Forscher simulieren Szenarien

Weltärztechef schließt Herbst-Lockdown nicht aus

Weltärztechef Ulrich Montgomery erwartet im Herbst steigende Corona-Infektionszahlen.
IMAGO / Eventpress
Weltärztechef Ulrich Montgomery erwartet im Herbst steigende Corona-Infektionszahlen.

Im angepassten Infektionsschutzgesetz müsse als letztes Mittel "auch die Möglichkeit zu einem Lockdown verankert werden", so der Weltärztechef Ulrich Montgomery. Das RKI erwartet, dass im Herbst die Infektionszahlen wieder steigen werden. 

Frank Ulrich Montgomery, der Ratsvorsitzende des Weltärztebundes, fordert einen Anti-Corona-Plan für den diesjährigen Herbst. Er fordert die Öffentlichkeit dazu auf, eine Diskussion über dieses Thema zu führen. "Wir haben bei der letzten Welle gemerkt, dass wir immer zu spät kamen", mahnte er im Gespräch mit der Neuen Osnabrücker Zeitung. 

Im angepassten Infektionsschutzgesetz müsse als letztes Mittel "auch die Möglichkeit zu einem Lockdown verankert werden". Montgomery wörtlich: "Es wäre fahrlässig, diese Instrumente nicht in den Werkzeugkasten zu legen. Auch die Pflicht zum Maskentragen im öffentlichen Raum, Abstandsregeln und Kontaktbeschränkungen wären Möglichkeiten."

Lothar Wieler, Chef des Robert Koch-Instituts, erwartet in den kommenden Monaten steigende Infektionszahlen. Alle Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen, "die sich wirklich ernsthaft und fundiert mit dieser Pandemie befassen, gehen davon aus, dass im Herbst die Zahlen wieder steigen werden", so Wieler. 

Der Mobilitätsforscher Kai Nagel von der TU Berlin und sein Team haben am 26. April im Hinblick auf den Herbst drei Szenarien für den weiteren Verlauf der Pandemie simuliert.


Aus der Simulation geht hervor: "Bleibt es bei einer Omikron-ähnlichen Variante, dann berechnet unser Modell eine Herbstwelle, welche nach den Sommerferien beginnt; die Belastung des Gesundheitssystems wird dabei laut Modell ähnlich sein wie derzeit. Sollte allerdings eine neue Immunflucht-Variante auftreten, richtet sich die Welle nach dem Zeitpunkt des Eintrags, unabhängig von der Saison. Sofern die Immunflucht-Variante bzgl. Krankheitsschwere so gefährlich wie die Delta-Variante ist, droht laut unserem Modell eine erneute Überlastung des Gesundheitssystems."


Dieser Text erschien zuerst auf www.fvw.de.

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