Insider-Tipps (37)

Lieblingsorte: Top 5 in St. Petersburg


St. Petersburg ist einen Besuch wert.
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St. Petersburg ist einen Besuch wert.

In unserer Serie Insider-Tipps verraten Gastronomie-Profis, wo sie in ihren Heimatstädten selbst gerne ausgehen. Anna Kovarskaja ist als Redakteurin der russischen foodservice für St. Petersburg zuständig und nimmt uns mit zu den kulinarischen Highlights der Stadt.

 

Im Bekitzer trifft sich ein bunt gemischtes Publikum.
Bekitzer
Im Bekitzer trifft sich ein bunt gemischtes Publikum.
Der Name des Bekitzer kommt aus dem Jiddischen. Übersetzt heißt das Wort: "kürzer"oder "dalli". Die Bar liegt auf der wichtigsten Restaurantstraße von St. Petersburg, der Rubinstein Straße. Das Interieur ist unauffällig: Unter der Decke drehen sich die Flügel eines großen Ventilators, er lässt den Blick auf den großen Gemeinschaftstisch darunter fallen. Hebräische Graffiti zieren die Wände. Auf der Speisekarte stehen israelische Gerichte: Humus, Shakshuka (israelisches Rührei), Mezze, Falafel und Shawarma. Von letzterem verkauft das Bekitzer etwa 1000 Portionen pro Woche. Die Eröffnung der Bar vor fünf Jahren legte den Grundstein für einen Hype der Nahost-Küche. Um die authentische Zubereitung der Speisen zu erlernen, reiste das Team vor der Eröffnung nach Tel Aviv. Dort lernte es bei jüdischen Großmüttern und auf dem Karmel-Markt. Alle 50 Sitzplätze im Bekitzer sind stets belegt. Das Publikum ist heterogen: junge verliebte Paare und etwas ältere Gäste, Touristen, Familien mit Kindern und alte Leute.

Kreative Gemüsegerichte sind die Signature Dishes des Harvest.
Harvest
Kreative Gemüsegerichte sind die Signature Dishes des Harvest.
Das Harvest ist das vierte Restaurant der Gruppe Duoband (nach Duogastrobar, Tatarbar und Duo Asia). Es  eröffnete im Dezember 2018, erhielt aber bereits im Juli 2019 den 92. Platz in "The World's 50 Best Restaurants 2019". Das Harvest ist groß, hell und das ausgereifteste Restaurant der Gruppe unter der Leitung des Chefkochs Dmitri Blinov. Blinov selbst steht in der schneeweißen offenen Küche zusammen mit zwölf Köchen am Herd. Die Hälfte der Speisekarte besteht aus Gemüsegerichten, von Blinov selbst vor fünf Jahren kreiert. Favoriten auf dem Teller sind: Kürbis, Spargel und Porree. Hier singt man enthusiastische Loblieder auf die Karotte und liest eine Widmung auf den Kohl. Oft wird ein- und dasselbe Gemüse in einem Gericht in diversen Varianten umspielt: gedörrte Rote Beete ergänzt verfeinerte Rote Beete. Zu den Gemüsegerichten wird eine Reihe frischgepresster Säfte empfohlen: Kirsche mit Rhabarber, Kürbis mit Orange oder Rote Beete mit schwarzer Johannisbeere.

Skandinavisch inspiriert ist die Inneneinrichtung des Birch.
Birch
Skandinavisch inspiriert ist die Inneneinrichtung des Birch.
Vier Köche eröffneten einst das Birch auf der Kirochnaja Straße. Heute arbeiten in der offenen Küche, in der man auch am Chef`s Table speisen kann, schon an die sechzehn Köche. Das Birch hat ein liebenswürdiges Interieur mit skandinavischem Touch und eine lokale Küche mit asiatischem Einschlag. Die Tataki aus Rindfleisch werden mit Pesto aus Trüffeln und Ponzu serviert; in die Krabben-Bisque kommen Wantan mit Krabben; Calamari werden mit roten Linsen kombiniert. Die Preise übersteigen selten den psychologischen Grenzwert von 500 Rubel (etwa 7 Euro). Birch stieg bei Tripadvisor gleich in den ersten Tagen auf Platz 1 auf und hielt sich sechs Monate dort. Die Stärke des Teams ist seine starke Orientierung am Kunden. Küchenchef ist Arslan Chesret Berdiev, der früher im Percorso in den Petersburger Four Seasons tätig war.

Japanische Spezialitäten im Subzero.
Subzero
Japanische Spezialitäten im Subzero.
Das Konzept des asiatischen Subzero in der Rubinstein Straße haben die Gründer sich vom modischen, japanischen Restaurant Dudu in Berlin abgeschaut, von dem sie mit Genehmigung der Eigner das asketische Interieur, die Speisekarte und den Service übernommen haben. Die Mission des Projekts ist die Rehabilitierung der japanischen Küche. Im asiatischen Teil der Karte gibt es Poke, Ramen und Frühlingsrollen, doch die Basis bilden die Rolls: Die "Tartar Rolls" enthalten rohen Fisch, "Tataki Rolls"  kurz gebratenen Fisch. Die "Crunchy Rolls" werden frittiert. Die Preise sind nicht niedrig: die Rollen kosten zwischen 470 und 770 Rubel (ca. 6,50 bis 10,50 Euro).  Doch sie sind gekonnt angerichtet und die Portionen groß. Zu jeder werden ohne Aufpreis grüner Salat, Nüsse und diverse Saucen serviert.

Der hausgemachte Käse ist der USP des Syrovarnja.
Syrovarnja
Der hausgemachte Käse ist der USP des Syrovarnja.
Das Syrovarnja der Moskauer Novikov Gruppe in der Kovenskiy Gasse setzt Maßstäbe: 1000 Quadratmeter Fläche und hoher Detailreichtum. Feuerholzstapel, Essen auf den Theken, frische Brotlaibe in der offenen Küche. Und eine echte Käserei hinter Glas, wo man live verfolgen kann, wie nach italienischer Technik Buratta, Stracciatella, Mozarella und Ricotta, Cacciotta und Haloumi entsteht. Das Plus: eine kosmopolitische Speisekarte mit Neigung zur italienischen Küche: Pizza, Pasta, "Leningrader" Rassolnik und große Portionen auf gutbürgerlicher Küche.
Über Anna Kovarskaja
Anna Kovarskaja wurde in Sankt-Petersburg geboren und lebt auch dort. Sie hat ein philologisches Studium absolviert. Ihre Karriere als Restaurant-Kritikerin begann sie 2007 in der Zeitung Kommersant: sie schrieb die Kolumnen "Restaurant-Kritik" und "Essen mit Anna Kovarskaja". Sie arbeitete mit gastronomischen, unterhaltungs- und geschäftlich orientierten Print-Medien zusammen: Gastronom, Timeout, Sobaka.ru und andere. In den letzten acht Jahren arbeitet sie als Redakteurin für die russische Version der foodservice. Sie vertritt die Ausgabe in St. Petersburg.


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