Discoeat / Interview

"Nebenzeiten sind überlebenswichtig"

Die Rabatt-Plattform DiscoEat stellt ihren Restaurant-Partnern verschiedene vertrauensbildende Marketing- und Technik-Tools zur Verfügung.
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Die Rabatt-Plattform DiscoEat stellt ihren Restaurant-Partnern verschiedene vertrauensbildende Marketing- und Technik-Tools zur Verfügung.

Viele Gastronomen müssen derzeit aufgrund der Abstandsregelungen mit weniger als der Hälfte ihrer eigentlichen Sitzplatzkapazitäten operieren. "Und selbst dieses Platzangebot ist zu Kernzeiten oft nicht ausgelastet", sagt Moritz Heininger, Gründer der Plattform DiscoEat. Den Partnerrestaurants von Discoeat in Berlin und Köln steht das Unternehmen daher nun mit Support bei digitaler Technik und Marketing zur Seite. FOOD SERVICE hat mit dem Start-up-Gründer über die Herausforderungen des Re-Starts gesprochen. 

Worin bestehen aktuell die größten Schwierigkeiten, mit denen Gastronomen in diesen Tagen zu kämpfen haben? 
Moritz Heininger: 
Wir haben in den letzten Wochen extrem viele Gespräche geführt – sowohl mit Gästen als auch mit Gastronomen. Dabei kam raus: Das Hauptproblem ist Vertrauen. Unter unseren Partnerrestaurants sind Betriebe, die aktuell aufgrund der Abstandsregelungen nur 25 Prozent der Kapazität bespielen dürfen. Im Schnitt sind es etwa 45 Prozent der Vor-Corona-Kapazitäten. Doch selbst diese Plätze sind selbst zu Kernzeiten nicht voll besetzt. Um die Auslastung wieder zu erhöhen, müssen Restaurants das Vertrauen ihrer Gäste wieder gewinnen. 
  

Wie sehen vertrauensbildende Maßnahmen aus?  
Wir haben dafür ein sogenanntes "SAFE Restaurant"-Package auf die Beine gestellt: Der wichtigstes Bestandteil ist ein digitales Menü, das die Gäste über einen QR-Code auf ihrem Handy aufrufen können. Auf diese Weise müssen sie keine Speisekarten anfassen - wovor viele Gäste zurückschrecken. Wir statten unsere Partnerrestaurants mit entsprechenden Aufsteller mit QR-Code für die Tische aus. Sprich: die digitale Karte ist nicht nur für Gäste, die über Discoeat buchen nutzbar, sondern auch für alle anderen Gäste. 
Über den gleichen QR-Code läuft auch das Contact Tracing. Die Gäste können das Formular auf ihrem eigenen Handy ausfüllen und müssen so keinen Kugelschreiber in die Hand nehmen, den bereits der Gast vor ihnen angefasst hat. Nach vier Wochen werden die Daten automatisch gelöscht. Während die Registrierung Berlin übrigens nur empfohlen ist, ist sie für unserer Partner in NRW verpflichtend.   
Die dritte Maßnahme hört sich vielleicht etwas nach Old School an, ist aber für die Gästeansprache von unschätzbarem Wert. Wir bieten unseren Restaurants Kundenfänger mit der Aufschrift "Safe Restaurant" an. Auf diesen Schildern, die vor dem Restaurant aufgestellt werden, werden die neuen Hygiene-Maßnahmen kommuniziert.
Alle diese Support-Maßnahmen stellen wir unseren Partnern kostenfrei zur Verfügung.
Über einen QR-Code können die Gäste die Speisekarte des jeweiligen Restaurants aufrufen und ihre Kontaktdaten registrieren.
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Über einen QR-Code können die Gäste die Speisekarte des jeweiligen Restaurants aufrufen und ihre Kontaktdaten registrieren.

Welche Rolle spielt Ihr Kerngeschäft - das Yield Management - in der aktuellen Zeit?  
Yield Management, also eine nachfragegesteuerte Pricing-Strategie, spielt eine wichtigere Rolle denn je. Vor der Krise war die Auslastung zu Nebenzeiten ein nettes On-top-Geschäft. Jetzt ist sie überlebenswichtig. Wer nur noch 45 Prozent seiner Sitzplätze bespielen darf, muss sie auslasten können. Und zwar nicht nur zu den Stoßzeiten. 
Sind weitere Unterstützungsmaßnahmen geplant? 
Ja, eine Plug & Play-Lieferlösung ist in der Pipeline und soll in zwei Wochen live gehen. Delivery wird auf längere Sicht ein wichtiger Kanal bleiben. Wir wollen unseren Restaurants dabei helfen, sich von Plattformen mit hohen Provisionen unabhängig zu machen. Erstens über den eigenen Shop auf der Restaurant-Homepage und zweitens über  die DiscoEat-App. Weiterhin werden wir mit einem großen Mobilitätsanbieter ein stark vergünstiges Angebot für unsere Restaurant-Partner zur Verfügung stellen, das sie für ihre Lieferaktivitäten nutzen können. 

Während des Lockdowns haben Sie Ihren Partnern Gebühren erlassen. Wie sieht es jetzt aus?   
Seitdem Restaurants wieder Gäste empfangen dürfen, nehmen wir wieder Gebühren. Diese sind allerdings noch extrem vergünstigt. Für alle neuen Partner entfällt außerdem die Aufnahmegebühr, sodass sie uns risikofrei kennenlernen können. 
 
Wie viele Ihrer Partner hat die Coronakrise bereits die Existenz gekostet?
Bislang hat noch keines unserer Partner-Restaurants aufgegeben. Aber wir rechnen damit, dass ein Drittel aller Restaurants die Krise bis zum Jahresende nicht überlebt. Kritisch wird es insbesondere für jene, die jetzt zu lange zögern und sich nicht auf die neuen Gegebenheiten einstellen.

Über Discoeat
DiscoEat positioniert sich als „Plattform zum Entdecken neuer Restaurants“. Restaurants soll sie dabei helfen, neue Gäste zu gewinnen und so Umsätze und Auslastung – vor allem in Nebenzeiten – zu maximieren. Über DiscoEat können Nutzer gut bewertete Restaurants mit uhrzeitabhängigen Rabatten auf die Speisekarte buchen. Wann und wie viel Rabatt die Gastronomen für welche Anzahl an Plätzen anbieten, entscheiden sie selbst.
Das Konzept des "Yield Management" kommt ursprünglich aus der Hotellerie und der Airline Industrie, die ihre Preise nach der Nachfrage ausrichten. DiscoEat-Gäste haben stets dieselbe Auswahl aus der gesamten Speisekarte wie der „normale“ Gast – es gibt keine abgespeckten Versionen für Rabattkunden. Bei den Getränken zahlen alle den regulären Preis.


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