HOTREC Digital-Studie

Das (verschenkte) Potenzial der digitalen Kanäle

Immer mehr Menschen bestellen online essen.
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Immer mehr Menschen bestellen online essen.

Internet-Portale für Reservierungen im Restaurant und Online-Lieferplattformen stecken in Europa noch in den Kinderschuhen – zumindest, was die Zahl der Nutzer angeht. Das Wachstumspotenzial ist dementsprechend enorm. Das ist das Ergebnis einer Studie der Walliser Fachhochschule HES-SO Valais-Wallis im Auftrag des europäischen Gaststättenverbandes Hotels, Restaurants & Cafés in Europa (HOTREC).

Ein Ergebnis der Studie: Durch neue Technologien entstehen neue Kundenbedürfnisse – und dadurch Nachfrage nach neuen Angeboten im Foodservice-Sektor. Diese gesellschaftliche Verschiebung betrifft das gesamte Restaurantsegment horizontal – vom Quickservice-Player bis hin zum Sternerestaurant. Dennoch ist die Nutzung der digitalen Möglichkeiten etwa im Vergleich zu Hotels bei Gastronomen stark unterrepräsentiert.

"Nach der Revolution auf dem Hotelbuchungsmarkt in den letzten Jahren spielen langsam auch die Märkte für Delivery und die Buchung von Restaurants eine wichtige Rolle im Geschäftsmodell der europäischen Restaurants“, sagte Adrian Cummins, Vorsitzender der HOTREC-Arbeitsgruppe für Restaurants und Pubs.

Food Delivery und Buchung wenig genutzt

Beispiel Food Delivery: Nach Einschätzungen der Studienmacher wächst die Zahl der Nutzer, die europaweit Online-Plattformen für Food Delivery nutzen bis 2023 auf 200 Millionen an. Das Marktvolumen schätzt HOTREC bis 2023 auf rund 20 Milliarden Euro bei Wachstumsraten von jährlich um die zehn Prozent. Dennoch arbeiteten Stand heute weniger als zehn Prozent der befragten Restaurants mit entsprechenden Plattformen zusammen. Für die Studie wurden neben anderen Quellen europaweit 790 Restaurant-Betreiber online befragt, sowie die Websites von 1.200 Restaurants in Deutschland und Frankreich untersucht. 

Ein ähnliches Bild zeigt sich bei der Nutzung von Reservierungsportalen wie Opentable oder Bookatable. Etwas weniger als die Hälfte der Kunden (43 %) reservieren, wenn sie ins Restaurant gehen, vorher ihre Plätze. Noch reservieren 90 Prozent der Gäste direkt per Telefon oder E-Mail, doch der Anteil an Buchungen über Drittplattformen dürfte sich von momentan rund 6 Prozent in den kommenden Jahren deutlich steigern. Dennoch arbeiten weniger als zehn Prozent der untersuchten Restaurants mit solchen Anbietern zusammen.

"Diese Studie zeigt, wie wichtig es ist, dass der europäische Restaurantsektor seine Dienstleistungen weiter an diese neue Nachfrage anpasst und Kundenbedürfnisse zum eigenen Vorteil antizipiert", sagte Christian de Barrin, CEO von HOTREC. Der Verband sieht für Unternehmen im Gastronomiesektor in den kommenden Jahren große Wachstumschancen. Allerdings müsse man Kostenfaktoren (z.B. Kommissionen) und strategische Aspekte (z.B. Abhängigkeit von Portalen, Veränderungen im Geschäftsmodell) gut managen.

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