Interview

Lieferandos Pläne für Deutschland


Joris Wilton ist Manager Investor Relations bei der Lieferando-Mutter Takeaway.com.
Takeaway.com
Joris Wilton ist Manager Investor Relations bei der Lieferando-Mutter Takeaway.com.

Im Dezember verkündete Lieferando-Mutter Takeaway.com die Übernahme der deutschen Delivery-Hero-Marken Pizza.de, Lieferheld und Foodora. Sei Ende April wird von den Websites auf Lieferando.de weitergeleitet. Doch hinter den Kulissen ist noch viel zu tun. Im FOOD SERVICE-Interview spricht Joris Wilton, Manager Investor Relations bei Takeaway.com, über den aktuellen Stand der Transformation.

FOOD SERVICE: Herr Wilton, wie weit ist die Umstellung von Foodora, Pizza.de und Lieferheld auf die Lieferando-Plattform fortgeschritten?
Joris Wilton: 
Die Websites werden bereits auf Lieferando weitergeleitet, die Restaurants integriert. So bieten wir ein größeres Angebot. Auf der operativen Ebene bemühen wir uns gerade, alle Mitarbeiter mitzunehmen und einzubinden. Das liegt auch an den unterschiedlichen Strukturen von Delivery Hero und Takeaway.com. Während Delivery Hero stark länderbezogen arbeitete, richteten wir unsere Organisationsstruktur funktional am internationalen Geschäftsmodell aus. Wir hoffen, den Übergang in einigen Monaten abzuschließen.

Wie viele Restaurants kommen durch die Übernahme bei Lieferando dazu?
Ende 2018 hatten wir auf der Lieferando-Plattform etwa 15.000 Restaurants gelistet. Momentan können wir den potenziellen Zuwachs durch die Akquisition nur schätzen, etwa wegen voriger Mehrfach-Listungen. Hier glauben wir, dass etwa 3.000 Restaurants hinzukommen werden.

Was ist mit den Fahrern, die vorher für Delivery Hero unterwegs waren?
Wir haben die Fahrer übernommen. Dank der Übernahme haben wir nun in 39 deutschen Städten eine eigene Lieferlogistik (Anm. d. Red.: Im Oktober 2018 waren es noch 13 Städte). In den meisten großen Städten statten wir die Fahrer mit E-Bikes aus und betreiben an zentralen Stellen Bike Hubs, wo sie die Räder abholen können. Zu Sicherheit und Servicequalitätführen wir Schulungen durch. Alle Fahrer sind sozialversicherungspflichtig angestellt und versichert. Der Übergang in unser Schichtsystem ist bereits erfolgt. Gerade werden alle Fahrer mit Lieferando-Kleidung etc. ausgestattet.

Einige vorher bei Foodora gelistete Restaurants finden sich zunächst nicht auf Lieferando wieder. Woran liegt das?
Es kann hier mehrere Gründe geben. Vereinzelt können Restaurants in die Insolvenz gegangen sein. In einigen Fällen verzögert sich die Listung, da neue Vereinbarungen zwischen uns und den Restaurants geschlossen werden müssen. Und die Restaurants müssen, wenn sie unsere Fahrer und Logistik nutzen wollen, auch unsere Software in Form unserer App oder Terminals nutzen. Die bisherigen Lösungen von Delivery Hero funktionieren nicht mehr. Diese Umstellung kann in einigen Fällen etwas dauern. Vielleicht finden Kunden auch ihre Restaurants zunächst nicht mehr auf Anhieb, weil pro Stadt viel mehr Restaurants als bisher gelistet werden.

Für die Kunden entfällt bei den meisten ehemaligen Foodora-Restaurants die Liefergebühr. Heißt das, dass die prozentuale Liefergebühr für die Restaurants steigt?
Nein, die Gebühren sind für die Partnerrestaurants in aller Regel genau so hoch wie zuvor bei Foodora.

Welche weiteren Änderungen ergeben sich für Restaurants, die zuvor nicht bei Lieferando waren?
Mit der neuen Hard- und Software müssen sich einige Restaurants umstellen. So können sie zum Beispiel ihre alten Bestelldaten zwar abrufen, müssen aber bei neuen Bestellungen unser System nutzen. Wir arbeiten daran, Bewertungen der Delivery-Hero-Plattformen auf Lieferando zu integrieren.

Wie geht Lieferando mit den Kundendaten um?
Die Daten der Kunden wurden im Einklang mit den gesetzlichen Bestimmungen übertragen. So können sich ehemalige Delivery-Hero-Kunden mit ihren Logins auch auf Lieferando einloggen. Daten wie Adresse und Telefonnummer wurden übernommen. Allerdings bekommen diese Kunden keine Werbe-Mails, Gutscheine oder ähnliches ohne ihr explizites Einverständnis.

Wie sieht die weitere Roadmap aus?
Wichtig ist uns, die Delivery-Hero-Mitarbeiter gut zu integrieren. Dazu gehört, ihnen das Gefühl zu geben, willkommen zu sein und sie entsprechend zu schulen, etwa im Verkauf. Dann wollen wir natürlich die Zahl der Bestellungen weiter steigern. Auf längere Sicht wollen wir in Deutschland mit Gewinn arbeiten, wie bereits in den Niederlanden. Wann dieser Punkt erreicht sein wird, lässt sich momentan noch nicht abschätzen.
Über Takeaway.com
  • Heimatmarkt Niederlande
  • Länder mit Marktführerschaft Niederlande, Deutschland, Belgien, Österreich und Polen (eigene Angaben)
  • Weitere Ländermärkte  Schweiz, Portugal, Luxemburg, Rumänien, Bulgarien, Israel, Vietnam (Joint Venture)
  • Bestellungen 2018: Niederlande 32,69 Mio. (+19 %), Deutschland 32,63 Mio. (+36 %), Insgesamt 93,919 Mio. (+38 %)


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