Deutsche Umwelthilfe | Einwegmüll

Städte gefordert, Mehrweg zu fördern

Umweltschutzverbände fordern Städte und Bundesregierung auf, sich stärker für den Kampf gegen die Flut an Einwegmüll zu engagieren – mit Geld und Gesetzen.
IMAGO / Science Photo Library
Umweltschutzverbände fordern Städte und Bundesregierung auf, sich stärker für den Kampf gegen die Flut an Einwegmüll zu engagieren – mit Geld und Gesetzen.

Umweltverbände verlangen von Städten und auch dem Gesetzgeber mehr Engagement gegen die Flut an Einwegmüll. Die Gastronomie müsse beim Umstellen auf Mehrweg unterstützt werden, lautet eine konkrete Forderung.

Um den Verpackungsmüll zu reduzieren, fordert die Deutsche Umwelthilfe (DUH) von den Städten mehr Einsatz im Kampf gegen Einweg-Becher und andere Wegwerf-Artikel. "Die Vermüllung des öffentlichen Raums hat in den vergangenen Jahren dramatische Ausmaße erreicht", sagte die DUH-Bundesgeschäftsführerin Barbara Metz in Berlin. "Es muss dringend etwas getan werden, um auf Mehrweg umzusteigen." Vor Kurzem hatte die Organisation 202 Städte angeschrieben, sich zu ihren Plänen bald zu äußern.

Geld, Gesetze, Verbote

Die DUH plädiert für Fördergeld für Lokale, die auf Mehrweg umstellen und dabei Extrakosten für Geschirrspüler und Geschirr haben. Auch kommunale Steuern hält die DUH für sinnvoll, um die Einweg-Verpackungen teurer zu machen. Zudem sollten Behörden zum Beispiel in städtischen Kantinen keine Becher, Teller oder Mitnehmboxen mehr nutzen dürfen, die nur für den einmaligen Gebrauch konzipiert sind.

Nach Schätzungen der Umwelthilfe könnten in den angefragten 202 Städten jährlich mehr als 2,5 Milliarden Einweg-Becher, -Essensboxen, -Teller und -Besteck vermieden werden. Dadurch wiederum würden 27.000 Tonnen weniger Müll anfallen und es würden 84.000 Tonnen CO2 eingespart, wie die DUH vorrechnet. Eingerechnet bei dieser Schätzung ist die CO2-Menge, die bei der Produktion der Mehrweg-Alternativen anfallen würde.

Barbara Metz: "Es muss dringend etwas getan werden, um auf Mehrweg umzusteigen."
IMAGO / Jürgen Heinrich
Barbara Metz: "Es muss dringend etwas getan werden, um auf Mehrweg umzusteigen."
In Corona-Zeiten, insbesondere während Restaurants und Kantinen geschlossen waren, ist das Einweg-Geschirraufkommen stark gestiegen, etwa weil die Menschen viel im Homeoffice arbeiten und sich Essen bei Lieferdiensten bestellen. In den Mülltonnen landen daher mehr Pizzakartons und Plastikschalen als früher. Hinzu kommen Massen an To-go-Kaffeebechern, die nach einmaliger Nutzung weggeworfen werden. Täglich summiert sich der Einweg-Wahnsinn in Deutschland auf rund 500.000 Einweg-Essensboxen und 660.000 Einwegbecher.

Mehrweg-Pflicht greift zu kurz

Eine Bundesgesetz könnte bald etwas Besserung bringen: Ab Januar müssen Restaurants Mehrweg-Alternative anbieten. Sie können das Essen weiterhin in Einweg-Packungen verkaufen, der Verbraucher muss aber die Möglichkeit haben, eine Mehrweg-Alternative zu wählen. Aus Sicht von DUH-Expertin Metz ist das aber längst nicht ausreichend. "Ein Gastronom hätte der Angebotspflicht Genüge getan, wenn er einen Mehrwegbecher ins Regal stellt und da verstauben lässt." Zudem gebe es umfangreiche Ausnahmeregelungen für kleinere Betriebe. "Allein in Berlin-Mitte fallen mehr als 500 Imbisse und Kioske nicht unter die Mehrweg-Angebotspflicht."

„Den meisten Stadtverwaltungen ist bewusst, dass es Handlungsbedarf gibt“
Barbara Metz, DUH-Geschäftsführerin
Die Umwelthilfe hofft nun auf die Städte, damit das Müllproblem konsequent angegangen wird. Schon 2020 und 2021 schrieb sie insgesamt 130 Städte und Landkreise an und bat um Maßnahmen. Die Rückmeldungen seien großteils positiv gewesen, sagt Metz. Die Bereitschaft sei da, mitunter mangele es aber noch an Maßnahmen.

Als Positivbeispiele von Städten, die aktiv gegen Einweg-Verpackungen vorgehen, nannte die Umwelthilfe Hamburg, München und Tübingen. In der schwäbischen Stadt gilt seit diesem Jahr eine Verbrauchssteuer, bei der unter anderem für jedes Einweggetränkebehältnis 50 Cent berechnet werden. Wegen eines Rechtsstreit mit der lokalen McDonald's-Filiale soll die Steuer aber erst eingezogen werden, wenn sich Tübingen vor dem Bundesverwaltungsgericht durchgesetzt hat.

stats