Hot Deal oder Kosmetik?

Amrest splittet Aktien 1 zu 10

Vom 2. auf den 4. Oktober wurde die Amrest-Aktie gesplittet - danach war jede einzelne Aktie nominell nur noch rund 10 Euro wert. Davor waren es über 100 Euro.
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Vom 2. auf den 4. Oktober wurde die Amrest-Aktie gesplittet - danach war jede einzelne Aktie nominell nur noch rund 10 Euro wert. Davor waren es über 100 Euro.

Die Amrest Holding mit Sitz in Breslau gilt als Vorzeige-Unternehmen in der Branche und betreibt in 16 Ländern insgesamt 1770 Restaurants als klassischer Multi-Player. In der vergangenen Woche staunte die Börsen-Community aber nicht schlecht: Einen Tag nach dem Feiertag war der Aktienkurs von über 100 Euro auf etwas über 10 Euro gesunken. Was war da geschehen?

In der Branche kursierten die wildesten Gerüchte - hat sich Amrest bei seinem letzten Deal, dem Kauf von Sushi Shop für rund 240 Mio. Euro, doch übernommen?

Die Polen sind der größte börsennotierte Restaurantbetreiber in Zentraleuropa unter dessen Dach verschiedene Lizenzmarken, wie KFC, Burger King, Starbucks und Pizza Hut betrieben werden. Auch das italienische Fullservice-Konzept La Tagliatella, sowie die chinesischen Marken Blue Frog und Kabb gehören dazu.

In Deutschland betreibt das Unternehmen aktuell 130 Starbucks Filialen, 75 Pizza Hut- und 24 KFC- Restaurants sowie zwei La Tagliatella-Lokale. Laut foodservice Top100-Ranking erwirtschaftete die Holding hierzulande im vergangenen Jahr einen Umsatz von 233 Mio. Euro. Europaweit lag der Umsatz 2016 bei 900 Mio. Euro.

Also ist Amrest ein wirklich wichtiger Player mit Signalwirkung im Markt. Auf Nachfrage in Breslau erfährt man, dass Amrest weit entfernt von finanziellen Problemen sei. Das Unternehmen hatte sich einfach in der vergangenen Aktionärsversammlung die Erlaubnis zum Aktien-Splitting geholt.

Bei einer solchen Kapitalmaßnahme werden existierende Aktien in eine größere Anzahl neuer Aktien mit einem geringeren Nominalwert umgewandelt. Dadurch reduziert sich automatisch der Aktienkurs. Die Aktie wird leichter handelbar – und optisch billiger. Infolgedessen wird das Papier für breitere Anlegerschichten attraktiver. So verkauft man mehr Aktien und der Kurs steigt mittelfristig, so die Annahme der Manager.

"Wir haben unseren Aktionären ein verfrühtes Weihnachtsgeschenk gemacht", erklärt CEO und Gründer Henry McGovern am Telefon. Doch realistisch betrachtet hat er lediglich die Anzahl der Stückelung in den Depots seiner Aktionäre erhöht. Ob sein Kalkül aufgeht und der Kurs nun wirklich steigt, weil mehr Menschen die Aktie kaufen, wird sich erst zeigen.

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