Interview | Lehmanns Gastronomie

"Wir sind für unsere Mitarbeiter da"

Ist für die Mitarbeiter da: Günther Lehmann.
Lehmanns
Ist für die Mitarbeiter da: Günther Lehmann.

Personalmangel? Der Bonner Schul- und Kitacaterer Lehmanns Gastronomie ist gut aufgestellt mit seinem 200-köpfigen Team. Er gilt als attraktiver Arbeitgeber. Firmenchef Günther Lehmann im Interview mit gv-praxis über das Finden und Binden von Beschäftigen – und wo es noch hakt. 

Herr Lehmann, viele in der Branche finden derzeit keine Fachkräfte? Wie sieht es bei Ihnen aus?

Günther Lehmann: Wir haben während der Corona-Krise niemanden entlassen und konnten den überwiegenden Teil unserer Mannschaft trotz monatelanger Kurzarbeit halten. Natürlich, der ein oder andere ist in eine andere, krisensichere Branche abgewandert.

Hatten Sie Probleme, diese Stellen wieder neu zu besetzen?
Nein, auf unsere Stellenausschreibungen haben sich viele beworben, so dass wir die besten darunter auswählen konnten. Insgesamt haben wir vier Fachkräfte – darunter drei Köche – neu eingestellt. Im Vergleich zur klassischen Gastronomie sind wir als Gemeinschaftsverpfleger ein attraktiver Arbeitgeber. Wir bieten geregelte Arbeitszeiten und damit eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Wir haben beispielsweise einen Koch aus der Hotellerie neu eingestellt. Zu Anfang der Coronakrise war er Vater geworden und kann durch die Arbeit bei uns nun mehr Zeit mit seiner Familie verbringen – ohne Abendschichten und Wochenendarbeit.

Aber Sie genießen als Lehmanns Gastronomie auch einen guten Ruf als Arbeitgeber in der Region, oder?
Das mag sein. Die Fluktuation bei uns ist niedrig, wir haben viele Mitarbeiter, die schon über zehn Jahre und länger bei uns sind. Und ja, wir bieten unseren Mitarbeitern gute, attraktive Arbeitsplätze.

Was bieten Sie, was andere nicht bieten?
Wir sind für unsere Mitarbeiter da und kümmern uns, wenn es bei dem einen oder anderen brennt, er oder sie Probleme hat. Zum Beispiel hatte einer unserer Köche eine Entzündung im Arm. Wir haben ihn dann bei der Suche nach einem kompetenten Arzt unterstützt. Oder wir helfen bei einem anstehenden Umzug mit einem unserer Lieferwagen aus und packen mit an. In den vergangenen Jahren haben wir gute Führungskräfte ins Unternehmen geholt, die alle sehr nah an unseren Mitarbeitern dran sind. Das ist aus unserer Sicht wichtig.

„Führen heißt für uns, sehr nah am Menschen zu sein.“
Günther Lehmann
Die Bezahlung muss aber auch stimmen?
Richtig. Wir fordern von unseren Mitarbeitern viel, jeder muss seinen Job machen. Im Gegenzug zahlen wir faire und leistungsgerechte Löhne.

Und wie sieht es mit sonstigen Extras aus?
Wir bieten unserer Mannschaft kostenfreies Essen und Trinken an. Wir finden es wichtig, dass die Mitarbeiter die Speisen, die sie zubereiten, auch selbst essen. Für uns ist das gleichzeitig eine sehr gute Qualitätskontrolle durch die eigene Mannschaft. Wir haben zudem eine hauseigene Physiotherapeutin, die einmal im Monat für die Mitarbeiter da ist. Wir lassen die Ergonomie am Arbeitsplatz analysieren und bieten arbeitsplatzspezifisches Training an. Darüber hinaus organisieren wir gemeinsame Freizeitaktivitäten und unterstützen, wo es geht. Wir sehen uns schlussendlich als große Familie. Einzige personelle Dauerbaustelle sind unsere Essensausgaben in den Schulen sowie die fehlenden Spül- und Reinigungskräfte.

Wo drückt bei der Essensausgabe personell der Schuh?
Die Jobs sind generell sehr unbeliebt. Die Arbeitszeiten bewegen sich in der Regel zwischen 12 bis 15 Uhr, die verantwortliche Person muss mit Kindern umgehen können und natürlich ist es in den Mensen teils sehr laut. Das muss man mögen. Für die hier geleistete Arbeit erhalten die Mitarbeiter wenig Geld. Während eine Bäckerei 14 Euro die Stunde zahlt, liegen wir bei 10 bis 11 Euro – und damit immer noch über dem derzeitigen Mindestlohn.

Wir würden diese Menschen gerne besser entlohnen, erwirtschaften das allerdings nicht. Die Schulverpflegung ist leider immer noch sehr preisgetrieben, die Margen sehr niedrig. Ich bin ein großer Freund des Mindestlohns, aber dieser muss auch vom Unternehmen durch eine faire Bezahlung der Dienstleistung erwirtschaftet werden können. Bei den Preisen, die wir derzeit in der Schulverpflegung haben, ist dies kaum möglich. Ein Grundsatzproblem, dem sich Politik und Gesellschaft gleichermaßen stellen müssen.

Letzte Frage: Worauf sind Sie stolz?
Wir sind stolz auf all das, was wir bis heute trotz der widrigen Bedingungen in der Schulverpflegung erreicht haben. So viele Kinder dürfen wir Tag für Tag mit unserem Essen versorgen und glücklich machen, genießen eine enorme Kundenloyalität und Zufriedenheit und haben es geschafft, so viele tolle Menschen als Mitarbeiter für unser Unternehmen zu gewinnen. In der Summe haben wir Vieles richtig gemacht. Wir sind sehr dankbar und leisten mit unserer Netzwerk- und Öffentlichkeitsarbeit einen Beitrag dazu, die Schulverpflegung bundesweit besser zu machen.

Über Lehmanns

Die Lehmanns Gastronomie GmbH mit Sitz in Bonn-Dransdorf ist Teil der Lehmanns Firmengruppe und gehört in Deutschland zu den führenden Cateringunternehmen in der Kinder- und Schulverpflegung. Gegründet von Günther und Stefan Lehmann im Jahr 2005 wurden 150 Essen pro Tag für drei Einrichtungen in der Küche eines Altenheims zubereitet. 2010 nahm Küche 1 den Betrieb auf. 2018 folgte Küche 2, die Frischküche für Kinderessen auf Cook & Chill-Basis. Heute verlassen über 15.000 Essen für mehr als 150 Einrichtungen im Rheinland und der Umgebung den Firmensitz. Vater Günther und Sohn Stefan Lehmann führen gemeinsam mit zwei Prokuristinnen das Unternehmen mit rund 200 Beschäftigten.

Zahlreiche Auszeichnungen belegen die hohe Qualität und Hygiene, die zu den Grundwerten des Unternehmens gehören. So erhielt Lehmanns 2017 für die überragenden Leistungen in der Kinder- und Schulverpflegung den "Frankfurter Preis der Deutschen Gemeinschaftsgastronomie" der Wirtschaftsfachzeitschrift gv-praxis, die höchste Auszeichnung in der Gemeinschaftsgastronomie.

stats