Düsseldorf

Im "Ai Wok" kochen Roboter

Etwa 50 Gerichte pro Stunde schaffen die vier Küchenhelfer.
Ai Wok
Etwa 50 Gerichte pro Stunde schaffen die vier Küchenhelfer.

Bei „Ai Wok“ in Düsseldorf übernehmen Roboter das Kochen: Vier spezielle Woks bereiten pro Stunde bis zu 50 Gerichte zu. Inhaber Jian Wu sieht für die neue Kochtechnik besonders in der Systemgastronomie viel Potenzial.

 

Das Kürzel „Ai“ steht für „Artificial Intelligence“, sprich: künstliche Intelligenz. Das Lokal Ai Wok ist klein, misst weniger als 30 qm und bietet knapp 20 Sitzplätze auf Barhockern. Vom Tresen aus blicken die Gäste auf vier Spezial-Woks, die gemeinsam binnen einer Stunde bis zu 50 Gerichte zubereiten können. Ob gebratene Nudeln mit Gemüse, gebratener Reis mit Rinderfilet oder Thai Curry: Per Chipkarte, auf denen die Rezepturen gespeichert sind, werden die Kochprogramme aktiviert. Nacheinander kippen die Zutaten aus vorab präparierten kleinen Boxen automatisch in die Woks. „Das Kochen eines Gerichtes dauert drei bis vier Minuten“, erklärt Jian Wu, Inhaber des Ai Wok.

Wu hat die Geräte aus China importiert. „Dort setzen bereits mehr als 100 Restaurants diese Technik ein, darunter eine Gastro-Kette mit über 60 Filialen“, so der Unternehmer, der in Deutschland Bekleidungstechnik studiert hat. Bevor er in die Gastronomie wechselte, hat er mit seinen Firmen in China Strickwaren für europäische Mode-Marken produziert.

Die Zutaten sind vorbereitet. Programmiert ist die Reihenfolge, in der sie in den Wok gekippt werden.
Ai Wok
Die Zutaten sind vorbereitet. Programmiert ist die Reihenfolge, in der sie in den Wok gekippt werden.

Mitte Februar hat der Unternehmer Ai Wok eröffnet, zunächst als Test-Betrieb. „Wir wollten prüfen, wie unsere Speisen bei den Gästen ankommen und wie die Abläufe funktionieren.“ Die chinesischen Rezepturen hat Wu an den deutschen Geschmack angepasst. Zwölf Gerichte stehen zur Wahl (Hauptspeisen: 5 bis 9 Euro). In einer Küche im Untergeschoss erfolgt die Vorbereitung, oben wird gekocht und angerichtet. „Zwischen 12 und 14 Uhr bereiten die Roboter bis zu 80 Mahlzeiten zu“, berichtet der Gründer.

Gute Akzeptanz der Gäste

Die Handhabung der Geräte sei so einfach, dass er keinen gelernten Koch benötige. Wu bestreitet den Betrieb mit zwei Mitarbeitern und einer Aushilfe. Die Gäste stehen der automatisierten Kochtechnik überraschend aufgeschlossen gegenüber. „Wenn das Essen schmeckt, ist es doch egal, wie es zubereitet wird“, sagt ein Mittzwanziger, der mit Freunden an der Theke sitzt, und ergänzt: „Wir kochen zuhause auch mit dem Thermomix.“

Nach Abschluss der Testphase hat Jian Wu Ende letzter Woche seinen Laden geschlossen, um das Konzept anhand der gemachten Erfahrungen zu optimieren. Mitte Mai will er wieder öffnen. Dann soll es täglich fünf Gerichte (anstatt zwölf) geben, die wöchentlich wechseln. Der kleine Imbiss an der Friedrichstraße soll übrigens kein Solo-Stück bleiben: Wus Ziel ist es, mehrere Betriebe in Düsseldorf zu eröffnen und eine kleine Gastro-Kette aufzubauen.

Einsatzgebiet: Systemgastronomie

Parallel will Wus Unternehmen die kochenden Roboter auch vertreiben. Angesichts der Tatsache, dass immer weniger Menschen den Kochberuf ergreifen wollen und allerorten nach Wegen gesucht wird, Personalkosten einzusparen, sieht er für seine Kochroboter viel Potenzial – insbesondere in der Systemgastronomie und bei Hotelketten. In China ist die Technik bereits so weit entwickelt, dass Konsumenten sie auch privat nutzen können: in Supermärkten kaufen sie einen Zutaten-Baukasten für ein Gericht, das dann daheim im Kochroboter zubereitet wird. Die Steuerung fungiert über eine App auf dem eigenen Handy. „Der Bedarf für solch‘ smarte Lösungen ist da. Viele Gastronomen haben uns schon angesprochen“, sagt Wu.

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