Foodcampus Berlin

"Wir schaffen die spektakulärste Kantine Europas"

Jörg Reuter
Food Campus Artprojekt
Jörg Reuter

Mit Jörg Reuter hat Artprojekt einen renommierten Vordenker der Foodbranche für die Geschäftsführung der Artprojekt Nature & Nutrition GmbH gewonnen. Er verantwortet die inhaltliche Konzeption und Kuratierung des Food Campus Berlin.

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Sie sind Agraringenieur, der durch ein Erlebnis auf dem Wochenmarkt den Spaten gegen den Laptop eintauschte und zum Strategieexperten avancierte. Was ist denn konkret passiert?
Jörg Reuter: Ich war mit Anfang zwanzig auf einem größeren Demeter-Betrieb in Norddeutschland. An einem Freitag musste ich die Möhren vom Unkraut befreien. Dazu kniete man sich auf den Boden, die Möhrenreihe zwischen den Knien und rutschte so eine endlos scheinende Reihe entlang und zupfte das Beikraut mit der Hand heraus. Ein absoluter Knochenjob. Am nächsten Morgen bin ich um 4 Uhr aufgestanden, um wie jeden Samstag mit unseren Produkten zum Wochenmarkt zu fahren. Der erste Kunde an diesem Tag beschwerte sich über den Preis der Möhren. Ich war fassungslos und brodelte innerlich. Könnte auch sein, dass ich im Affekt eine nicht so freundliche Bemerkung zum Kunden machte. Der Vorfall hat mich sehr beschäftigt, denn im Grunde bedeutete er, dass es uns bisher nicht immer gelingt, für unsere Produkte die notwendige monetäre Wertschätzung zu bekommen.
Das geplante Gebäude.
Food Campus Artprojekt
Das geplante Gebäude.

Warum entsteht in Berlin ein Food Campus?
Ich bin überzeugt, dass die Schlacht um eine nachhaltige Zukunft auf den Tellern gewonnen wird. Es wird immer deutlicher, welchen Impact Lebensmittel bezüglich der Belastung unserer planetaren Grenzen haben. Food ist für etwa 30 Prozent der Treibhausgasemissionen zuständig. Durch Veränderungen in der Produktion und auf unseren Tellern können wir diese Emissionen um die Hälfte reduzieren. Wir müssen die Zukunft der Lebensmittelproduktion neu denken und gemeinsam gestalten.

Und was sind die Überlegungen und Ideen?
Den Food Campus Berlin verstehen wir als Lösungsort für die Herausforderungen für die gesamte Foodbranche. Seit wir im Juni mit dem Projekt an die Öffentlichkeit gegangen sind, erhalten wir überwältigend viele Interessensbekundungen. Es scheint, als hätten viele darauf gewartet, dass es einen solchen Ort gibt. Mitten in Berlin und mit der Strahlkraft, die sich auch aus der Größe des Gebäudes ergibt.

„Wir müssen die Zukunft der Lebensmittelproduktion neu denken und gemeinsam gestalten.“
Jörg Reuter

Wie muss man sich die Arbeit konkret vorstellen?
Im Food Campus Berlin soll rund um das Thema „Planetary Health“ an Konzepten und Innovationen gearbeitet werden. Wir haben am Campus 20.000 qm für Produktionen, Technikum-Anlagen und R&D-Abteilungen von Unternehmen. 15.000 Quadratmeter Bürofläche für Food-Unternehmen, Verbände und Institute. Auf etwa 3.000 Quadratmetern befinden sich zusätzliche Services wie Co-Using-Labore, Co-Using-Entwicklungsküchen und Eventflächen. Die Krönung ist unser 2.000-Quadratmeter-Community-Food- & Workspace. Unser Anspruch ist, hier die spektakulärste Kantine Europas zu schaffen, die eben viel mehr als nur eine Kantine ist.

Food Campus
Start Frühjahr 2022
Fertig Anfang 2024
Nutzfläche 40.000 qm
15.000 qm teils gläserne Produktion
15.000 qm Büroflächen für Unternehmen, Institute und Dienstleister aus Food und Planetary Health
8.000 qm Ökosystem für Start-ups sowie etablierte Unternehmen
2.000 qm Event-Flächen, Kantine 2.0, Restaurant, Showroom, Shop

Das klingt nicht gerade bescheiden. Was werden die Foodtrends sein?
Wenn es um gute, zukunftsfähige Foodkonzepte geht, glauben wir an eine Vielfalt von möglichen Lösungen. Wir sehen am Food Campus "Cultivated Meat" ebenso wie die gesamte Welt der pflanzenbasierten Proteine ...


Dieser Text ist ein Exzerpt. Das komplette Interview erschien im November-Heft der gv-praxis Jetzt im E-Paper lesen

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