Kommentar

Die Deutsche Bahn erschließt sich neue Geschäftsfelder

Boris Tomic, Chefredakteur des Fachmagazins foodservice.
Salome Roessler
Boris Tomic, Chefredakteur des Fachmagazins foodservice.

Es sind schwierige Zeiten für die Deutsche Bahn. Nicht, weil immer wieder Züge verspätet oder gar nicht an ihrem Bestimmungsort ankommen. Das ist zwar ärgerlich für den Kunden, interessiert uns als Fach-Magazin aber sicher nicht. Uns interessiert das Ertragsproblem der Bahn, da immer mehr Bahnhöfe aus deren Immobilienbestand herausfallen und privatisiert werden. Teils, weil Strecken aufgelöst, teils, weil die Gebäude einfach nicht mehr angesteuert werden.

Zur Folge hat dies, dass der Bahn immer weniger Flächen zur Vermietung zur Verfügung stehen. Weniger Flächen auch für Food-Vermietungen. Und das bedeutet am Ende des Jahres geringere Einnahmen. Dies bei einem immer stärker werdenden Wunsch der Konzernführung, Gewinne doch bitte weiter zu steigern.

Not macht kreativ

Bei einer solchen finanziellen Herausforderung wird man gezwungenermaßen innovativ. Oder einfacher: Not macht erfinderisch und lässt die Agierenden auch schnell einmal über neue Geschäftsfelder nachdenken. Oder erst einmal über Gewinnmaximierung. Die einfachste Art der Gewinnmaximierung lautet, lästige Provisionsebenen in dem vorhandenen Vermietungs-Konstrukt zumindest zu Teilen zu eliminieren. Und dadurch die eigene Gewinnmarge zu optimieren. Über Jahrzehnte begnügte sich die Bahn damit, das zu tun, was sie immer schon tat: Züge fahren zu lassen. Und über Jahrzehnte hat die Deutsche Bahn die Food-Vermietungen über die großen Spezialisten für Verkehrsgastronomie wie etwa SSP oder Autogrill mit seiner Tochter HMSHost laufen lassen. Das wird sicher auch noch anteilig in der näheren Zukunft so sein. Doch die Bahn hat Blut geleckt. 

Neue Geschäftsfelder ausbauen

Spätestens seit dem Pilotprojekt in Karlsruhe, wo die DB Station&Service AG mit dem Verkehrsgastronomen Rubenbauer aus München das Joint Venture Station Food erfolgreich ausprobiert hat, weiß man in der DB-Zentrale, dass neue Geschäftsfelder durchaus attraktiv sein können. Also geht man neue Projekte an, in denen man gemeinsam Foodflächen in den Liegenschaften der Deutschen Bahn entwickelt und auch selbst vermarktet. Der Foodcourt im Hauptbahnhof wird die nächste Herausforderung.

Rund 330.000 Reisende und Besucher strömen täglich durch den Hauptbahnhof in der Nähe der Spree. Der Food-Business-Umsatz (2017) betrug rund 40 Mio €. Rund 15.000 qm Mietfläche für Handel, Gastronomie und Dienstleistung bietet der Berliner Bahnhof. Davon beträgt die anteilige Fläche für Food-Business (Gastronomie und Handel-Food, ohne Supermärkte) rund 4.500 qm. Diese Fläche wurde in der Vergangenheit in der Regel komplett in Kooperation mit den führenden Verkehrsgastronomie-Spezialisten vergeben. Diese Zeiten scheinen vorbei: Rund ein Drittel der zur Verfügung stehenden Food-Fläche etwa 1.600 qm in dem ab Oktober neu entstehenden Food-Court betreibt die Bahn mit Rubenbauer in Form des Station Food Joint Venture von nun an in Berlin selbstverantwortlich. Und selbstredend kann man dieses Engagement als Blaupause für die Zukunft sehen - die Bahn versucht den Ausbau im Food-Business. Kein einfaches Metier.

Die Konkurrenz wird dieses Engagement sehr genau verfolgen.



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