Interview

"Wir müssen alle auf Krisenmodus umschalten"

Dr. Stefan Hartmann
Fedra
Dr. Stefan Hartmann

FOOD SERVICE online sprach mit Dr. Stefan Hartmann, Geschäftsführer der Bayern Bankett GmbH und Präsident des Deutschen Instituts für Gemeinschaftsgastronomie e.V. (DIG) über die aktuelle Lage.

 Was bedeutet die Situation für die Branche?

Wir haben die gesamte Situation scheinbar unterschätzt und geglaubt, dass wir irgendwie die Epidemie, die zur Pandemie ausgewachsen ist, gut überstehen können. Getrieben war dies auch durch das Abwägen zwischen Gesundheit einerseits und wirtschaftlichem Schaden andererseits. Die Zeiten des Abwägens sind nun vorbei. Wir müssen die Situation, so schmerzlich sie ist, zur Kenntnis nehmen und nun verantwortlich und schnell handeln. Dies ist in Bayern durch die Ausrufung des Krisenfalls nun auch von offizieller Seite vollzogen worden. Banken, Versicherungen, Automobilhersteller und viele andere Branchen stellen ihren Betrieb bzw. die Produktion ein, um größeren Schaden abzuwenden.

Deutsches Institut für Gemeinschaftsgastronomie e.V.
Die Mitglieder des DIG sind primär Großbetriebe der deutschen Gemeinschaftsgastronomie in Eigenregie. Die Bandbreite reicht von der Automobil- und Chemieindustrie bis zu Banken und Versicherungen. Die rund 70 DIG-Mitglieder bewirten mit ihren rund 12.000 Mitarbeitern täglich über 700.000 Gäste. Das jährliche Einkaufsvolumen beträgt mehr als 370 Millionen Euro, der Nettoumsatz liegt bei rund 900 Mio. Euro (ohne Subventionen).
www.dig-home.de
 

Wird die Gemeinschaftsgastronomie um Jahre zurück geworfen?

Die Krise trifft natürlich auch die  Betriebe der Gemeinschaftsgastronomie, die neben ihrer Grundfunktion Essen und Trinken auch eine Plattform der sozialen Interaktion anbietet. Ich glaube jedoch, dass wir diese Krise gut überstehen werden, denn danach werden wir wieder gebraucht. Das Thema Hygiene, ein oftmals ungeliebtes Kind, wird dabei auf den nächsten Level gehoben.
Nachdem die Gemeinschaftsgastronomie besonders in den beiden letzten Jahren eine enorme Aufwertung erfahren hat, trifft das unsere Branche zunächst mitten ins Herz und wir müssen alle auf Krisenmodus umschalten. Ich bin überzeugt, dass jede Krise auch Chancen bietet. Viele Kollegen mussten sich in den vergangenen Tagen als Krisenmanager unter Beweis stellen und den Betrieb geordnet runter fahren. Nun gilt es primär, Schadenbegrenzung zu betreiben und die Zeit der Betriebsschließung zu nutzen. Denn die Wiederinbetriebnahme wird uns ebenso herausfordern. Der monetäre Schaden lässt sich derzeit noch nicht abschätzen.

Was kann das DIG in dieser Situation leisten?

Das DIG hat in der aktuellen Situation gut unter Beweis gestellt, wie wichtig ein gelebtes Netzwerk ist. Durch den zeitnahen und vorbehaltlosen Informationsaustausch, der über die DIG-Geschäftsstelle koordiniert wurde, konnte man sehr schnell sehen, wie sich unsere Branche auf diese Situation einstellt. Das war hilfreich, um das eigene Handeln und die Verhältnismäßigkeit verschiedenster Maßnahmen daran orientieren zu können. Dieser Austausch muss während der Krise und auch danach weiter aufrecht erhalten bleiben, um ein möglichst einheitliches Signal an unser Gäste und Auftraggeber geben zu können. 



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