Bestellungen in der Stunde), den verhältnismäßig kleineren Raum, den die Maschine, im Gegensatz zu einer vollbesetzten Küche einnimmt, sowie die Einsparung von Personalkosten. Wie viel Geld der Bau eines Exemplars seines kulinarischen Roboters kostet, verät der Gründer bisher nicht. Nur so viel, es sei deutlich weniger als die durchschnittlichen 1,5 Mio. $, die es für den Bau einer neuen McDonalds-Filiale bräuchte.

Im technikaffinen San Francisco ist Creator übrigens nicht das erste Food-Unternehmen, das auf die Automation von Prozessen setzt. So nutzt das Café X im One Bush Plaza beispielsweise einen Roboter-Barista, der in einer Minute bis zu drei Getränkebestellungen erledigen kann. Das Startup Zume Pizza wiederum lässt sich von einem Roboter den Pizzateig in die gewünsche Form ausrollen. Die Zukunft des Casual Dinings scheint in San Francisco in jedem Fall technisch zu werden.

Über Creator
  • gegründet 2012
  • Gründer: Alex Vardakostas, Steve Frehn
  • Standort: San Francisco
  • Öffnungszeiten: Mittwoch-Donnerstag, 11.30-14.00 Uhr (Einlass nur mit Ticket)
  • Angebot (Auszug): Burger (6$), Pommes (2,50$), Salat (2,50$)
  • Mitarbeiter: 9
  • Investoren: Google Ventures, Koshla Ventures, Root Ventures






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