Kinos / FFA-Halbjahresbilanz

Besucherzahlen und Erlöse brechen um die Hälfte ein

Künstlerpotraits als Platzhalter in einem Berliner Kino. Corona beutelt die Lichtspielbranche.
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Künstlerpotraits als Platzhalter in einem Berliner Kino. Corona beutelt die Lichtspielbranche.

Die Zahlen überraschen nicht, sind aber dennoch erschreckend: Die Kinobesuche und damit der Umsatz der deutschen Kinos sind im ersten Halbjahr wegen der Coronakrise um über 50 Prozent eingebrochen. Einzig die Autokinos konnten von der Schließung der klassischen Lichtspielhäuser profitieren. Das geht aus der Halbjahresbilanz der Filmförderungsanstalt (FFA) hervor. Die Zahl der Kinos ist bislang stabil - die Frage ist, wie lange noch. 

Der Start ins neue Jahr war mit Filmen wie dem Blockbuster "Bad Boys for Life", dem im Dezember 2019 angelaufenen finalen Teil der Star-Wars-Saga "Star Wars: Der Aufstieg Skywalkers" oder der deutschen Komödie "Nightlife" noch vielversprechend - doch im März folgte mit den flächendeckenden Kinoschließungen der Absturz.
Seit Mitte Mai dürfen die Kinos zwar wieder Filme zeigen - allerdings unter strengen Hygieneauflagen und mit einer deutlich reduzierten Auslastung. Erschwerend kommt hinzu, dass der Start vieler Filme verschoben wurde.

Unter dem Strich gingen die Kinobesuche in den ersten sechs Monaten des Jahres um 51,7 Prozent auf 25,9 Millionen verkaufte Tickets zurück, der Umsatz der deutschen Kinos brach im selben Zeitraum um 52,3 Prozent auf 220 Millionen Euro ein. 

Profiteur Autokinos

Allein die Autokinos profitierten von der Krise: Diese verkauften im ersten Halbjahr 1,5 Millionen Tickets und erzielten damit 14,4 Millionen Euro Umsatz. Zum Vergleich: Für das gesamte Vorjahr verzeichnete die Filmförderungsanstalt gerade einmal 110.000 verkaufte Autokino-Tickets. 

Bislang hat der noch nie dagewesene Umsatz-Einbruch noch kein Kinosterben ausgelöst: Die Zahl der Kinos (1734) und der Kinounternehmen (947) ist im Vergleich zum Vorjahr stabil. Dabei wird es aber wohl nicht bleiben, befürchtet FFA-Vorstand Peter Dinges: "Leider täuschen diese Zahlen. Viele Kinobetreiberinnen und -betreiber kämpfen derzeit um ihre Existenz. Die wirklichen Auswirkungen der Pandemie auf die Kinolandschaft werden jedoch erst in den kommenden Monaten sichtbar werden." 

Für das zweite Halbjahr hofft die Branche nun auf eine schrittweise Erholung und auf die Zugkraft großer Blockbuster wie aktuell "Tenet" oder den neuen James Bond "Keine Zeit zu sterben", der im November in die Kinos kommt. Dazu kommen erfolgversprechende deutsche Produktionen wie Bestsellerverfilmung "Drachenreiter", der Kinderfilm "Jim Knopf und die Wilde 13" oder die Komödie "Es ist zu Deinem Besten". Dass die Lust der Zuschauer auf das Kino trotz des Siegeszugs der Streamingdienste ungebrochen ist, zeigt "Tenet": Der neue Film von Starregisseur Christopher Nolan lockte allein am ersten Wochende Anfang September knapp 320.000 Zuschauer in die Kinos.


Dieser Text erschien zuerst auf www.horizont.net.




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