Kommentar Berlin / Schulverpflegung

Unfairer Deal für Caterer

Claudia Zilz, Redakteurin gv-praxis
TW Klein
Claudia Zilz, Redakteurin gv-praxis

Es hört sich so gut an – zumindest aus Sicht der Eltern und des Trägers. Berlin setzt bei der aktuellen Ausschreibung des Schulessens erneut Ausrufezeichen: Grüner, gesünder und fairer soll es werden – und das alles zum Nulltarif für die Eltern. Denn seit August 2019 ist das Essen für die Klassenstufen 1 bis 6 kostenfrei. Bundesweit bis heute einzigartig. Zweifelsohne ein großer Erfolg.

Der Schein trügt

Noch dazu lief die Einführung des Gratis-Essens relativ geräuschlos ab. Das vorausgesagte große Chaos blieb aus, die Caterer konnten die benötigten Essen liefern und kein Kind ist heute mehr vom gemeinschaftlichen Mahl ausgeschlossen. Auch für die Caterer läuft es augenscheinlich rund: Die von den Schulen und Eltern georderten Essen zahlt nun die Stadt. Und mit der neuen Ausschreibung steigt endlich der bisherige Festpreis von 3,25 Euro pro Essen ab August 2020 auf zunächst 4,09 Euro und ab August 2021 auf 4,36 Euro. Im Gegenzug müssen die Schulverpfleger ihren Bio-Anteil auf stattliche 50 Prozent ab Herbst 2021 hochschrauben. Zusätzlich müssen Reis, Bananen und Ananas aus fairem Handel kommen. Fair wird großgeschrieben, so scheint es.

Bittere Pille für Caterer

Doch eine bittere Pille gibt es am Ende doch zu schlucken: Künftig will der Berliner Senat den Schulcaterern nicht mehr die "bestellten" Essen vergüten, sondern nur noch die tatsächlich von den Kindern abgeholten. Wie bitte geht das? Ich ordere fünf Pizzen für meinen Besuch und bezahle dem Lieferdienst dann nur drei, weil zwei abgesagt haben? Der Senat will mit dieser Maßnahme die Speisenreste reduzieren. Doch auf welcher Basis? Auf Nachfrage beim Senat heißt es: Man habe die Speisenreste in den Schulen bislang nicht erhoben, wüsste nicht, wie es darum tatsächlich stehe. Die neue Regelung sei rein präventiv zu sehen.
Doch allein auf Kosten der Caterer? Ein Unding! Seit Einführung des Gratisessens seien die Speisenreste nicht mehr geworden, lautet die Antwort der Caterer. Auch schon früher haben sich Kinder spontan dazu entschieden, in der Pause lieber mal Fußball zu spielen. Noch viel schwerer wiegt, dass es den Schülern aus schulorganisatorischen Gründen häufig gar nicht möglich ist, am Essen teilzunehmen. Dies ist beispielsweise der Fall, wenn ein Lehrer krank wird und die Stunden mangels Ersatz einfach ausfallen, die Kinder folglich früher nach Hause gehen. Genau diese "No-Shows" sollen künftig die Caterer nicht mehr bezahlt bekommen. Ob dieses neue Vergütungsmodell der Stadt rechtens ist, wird derzeit von Anwälten geprüft. Fair sieht anders aus.

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