Hessen / Coronakrise

Guter Start für die Außengastronomie

Seit wenigen Tagen läuft der Betrieb wieder in der Oberschweinstiege im Frankfurter Stadtwald. Chefin Viola Federau ist zufrieden mit der Nachfrage. Doch Auflagen und Aufwand sind hoch - die Umsatzerwartungen deutlich reduziert.
Charlotte Holzhäuser
Seit wenigen Tagen läuft der Betrieb wieder in der Oberschweinstiege im Frankfurter Stadtwald. Chefin Viola Federau ist zufrieden mit der Nachfrage. Doch Auflagen und Aufwand sind hoch - die Umsatzerwartungen deutlich reduziert.

Die Sonne scheint, der Parkplatz ist fast bis auf den letzten Platz belegt, vom angeschlossenen Spielplatz tönen Kinderstimmen, die Terrasse ist gut besetzt mit Gästen jeden Alters - nur wenige Tage nach dem Re-Start der hessischen Gastronomie bietet der Anblick des Gasthauses Oberschweinstiege im Frankfurter Stadtwald eine ungetrübte Idylle. Beinahe wirkt es wie früher, in Zeiten vor Corona. Doch eben nur beinahe. 

Desinfektionsmittel-Spender, Kellner mit Gesichtsmasken, große Tischabstände und Hinweisschilder zum korrekten Gastverhalten gehören auch in dem im Stadtwald gelegenen beliebten Ausflugslokal zum neuen Bild der Gastronomie. Doch Geschäftsführerin Viola Federau strahlt Zuversicht aus: "Der Start für die Außenflächen war gut. Die Gäste kommen wieder." Mit den Einschränkungen habe man sich arrangiert. So wurden in der Oberschweinstiege zusätzlich Teile des Parkplatzes bestuhlt und ein SB-Ausschank für den Ansturm an den Wochenenden installiert. 

Ausreichend Platz und das schöne Wetter helfen, den Betrieb auf der großzügigen Terrasse wieder in Gang zu bringen. Daher habe sie auch nicht gezögert, mit dem Startschuss für die hessischen Gastronomie am 15. Mai die Oberschweinstiege auch sofort wieder hochzufahren - mit einem gewohnt umfangreichen Angebot, inklusive Spargelkarte. "Wir müssen den Gästen schon etwas bieten, um ihnen die Anfahrt schmackhaft zu machen", sagt Viola Federau. 


Doch auch für die Frankfurter Gastronomin ist das Biergarten-Geschäft eben nur ein Ausschnitt dessen, was das Gesamtgeschäft trägt. Der Innenraum der Oberschweinstiege ist aufgrund der hessischen 5-qm-Regel nur zu einem Drittel bestuhlt. "Sommerfeste, Familienfeiern und andere Events sind weggebrochen", sagt Federau. An Weihnachten will sie lieber noch gar nicht denken. Und klar ist auch: das Ausflugslokal im Wald erfreut sich derzeit einer privilegierten Position. 

Deutlich härter sind Federaus weitere Betriebe getroffen. So etwa das in der Nähe der Frankfurter Altstadt gelegene Wirthaus Paulaner am Dom. Dort habe man aufgrund der Abstandsregelungen auf einen Großteil der Tische verzichten müssen. Zudem fehlen die Touristen, die überlicherweise das Gasthaus bevölkern. Noch schwieriger ist es laut Federau am Paulaner Squaire, denn im Bürokomplex am Frankfurter Flughafen bleiben die Mittagsgäste aus den Büros aus. Im Frankfurter Zoo, wo Viola Federau den Löwenanteil des Gastronomie-Angebots bestreitet, drückt dagegen die Zugangsbeschränkung auf 300 Gäste pro Zeitfenster (drei Slots am Tag) auf die Frequenzen.

Rückkehr der Gäste an den Main

Szenenwechsel an den Main: Wege und Wiesen entlang des Flusses waren auch in den Wochen des Lockdowns rege bevölkert. Stillstand herrschte nur in der Gastronomie. Seit dem vergangenen Wochenende haben die Lokale wieder geöffnet. Auch der Achter im Rudererdorf ist dabei. "Wir haben uns aufgrund der strengen Auflagen allerdings entschieden, nur den Außenbereich zu öffnen", erklärt Inhaberin Eve Merceron. Von den sonst 200 Plätzen im Garten sind aktuell nur 75 übrig. "Wir wollten es langsam angehen lassen und haben sogar mehr Abstand eingeräumt als gefordert." Zudem kommt der Achter so um die Registrierungspflicht, die in Hessen nur in Innenräumen gilt, herum. "Für diesen Extra-Aufwand fehlt uns das Budget."

Die von vielen befürchtete Zurückhaltung gegenüber einem Restaurantbesuch hat es bei den Achter-Gästen nicht gegeben. "Der Samstag war noch etwas ruhiger, aber der Sonntag sehr erfreulich", sagt Merceron. Um auch im Minimalbetrieb einigermaßen wirtschaftlich zu operieren, wurde die Karte auf die Bestseller reduziert. Eine Seite anstelle der gewohnten drei. "Schließlich mussten wir erstmal schauen, wie die Nachfrage sich entwickelt. Essen wegwerfen zu müssen, wäre jetzt das Schlimmste."

Auch wenn sich für die Gäste auf den ersten Blick wenig geändert hat - das Essen schmeckt, der Service ist freundlich - ist man hinter den Kulissen weit von der alten Realität entfernt. 70 Prozent des Teams hätte man entlassen müssen, die verbliebenen 30 Prozent der Mitarbeiter sind in Kurzarbeit und werden nur punktuell eingesetzt. Merceron selbst und ihre beiden Partner sind selbst rund um die Uhr im Einsatz. In der Küche, im Service und im Putzdienst, "Nach 20 Jahren Gastronomie stehen wir wieder am Anfang."

Herausfordernd, so Merceron, sei auch die Informationslage. "Die Vorschriften haben sich immer wieder geändert. Es gibt keine Stringenz zwischen Handel, Innen- und Außengastronomie." Es koste viel Zeit, sich die Informationen zusammenzusuchen, die für den individuellen Betrieb aktuell gelten. "Und was passiert bei einem Regelverstoß?", fragt die erfahrene Gastronomin. Im Achter war das Ordnungsamt noch nicht zu Gast. Von Kollegen auf der beliebten Shopping- und Gastromeile Berger Straße in Frankfurt-Bornheim jedoch hat sie gehört, dass Mitarbeiter des Ordnungsamts dort mehrmals täglich vorbeischauen. 

Erfreut ist Merceron über den Erlass der Gebühren für die Außengastronomie. Für den Betrieb ihres Café Kunstverein in der Frankfurter Altstadt bedeutet das eine Erleichterung. "Das ist ein ganz tolles Zeichen für die Gastronomie", sagt Eve Merceron. 

Kleinere Karte, kürzere Öffnungszeiten

Mit reduzierter Karte und gestrafften Öffnungszeiten ist am Freitag, 15. Mai, auch die Rosso Suite am Frankfurter Opernplatz gestartet. Mit dem ersten Wochenende ist Fabienne Rziha, Betriebsleiterin der Kuffler-Gastronomie in der Alten Oper zufrieden. Vor allem der Samstag sei sehr gut gelaufen. "Man merkt, dass alle Gäste rauswollen zum Einkaufen, Bummeln, Freunde treffen", sagt Rhiza. Dabei seien sie "übrigens sehr verständnisvoll und diszipliniert" bei der Beachtung der neuen Regeln.
54 von den sonst 200 Sitzplätzen sind der Rosso Suite (Kuffler Gastronomie) in der Alten Oper in Frankfurt aufgrund der Abstandsregelung übrig gelieben.
Rosso Suite
54 von den sonst 200 Sitzplätzen sind der Rosso Suite (Kuffler Gastronomie) in der Alten Oper in Frankfurt aufgrund der Abstandsregelung übrig gelieben.

Wie im Achter bleibt auch der Innenraum der Rosso Suite vorerst geschlossen. "Aufgrund der hessischen Abstandregelung könnten wir hier nur acht Gäste bewirten - das rentiert sich natürlich nicht", erklärt Rhiza. Draußen bleiben der Rosso Suite immerhin 54 Sitzplätze - von regulär 180 Terrassen-Plätzen. "Wir dürfen allerdings bis 31.Oktober 2020 noch um 26 Plätze erweitern." Die Zusatzfläche stellt die Stadt kostenfrei zur Verfügung. 

Stammgäste bleiben dem Kurhaus treu

Von einem guten Start und glücklichen Gästen berichtet auch Jochem Joosten, Direktor der Kurhaus Gastronomie (Kuffler) in Wiesbaden. Am Freitagabend zur Kernzeit sei man bereits voll ausgelastet gewesen. Viele Stammgäste hätten mit der Ankündigung des Re-Starts direkt reserviert. "Der Pro-Kopf-Umsatz ist wie vor der Krise. Die Leute haben sich etwas gegönnt", sagt Joosten. "Trotzdem ist es eher eine Dienstleistung für den Gast. Mit dem Umsatz, den wir unter diesen Bedingungen generieren, halten wir den Betrieb nicht lange durch."

Joosten hofft daher, dass weitere Lockerungen für die Gastronomie bald kommen werden. "
Wir müssen zurück in eine neue Normalität. Die alte wird es auf lange Sicht nicht mehr geben. Als erstes muss die 5-qm-Regel gekippt werden. Und die Regeln, wer mit dem wem essen darf. Es dürfen ja nicht mal drei Geschäftsleute zusammen essen."




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