Kommentar

Kampf um letzte Meile

gv-praxis Chefredakteur Burkart Schmid über die Trends der Gemeinschaftsgastronomie.
Fotostudie T.W. Klein
gv-praxis Chefredakteur Burkart Schmid über die Trends der Gemeinschaftsgastronomie.

Für die gesamte Zustellbranche gilt: Der Wettbewerb zwischen Chefs Culinar, Metro, Transgourmet und Mittelständlern wie Service Bund, Intergast und Edeka geht 2020 in eine neue Runde.

Für viele Entscheider nahezu unbemerkt, bleiben die Veränderungen an der Zustellfront ein Dauerthema. Jüngst hat Rewe Lekkerland übernommen. Und Edeka Foodservice kaufte im Februar 2019 den Handelshof. Da betreibt Chefs Culinar über sein Tochterunehmen Chefs Culinar Food-Solutions mit Frankenberg Authentic Food das gemeinsame Unternehmen Chefs Culinar Convenience Solutions. Transgourmet Deutschland ging nach der Übernahme verschiedener kleiner Zustellspezialisten ein Joint Venture mit der Oetker-Gruppe ein, um den Ausbau der Gastronomie- und Getränkefachgroßhandelsplattform Team Beverage zu forcieren.

Nicht nur Handelsfunktion ist wichtig

Dabei wird sichtbar: Es geht immer weniger um die reine Handelsfunktion der Warenlieferung, sondern um den gezielten Ausbau der Marktanteile über die Bündelung von Produktkompetenzen und Services bis zu kompletten Consulting-Leistungen. Immer größer wird das Sorglos-Komplettpaket für die Kunden. Die Lieferung von Mahlzeiten gehört vielfach zum Portfolio und ist durchaus als Antwort des Handels auf den anhaltenden Fachkräftemangel zu verstehen. Nach unserer aktuellen Leserumfrage, bewerten 70 Prozent der Entscheider das Thema Personalbeschaffung als die Top-Herausforderung des letzten Jahres. Und jeder weiß, dass es 2020 nicht besser wird. Wer eine Lösung sucht, kann sie bei seinem Handelspartner einkaufen. Dabei spielt der Komplex Convenience in den nächsten Jahren die entscheidende Rolle. Gemeint ist über das veredelte Produkt hinaus die intelligente Prozesslösung als Konzeptbestandteil. Interessant nicht nur für den kostenfokussierten Care-Markt, sondern für die gesamte Gastronomie. Denn hier gilt: Wenn die Fachkräfte ausbleiben, kann der Zustellhandel einspringen. „Wir wollen unsere Profikunden dabei unterstützen, ihren Geschäftsalltag effizienter zu bewältigen – in allen relevanten Bereichen“, sagt dazu Olaf Koch, Vorstandsvorsitzender der Metro AG, und meint das Gastgewerbe.

Konsolidierung des Marktes

Unübersehbar wächst in dieser Gemengelage die Konsolidierung im Markt. So wie sich die Einzelhandelslandschaft in Deutschland immer mehr auf wenige große Marken konzentriert, ist auch im Großhandel eine ähnliche Entwicklung zu beobachten. Bei immerhin erfreulichen Wachstumsraten im Außer-Haus-Markt. Dennoch wird wie überall die Verdrängung zunehmen, die Preispolitik aggressiver werden. Unter Druck geraten dabei zuerst die wenigen kleinen Spezialisten mit umfassenden Serviceleistungen, die meist mit Nachfolgesorgen sich gegen die Großen im Markt behaupten müssen.
Der Wettbewerb um die letzte Meile drückt auf die Rentabilität. Erschwerend kommt hinzu, dass sich die Grenzen zwischen den klassischen Strukturen Großhandel und Einzelhandel langsam auflösen. Das liegt auch am wachsenden Online-Geschäft. Am Ende wird es darum gehen, wer in einem People-Business seinen Kunden neben der Zuverlässigkeit in der Logistikkette die meisten Mehrwerte aus einer Hand bieten kann. Der Preis wird dabei wichtig bleiben, aber nicht allein kaufentscheidend sein. Es bleibt spannend.

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