Dehoga

Azubi-Zahl im Gastgewerbe im freien Fall

Sandra Warden, Geschäftsführerin Dehoga Bundesverband
DEHOGA/Cordula Giese
Sandra Warden, Geschäftsführerin Dehoga Bundesverband

Dramatische Lage in der Ausbildung: Weniger Azubis gab es seit 1991 nicht, die Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverhältnisse war nur 1992 leicht niedriger. Der aktuelle Dehoga-Zahlenspiegel offenbart den Nachwuchskräftemangel im Gastgewerbe. Wir haben die Geschäftsführerin des Dehoga Bundesverbands, Sandra Warden, zu Gründen und Reaktionsmöglichkeiten der Branche befragt.

Der Zahlenspiegel des Deutschen Hotel und Gaststättenverbands (Dehoga) gibt vierteljährlich einen Überblick über die wirtschaftlichen Kennwerte der Branche. In der Ausbildungssituation offenbart sich ein dramatisches Bild, vor allem im langfristigen Vergleich: Die Gesamtzahl der Ausbildungsverhältnisse ist seit Jahren im freien Fall und hat sich in zehn Jahren halbiert. Neu abgeschlossen als im letzten erfassten Jahr 2017 wurden nur 1992 weniger.

Die Zahl der Ausbildungsverhältnisse im Gastgewerbe seit 1991. Quelle: Dehoga Bundesverband / Jahresdaten von der DIHK
Die Zahl der Ausbildungsverhältnisse im Gastgewerbe seit 1991. Quelle: Dehoga Bundesverband / Jahresdaten von der DIHK


FOOD SERVICE: Frau Warden, woran liegt der starke Rückgang der Ausbildungszahlen?
Sandra Warden:
 Der demographische Wandel in unserer Gesellschaft macht sich bemerkbar: Die bereits seit über zehn Jahren stark rückläufigen Schulabgänger schlagen sich auch im Ausbildungsmarkt nieder. Massiv verstärkt wird diese Entwicklung dadurch, dass immer mehr junge Menschen Abitur machen und studieren wollen. Leider wachsen die Potenziale der Jugendlichen mit ihren steigenden Hoffnungen und Ansprüchen an ihr Berufsleben oft nicht mit: Vor allem die in Hotellerie und Gastronomie so wichtigen Softskills werden in Elternhaus und Schule nicht ausreichend vermittelt.

Wie steht das Gastgewerbe im Vergleich zu anderen Branchen da?
Warden: Der Wettbewerb der Branchen und der Unternehmen um leistungsfähige und motivierte Auszubildende wächst. In dieser Konkurrenz tun sich die gastgewerblichen Betriebe mit ihren oftmals als wenig attraktiv empfundenen Arbeitszeiten und den im Vergleich zur Industrie niedrigeren Gehältern schwer. 

In welchen Teilbereichen drückt der Schuh besonders?
Warden: Die stärksten Rückgänge hatten wir in den letzten Jahren in den Ausbildungsberufen im Restaurantfach und in der Systemgastronomie zu verzeichnen. Die größten Schwierigkeiten auf dem Arbeitsmarkt in Folge der Ausbildungsrückgänge sind bei den Köchen zu verzeichnen, weil sich hier Fachkräfte schwerer ersetzen lassen.

Was können Betreiber tun?
Warden: Unternehmen müssen gute Ausbildung machen. Und sie müssen diese dann gut vermarkten. Also: Tue Gutes und rede darüber. "Gute Ausbildung machen" bedeutet in erster Linie, dass die Ausbildung fachlich fundiert ist und alle Inhalte des Ausbildungsrahmenplans umfasst. Es bedeutet aber auch, Anerkennung und Wertschätzung zum Ausdruck zu bringen und Perspektiven aufzuzeigen. Aspekte wie Work-Life-Balance und Vereinbarkeit von Familie und Beruf werden immer wichtiger.

Worauf ist beim Ausbildungsmarketing zu achten?
Warden: "Ausbildung gut vermarkten" können Unternehmen auf sehr unterschiedliche Arten. Ganz wichtig ist ein aktives Nachwuchsmanagement in Form von Schnupperpraktika und Schulpatenschaften. Social Media wird immer wichtiger. Unserer Erfahrung nach ist die Berufswahl für Jugendliche eine wichtige Angelegenheit, sie wollen dabei ernst genommen werden. Die Eltern spielen als Berater eine wichtige Rolle, für sie braucht es Informationsangebote. Bei allen Aktivitäten sollten "echte" Azubis aktiv eingebunden werden, z.B. als Influencer in den sozialen Medien oder auf Ausbildungsmessen.

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