Deutsche Bahn Bordgastronomie

Auf dem Nachhaltigkeits-Zug unterwegs

Im Rahmen des neuen Angebotskonzeptes präsentiert die Bordgastronomie der Deutschen Bahn ihren Gästen im Aktionszeitraum Februar bis März unter anderem Garnelencurry mit Fusilli (Foto), Erbsencremesuppe mit Minze und Brötchen sowie die Kombi-Offerte Laugensnack plus Getränk.
Deutsche Bahn
Im Rahmen des neuen Angebotskonzeptes präsentiert die Bordgastronomie der Deutschen Bahn ihren Gästen im Aktionszeitraum Februar bis März unter anderem Garnelencurry mit Fusilli (Foto), Erbsencremesuppe mit Minze und Brötchen sowie die Kombi-Offerte Laugensnack plus Getränk.

Seit einigen Jahren forciert die Deutsche Bahn in der Bordgastronomie ihr nachhaltiges Handeln. 2018 wurde zudem das Angebotskonzept stärker auf die Gästebedürfnisse zugeschnitten. Gerade wurde das Thema Plastikreduzierung gezielt ins Visier genommen. Dazu ein Maßnahmen-Überblick. Welche Erfahrungen es zum neuen Angebotskurs gibt, verriet die Bahn außerdem im Gespräch mit FOOD SERVICE.

Seit Februar tritt die Deutsche Bahn in der Bordgastronomie von ICE- und IC/EC-Zügen mit einem neuen Partner für Mineralwasser auf: Das Start-up Share bietet eine nachhaltige Flasche an, mit deren Einsatz die Deutsche Bahn mit seinem Kooperationspartner jährlich bis zu 38 Tonnen Plastik sparen und Bauprojekte für Trinkwasserbrunnen weltweit unterstützen kann.

Speziell für den Einsatz bei der DB liefert Share sein Wasser – still und mit CO2 – in einer neuen Halbliter-Mehrwegwasserflasche, die zu 35 Prozent recyceltes Material enthält. Üblicherweise enthalten Mehrwegflaschen in Deutschland kein oder nur kaum Rezyklat. „Gegenüber einer Mehrwegflasche gleichen Gewichts ohne Rezyklatanteil sparen das Start-up und die DB so jährlich bis zu 38 Tonnen Plastik ein“, heißt es von den beiden Partnern.

Wie die Brunnen-Aktion funktioniert

Nach dem „1+1 Prinzip“ sichert jede Flasche Mineralwasser in der DB Bordgastronomie fortan einen Tag Trinkwasser für einen Menschen in Not, entweder durch den Bau oder die Reparatur von Brunnen oder Handpumpen. Jährlich 2,3 Millionen Flaschen Wasser will die DB künftig von Share beziehen. Bis zu 15 Brunnen pro Jahr sollen mit diesem Volumen finanziert werden. „Mindestens ein Brunnen pro Monat“, so die geplante Zielgröße. Für mindestens 5.000 Menschen jährlich soll damit eine permanente Wasserversorgung geschaffen werden. Der Bau der ersten Brunnen ist ab Sommer 2020 mit der Hilfsorganisation „Aktion gegen Hunger“ in Liberia geplant.
3-Fragen-Interview zum Angebotskurs mit der DB
Welche Erfahrungen hat die Deutsche Bahn Gastronomie seit 2018 mit dem veränderten Angebot in den Bordbistros gemacht? Und wie entwickelte sich der Umsatz?
Unsere Fahrgäste haben das im Dezember 2018 eingeführte neue gastronomische Konzept in der Bordgastronomie gut angenommen. Für jeden Geschmack ist etwas dabei – ob warm oder kalt, herzhaft oder süß, Frühstück, Kleinigkeit oder Hauptgericht, vegetarisch und vegan. Auch wird das feste Speisenangebot mehrmals im Jahr um besondere, saisonale Angebote ergänzt.
Nach einem Umsatz von 80,8 Mio. Euro im Jahr 2018 rechnen wir mit einer moderaten Umsatzsteigerung – trotz Preisreduzierung in der Einführungsphase des neuen Konzepts im vergangenen Jahr.
Das gastronomische Konzept in unseren Fernverkehrszügen, ICE und Intercity, haben wir umfassend überarbeitet, um die Kundenzufriedenheit deutlich zu steigern, mehr Gäste anzusprechen und auch höhere Umsätze zu erzielen. Bei den Speisen haben wir unser Hauptaugenmerk auf eine moderne Speiseauswahl mit verbesserter Produktqualität gelegt.

Was führte zu der Entscheidung, die Preise zu senken und wie viel macht die Senkung in Prozent aus? Wie kompensiert die Bahn in Zeiten steigender kosten diese Preissenkung ohne Abstriche bei der Qualität?
In der Einführungsphase wurden ausgewählte Gerichte und Getränke zu Aktionspreisen mit einem Preisvorteil zwischen 50 Cent und 2 Euro angeboten. Hier stand für uns die Neukundenansprache und die Erhöhung der gesamten Nachfrage im Vordergrund.
Die Anzahl der Gerichte auf der jetzigen Speisekarte ist geringer als die auf der alten. Doch ist für jeden Anlass ist etwas dabei – von morgens bis abends
Die reduzierte Anzahl der Gerichte hat entscheidende Vorteile: Sie vereinfacht die Logistik und ermöglicht es uns, die Züge mit höheren Mengen der einzelnen Artikel auszustatten. Für die Gäste wächst dadurch die Verfügbarkeit der Produkte.
Was trug hauptsächlich zur Umsatzsteigerung 2019 im Vergleich 2018 bei?
Umsatztreiber im Food-Bereich waren im vergangenen Jahr das Chili, die Currywurst und das Schinken-Käse-Ciabatta. Bei den Getränken bleiben Kaffee, Bier und Mineralwasser unangefochten unsere Topseller. Wir freuen uns, den Durchschnittsbon im vergangenen Jahr gesteigert zu haben.


5-Punkte-Katalog zur Nachhaltigkeit

In ihren Bordrestaurants und -bistros hat die Deutsche Bahn bereits einige Projekte mit Fokus auf soziale und ökologische Nachhaltigkeit in der Umsetzung; ein Überblick:
1. Aus fairem Handel. Seit April 2017 bietet die DB in ICE- und IC-Zügen ausschließlich Fairtrade-zertifizierten Kaffee an. Auch die übrigen Heißgetränke wie Tee und Kakao wurden auf fair gehandelte Rohstoffe umgestellt.
2. Preisnachlass für Mehrwegbecher. Gäste, die Ihren Mehrwegbecher zum Befüllen ins Bordbistro mitbringen, erhalten eine Preisnachlass von 20 Cent beim Kauf von Heißgetränken.
3. Kooperation Bergwaldprojekt. Seit 2013 besteht eine Zusammenarbeit der Bordgastronomie des DB Fernverkehr smit dem Verein Bergwaldprojekt, der sich für den Erhalt und die Pflege des heimischen Waldes einsetzt. Über 150.000 Euro konnte der Verein gemeinsam mit der DB in rund 31.000 heimische Bäume investieren.
4. Tafel-Spenden. Seit mehreren Jahren bereits spendet die DB Lebensmittel und Geschirr über die Tafeln in Deutschland an Bedürftige.
5. Alternative für Einwegartikel. Eine ökologisch nachhaltigere Alternative für die aktuell eingesetzten Einwegartikel aus Plastik in den Bordrestaurants anzubieten, dies ist ein weiteres Ziel, das die DB aktuell anstrebt. Eine mögliche Alternative könnte das bereits in den Zügen vorhandene Mehrweg-Besteck aus Metall sein. Die leihweise Abgabe von Metallbesteck an Reisende findet bereits heute vereinzelt statt. An einer flächendeckenden Lösung wird zurzeit gearbeitet. Ziel ist es, noch in diesem Jahr den Plastikanteil im Bordrestaurant deutlich zu reduzieren.
Topseller Kaffee bietet zusätzliches Einwegeinspar-Potenzial. Kaffee und Tee machen an Bord der ICE und IC-Züge etwas mehr als die Hälfte des Getränkeumsatzes aus. Allein die verkaufte Kaffeemenge belief sich 2019 auf einen Wert von 22 Mio. Euro bei rund 8 Mio. Kaffeeportionen jährlich, das ist mehr als ein Viertel des Umsatzes der Bordgastronomie von knapp 90 Mio. Euro. Etwa ein Drittel der Kaffeeportionen werden To-go verkauft, heißt: hier ließe sich ein Volumen von etwa 2 Mio. Kaffee-Einwegbecher einsparen.

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