Dehoga

"Betriebe können Kosten nicht alleine tragen"

Dehoga-Präsident Guido Zöllick: "Der Druck auf das tarifliche Lohngefüge wird vergrößert."
Pietschmann
Dehoga-Präsident Guido Zöllick: "Der Druck auf das tarifliche Lohngefüge wird vergrößert."

Der Dehoga zeigt sich irritiert über Pläne, den gesetzlichen Mindestlohn auf zwölf Euro anzuheben. Präsident Guido Zöllick geht auch davon aus, dass Verbraucher die jüngste Anhebung der sogenannten allgemeinen Lohnuntergrenze zu spüren bekommen.

Der gesetzliche Mindestlohn für Arbeitnehmer in Deutschland wird ab dem kommenden Jahr in zwei Stufen steigen. So erhöht sich die sogenannte allgemeine Lohnuntergrenze zum 1. Januar 2019 von derzeit 8,84 Euro auf 9,19 Euro pro Stunde. Zum 1. Januar 2020 wird sie weiter auf 9,35 Euro steigen. 

Finanzminister Olaf Scholz und Arbeitsminister Hubertus Heil (beide SPD) sprechen sich gar für eine Erhöhung auf 12 Euro aus. Beim Dehoga stößt dieser Vorschlag auf Irritation, wie Präsident Guido Zöllick im Interview mit foodservice erklärt. 

Wie beurteilen Sie die Anhebung des sogenannten Mindestlohns?

Guido Zöllick: Mit der Anpassung des Mindestlohns auf 9,19 Euro zum 1. Januar 2019 wird zunächst die Entwicklung des amtlichen Tarifindex 1:1 nachvollzogen. Alles andere wäre den Unternehmen der Hotellerie und Gastronomie, die aufgrund der deutlich steigenden Personalzusatzkosten im nächsten Jahr ohnehin stark belastet werden, auch nicht vermittelbar gewesen. Die weitere Erhöhung zum 1. Januar 2020 auf 9,35 Euro stellt dagegen eine Abweichung von der verabredeten Berechnungsformel und von der Geschäftsordnung dar, die sich die Mindestlohnkommission selbst gegeben hat. Der Mindestlohn steigt damit erneut stärker als die Tariflöhne, was den Kostendruck auch für unsere Branche erhöht und den Druck auf das tarifliche Lohngefüge vergrößert. In höchstem Maße irritierend und nicht nachzuvollziehen sind auch vor diesem Hintergrund die Aussagen hochrangiger SPD-Regierungsvertreter, die einen Mindestlohn von zwölf Euro ins Spiel bringen. Das öffentliche Infragestellen der unabhängigen Mindestlohnkommission und ihrer Spielregeln ist völlig inakzeptabel.
 
Welche Auswirkungen hat die Anhebung des Mindestlohns für das Hotel- und Gaststättengewerbe?

Zöllick: Wir können uns alle glücklich schätzen, dass zumindest die erste Mindestlohnerhöhung noch in eine Zeit der robusten Konjunktur fällt und die Lage am Arbeitsmarkt aller Voraussicht nach weiterhin günstig ist. Im Moment läuft der Jobmotor Gastgewerbe auf Hochtouren. Die mittel- und langfristigen Auswirkungen des Mindestlohns sind jedoch noch nicht abzusehen. Es gibt bereits Anzeichen für eine Abschwächung des Wachstums in Deutschland. Fest steht: Die Anhebung des Mindestlohns stellt unsere Branche erneut vor große Herausforderungen. Kosten werden weiter in die Höhe getrieben und Erträge gemindert. Darauf werden die Betriebe reagieren, reagieren müssen: Mit eingeschränkten Öffnungszeiten oder mit einer Reduzierung des Angebots. Auch mit moderaten Preisanpassungen ist zu rechnen, wobei kein Betrieb Gäste verlieren will. Die Preissensibilität der Menschen ist weiterhin hoch.
 
Treibt der Mindestlohn die Verbraucherpreise?

Zöllick: Die gesamtwirtschaftlichen Auswirkungen der neuen Erhöhungen lassen sich nicht exakt vorhersagen. Ich gehe allerdings schon davon aus, dass viele Betriebe die gestiegenen Kosten nicht alleine tragen können. Der Kostendruck ist ja nicht nur in unserer Branche hoch. Insofern spricht einiges dafür, dass auch die Verbraucher die Mindestlohn-Anhebungen zu spüren bekommen.

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