Forsa-Umfrage

Mehrheit zieht Nutri-Score "Wegweiser Ernährung" vor

Müsli mit Nutri-Score (l.) und Wegweiser Ernährung.
Foodwatch
Müsli mit Nutri-Score (l.) und Wegweiser Ernährung.

Welche Kennzeichnung eignet sich besser, um die Nährwerte eines Lebensmittels schon beim Kauf zu erfassen? Der in einigen Ländern bereits eingesetzte Nutri-Score oder der von Ernährungsministerin Julia Klöckner (CDU) vorgeschlagene "Wegweiser Ernährung"? Das Ergebnis einer repräsentativen Forsa-Umfrage ist eindeutig.

69 Prozent der befragten Personen bevorzugten den Nutri-Score gegenüber dem von Bundesernährungsministerin Julia Klöckner in Auftrag gegebenen Kennzeichnungsmodell "Wegweiser Ernährung". Der "Wegweiser Ernährung" fiel beim Großteil der Verbraucher durch: Nur 25 Prozent sprachen sich für das Modell aus - die Mehrheit der Befragten beurteilte es im Vergleich eher als "kompliziert" und "verwirrend". 
Das Urteil der Umfrage fällt klar aus.
Foodwatch
Das Urteil der Umfrage fällt klar aus.

Die Umfrage in Auftrag gegeben hatte die Verbaucherorganisation Foodwatch zusammen mit mehreren medizinisch-wissenschaftlichen Organisationen, etwa der Deutschen Gesellschaft für Ernährungsmedizin. Das Forsa-Institut hatte 1.003 repräsentativ ausgewählten Verbraucherinnen und Verbrauchern online beispielhaft Lebensmittel gezeigt, die mit den beiden Nährwertmodellen gekennzeichnet waren. Im Anschluss sollten die Teilnehmenden im direkten Vergleich beispielsweise bewerten, welches Modell verständlicher ist und die Wahl gesunder Lebensmittel eher erleichtert.

In der Umfrage sprachen sich vor allem jene Bevölkerungsgruppen für den Nutri-Score aus, die besonders stark von Fehlernährung betroffen sind. Die Befragten mit geringem formalem Bildungsgrad und jene mit starkem Übergewicht bevorzugten jeweils zu drei Vierteln den Nutri-Score. Beide Gruppen bewerteten den Nutri-Score auch häufiger als hilfreicher bei der Auswahl gesunder Produkte. Den "Wegweiser Ernährung" hingegen empfand ein besonders großer Anteil der Personen mit starkem Übergewicht als das kompliziertere Label. 
Ergebnisse im Detail.
Foodwatch
Ergebnisse im Detail.

Die Umfrage erfasste auch, wie wichtig den Verbraucherinnen und Verbrauchern bestimmte Eigenschaften bei einer Kennzeichnung sind. Ein Label muss demnach vor allem "eindeutig" sein (72 Prozent halten dies für sehr wichtig), "leicht verständlich" (70 Prozent) und "unkompliziert" (61 Prozent). Genau diese Eigenschaften sahen die Befragten vor allem beim Nutri-Score gegeben. Detaillierte Informationen auf der Vorderseite der Verpackung wie beim "Wegweiser Ernährung" waren den Menschen hingegen deutlich weniger wichtig (35 Prozent). 

Über Nutri-Score und "Wegweiser Ernährung"

Der Nutri-Score wird bereits in Frankreich und Belgien verwendet, Spanien hat seine Einführung angekündigt. Das Modell nimmt eine Gesamtbewertung der Nährwertzusammensetzung eines Produktes vor, indem es ernährungsphysiologisch günstige und ungünstige Nährwertbestandteile miteinander verrechnet und auf einer von grün nach rot abgestuften Farbskala einordnet. 
Auch in einzelnen Kategorien schneidet die Ampel besser ab.
Foodwatch
Auch in einzelnen Kategorien schneidet die Ampel besser ab.

Den "Wegweiser Ernährung" hat Julia Klöckner im Mai vorgelegt, das staatliche Max Rubner-Institut hatte das Modell in ihrem Auftrag entwickelt. Anders als beim Nutri-Score fehlt bei diesem "Waben"-Modell eine Einordnung in Ampelfarben.

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