Interview, Herwig Niggemann

Dem LEH fehlt die fachliche Kompetenz

Herwig Niggemann
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Herwig Niggemann

Der Bochumer Lebensmittelhandelsprofi und Autor Herwig Niggemann gilt als Spezialist für Gastronomiekonzepte im LEH. Mit FOOD-SERVICE spricht er über die Gründe erfolgreicher und gescheiterter Modelle und weshalb die Niederlande Deutschland voraus ist.

Dieser Artikel ist ein Exzerpt. Lesen Sie die ausführliche Analyse inklusive Interviews mit Experten in der Titelgeschichte der foodservice-Ausgabe November.

FOOD-SERVICE: Was sind die erfolgreichsten Konzepte in Deutschland?
Herwig Niggemann:
Es gibt eine ganze Anzahl von gut gemachten Konzepten der Integration von gastronomischen Elementen in den Einzelhandel. Wenn man allerdings Erfolg nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten beurteilt, dann kommt man schnell dazu, hier etwas kritischer zu urteilen.

Warum die Kritik?
Der Handel tut sich sehr schwer, die Komplexität der Gastronomie zu beherrschen. Daher ist nur in sehr wenigen Fällen davon auszugehen, dass man damit Geld verdient. Man sollte vor allem trennen zwischen einfachen Konzepten, die beherrschbar sind (vor allem Bäckerei-basierte Food-Konzepte gastronomischer Art), und komplexen Systemen, die bis in die Bedienung gehen mit einem ständig wechselnden Tagesangebot.


Was kennzeichnet erfolgreiche Modelle?
Erfolgreich sind entweder Sub-Konzepte, das heißt intern laufend an externe Betreiber – oder einfache, nicht gastronomisch komplexe Systeme. Das ist ein guter Schlüssel für Erfolg. Mit Eat Happy, einem Sushi-Konzept mit einem Fremdbetreiber im Markt, der vor allem das Personalthema löst und das Hauptproblem dem Einzelhändler abnimmt, haben viele Einzelhändler ein sehr interessantes und auch wirtschaftlich für sie erfolgreiches System gefunden.

Welche Hürden gibt es in Deutschland bei der Zusammenführung von Gastronomie und LEH?
Es fehlt dem LEH die fachliche Kompetenz für eine für ihn typische Konzeption. Es ist nicht im Mittelpunkt der Denke des Einzelhändlers. Das Personalproblem ist völlig anders zu lösen. Das eigentliche Problem ist die Führung des Bereichs. Man kann sich keinen eigenen Foodservice-Manager erlauben, da das Volumen nicht groß genug ist, sondern "wurschtelt" so vor sich hin.

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