Gastbeitrag / Björn Grimm

"Gäste in die Verantwortung nehmen"

Björn Grimm: "Klare Bedingungen für eine gute und auf Augenhöhe bestehende Geschäftsbeziehung mit unseren Gästen."
Grimm Consulting
Björn Grimm: "Klare Bedingungen für eine gute und auf Augenhöhe bestehende Geschäftsbeziehung mit unseren Gästen."

Klare Bedingungen für eine gute und auf Augenhöhe bestehende Geschäftsbeziehung mit den Gästen. Das fordert der Restaurant-Berater Björn Grimm, Vize-Präsident des FCSI Deutschland/Österreich, in seinem Gastbeitrag.

Dieser Text erschien zuerst in unserer Schwesterpublikation ahgz.

Bereits der schottische Nationalökonom Adam Smith stellte im 18. Jahrhundert fest, dass eine ökonomische Aktivität eine Form wechselseitig nutzbringender Kooperation sei. Er schrieb: "Nicht vom Wohlwollen des Metzgers, Brauers und Bäckers erwarten wir das, was wir zum Essen brauchen, sondern davon, dass sie ihre eigene Interessen wahrnehmen."

Der Eigenliebe des Bäckers ist es zu also zu verdanken, dass wir satt werden. Sollten wir nicht jetzt die Chance nutzen, mehr Eigenverantwortung zu übernehmen und an unserer Selbstliebe zu arbeiten? Die jetzt sichtbaren Probleme zeigen hart auf, welch systememinente Schwachstellen insbesondere die Gastronomie über Generationen begleitet. Sind nicht wenige gastronomische Unternehmen eher einem typischen "Gastgeber-Gen" verschrieben, denn einer wirtschaftlich ausgeprägten und auf Ertrag orientierten Sichtweise.

Der zwanghafte Hang zum permanenten Feilschen, also zum Verbilligen unserer Leistungen, als auch die vielerorts aufgebauten Überkapazitäten sind ein Teil des Problems. Wir sollten uns nicht weiter an der Zerstörung eines vernünftigen (!) Preis-Leistungsverhältnisses beteiligen und den Gast im schlimmsten Fall einfach ziehen lassen. Zahlreiche Gastronomen lernen jetzt angesichts der Coronakrise, ihre Liquidität im Blick zu halten. Ein geöffneter Monat darf kein größeres Defizit nach sich ziehen, als ein geschlossener Monat.

Beziehung auf Augenhöhe

Nicht selten kaufte die Branche Umsätze, ohne die eigene Kosten-Nutzen-Effekte zu kennen. Wir sollten die sich darbietende Chancen nutzen, um auch ein rationales und faires "Nein" zu lernen. Beziehungsweise klare Bedingungen für eine gute und auf Augenhöhe bestehende Geschäftsbeziehung mit unseren Gästen zu definieren.

Nie war die Zeit reifer, die Verkaufspreise und Bedingen neu aufzustellen. Vermeintlich etablierte Kalkulationsfaktoren und Kosten-Quoten haben sich überholt. Die Liquiditätsreserven waren so arg schnell abgeschmolzen, da es schlichtweg kaum welche gab!

Der Staat soll es nun richten. Der Staat aber sind wir – als Unternehmer, Mitarbeiter und der Bürger als Gast gleichermaßen. Ist es da nicht klüger, den Gast als Leistungsempfänger mit in die Verantwortung zu nehmen? Unsere Gäste streicheln die Kühe, aber nehmen gleichzeitig in Kauf, dass die Mitarbeiter mit Kurzarbeitergeld auskommen sollen? Und dies nicht selten auf Basis eines Mindestlohnes, wo doch die Begrifflichkeit allein die aufkommenden Probleme erahnen lässt?

Die Branche blutet wegen der in der Vergangenheit gemachten Fehler. Oftmals waren andere die Nutznießer der mangelnden Eigenliebe! Unsere Erträge stecken in den Steinen der oftmals wundervollen Orte einer Gast-Begegnung - sei es in den eigenen oder denen der Vermieter. Allein eint die Hoffnung, dass diese profitabel kapitalisiert werden.

Eigenverantwortung übernehmen

Es ist also an der Zeit Eigenverantwortung für das eigene Tun zu übernehmen und den Gästen aufzuzeigen, welchen wichtigen Beitrag diese mit einer leistungsgerechten Bezahlung unserer Dienstleistungen und somit dem Fortbestand der Branche leisten können. Ich wünsche mir jene prominente Vertreter der Branche für zukunftsorientierte Kampagnen, in denen der mündige Bürger über die Qualitäten und Preisgestaltungen der Branche vernünftig aufgeklärt wird.

Die Rentabilität muss steigen, um die Gewinne nicht nur steueroptimiert wieder in unsere Betriebe zu stecken. Arbeit muss sich lohnen, und mit jenen Werten und Preisen versehen werden, die sie verdient. Unsere Branche sollte verstehen, dass wir nicht in Produkte denken dürfen. Sondern in wertvollen Dienstleistungen, die wir stolz präsentieren.


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