Gottlieb Duttweiler Institute (GDI)

European Food Trends Report

Christine Schäfer, Researcherin, GDI, präsentiert den neuen European Food Trends Report.
Thomas Fedra
Christine Schäfer, Researcherin, GDI, präsentiert den neuen European Food Trends Report.

Den neuesten "European Food Trends Report" stellte das Gottlieb Duttweiler Institute (GDI) in Zürich vor. Drei Treiber-Faktoren stehen im Fokus: Umwelt. Gesundheit. Alltagsstress.

Die Faktenlage ist klar und herausfordernd. Bis zum Jahr 2050 müssen knapp zehn Milliarden Menschen auf diesem Planeten ernährt werden. Mit unserer derzeitigen Ernährungsweise, bestimmt von der Sehnsucht nach Authentizität und Natürlichkeit, sei dies kaum machbar, betonte Christine Schäfer, Researcherin im GDI, die den Report präsentierte. Das globale Foodsystem müsse als Ganzes betrachtet und eine umfassende Technisierung in Kauf genommen werden, dies zeigt und fordert der neue Report 2019.


Drei Treiber stellt der aktuelle "Europoean Food Trends Report" als Ursachen des Wandels in den Fokus:

  1. Umwelt. Das Bewusstsein der Menschen für die Auswirkungen des Konsums auf Umwelt und Tierwohl wächst. Die Klimakrise beeinflusst die Produktion von Nahrungsmitteln, umgekehrt befeuert diese aber auch die Krise. Nachhaltigkeit heißt aber auch: Weniger Food Waste, ökologischere Verpackungen und mehr Kreislaufwirtschaft.
  2. Gesundheit. Körperliche und geistige Gesundheit sind zum Lifestyle avanciert. Die richtige Ernährung ist wichtiger denn je. Die Konsumenten versuchen mit optimierten Nährstoffkombinationen und Bio-Hacking gegen Unwohlsein, Gesundheits- wie etwa Verdauungsprobleme und mangelnde Fitness anzugehen, heißt es in der Studie.
  3. Alltagssorgen. Der Food-Markt reagiert auf die veränderten Verbraucheransprüche nach effizienter Ernährung im Alltag. Der Delivery-Markt wächst rasant. Nicht nur aus klassischen Restaurants heraus wird geliefert, sondern zunehmend auch von virtuellen Marken und aus sogenannten Geisterküchen, die ausschließlich zu Delivery-Zwecken existieren.

Kernfragen der Zukunft

Sowohl in der Präsentation der Studie als auch in der dazu stattfindenden Podiumsdiskussion ging es um folgende wichtige Fragen der kommenden Jahre:
  • Welche technologischen Themen spielen in Zukunft eine Rolle?
  • Wird man durch optimierte Nährstoff-Kombinationen und Bio-Hacking zum gesünderen Menschen?
  • Mit der Zunahme von Delivery-Offerten verändert sich die Esskultur. Wie reagiert die Gastronomie?
  • Wie lassen sich mit optimiertem Konsum Umwelt, Klima und Tierwohl schützen?
  • Die Rolle genetisch veränderter Organismen (GMO) ist umstritten. Was können GMO zum globalen Food-System beitragen?

"Die gute Nachricht", sagte Christine Schäfer, "unser globales Foods-System kann 10 Milliarden Menschen ernähren. Doch wir müssen einiges radikal ändern!" Unsere heutige Ernährungsweise sei schädlich für Menschen und Natur. In Europa müssten der Verzehranteil von Gemüse, Obst, Nüssen und Hülsenfrüchten mehr als verdoppelt und der Fleischkonsum drastisch eingeschränkt werden. Die Herausforderung liege darin, den Fleischanteil durch pflanzliches Protein zu kompensieren. Da der Markt der Protein-Alternativen derzeit boome und auch bisher klassische Fleischproduzenten auf den Zug aufsprängen, scheint dies gelingen zu können. Wichtig sei, dass diese Möglichkeiten wie auch gentechnisch veränderte Organismen (GMO) und entsprechende Lebensmittel vom Konsumenten akzeptiert würden. Viele Konsumenten sind diesbezüglich noch sehr skeptisch.

Weniger Fleisch, mehr Innovation

In der Diskussionsrunde mit Rolf Hiltl, Geschäftsführer der Hiltl AG, Björn Witte, Partner von Blue Horizon und Christine Schäfer, GDI, wurde nochmals betont, dass wir unseren Planeten nur bewahren können, wenn wir uns auf eine fleischfreie Ernährung einlassen. Rolf Hiltl gab zudem zu bedenken, dass unsere ernährungsbedingten Krankheiten durch unsere heutige Ernährungsweise nicht besser werden. Mit einer Umstellung unserer Essgewohnheiten könnten wir auch zu gesünderen Menschen werden. Björn Witte warf in die Waagschale, dass Blue Horizon hier auf einem guten Weg sei. In den letzten fünf Jahren habe man in rund 40 in Start-ups für fleischlose Ersatzprodukte investiert. Doch müssten auch entsprechende neue Technologien zum Einsatz kommen, um in der Breite taugliche und bezahlbare Produkte bieten zu können. Mit dem technologischen Wandel müsse auch ein gesellschaftlicher Wandel einhergehen. Dabei sei auch die Gastronomie mit in der Verantwortung, darin war man sich einig.

European Food Trends Report
European Food Trends Report 2019
Hacking Food: Die Neuerfindung unseres Essens
GDI-Studie Nr. 47 / 2019
Sprachen: Deutsch, Englisch
Autoren: Christine Schäfer, David Bosshart, Karin Frick und Christopher Muller

Die Studie steht online zum Download zur Verfügung (92 CHF)



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