Kommentar

Keine Schweinerei!


Da haben wir den Salat oder besser die Schweinerei: Das gute Stück Steak auf dem Teller soll teurer werden. Union, SPD und Grüne fordern den vollen Mehrwertsteuersatz auf Fleisch: 19 statt bisher 7 Prozent. Die Mehreinnahmen von über 5 Milliarden Euro sollen dem Tierwohl zugutekommen. Unerhört finden die einen, überfällig sagen die anderen.

Das Thema ist ein heißes Eisen, an dem sich schon die Grünen ihre Finger verbrannt haben. Niemand will sich das Schnitzel vom Teller nehmen lassen oder dafür deutlich tiefer in die Tasche greifen – allen Lippenbekenntnissen zum Trotz, für Fleisch aus artgerechter Haltung mehr auszugeben zu wollen.
So entfacht die Forderung hierzulande eine hitzige Debatte. Ausgerechnet von der Politik kommt dieser Vorstoß. Vor gut zwei Jahren hatte das Umweltbundesamt den gleichen Vorschlag serviert und erntete dafür von eben diesen Parteien und der Wirtschaft breite Ablehnung. Der Bauernverband sprach sogar von einer Strafsteuer. Damals ging es um Klimaschutz. Niemand wollte dafür mehr ausgeben.

Am liebsten Hühnchen

Wir haben nun mal Schwein und Huhn zum Fressen gern. Hähnchen gilt als besonders gesund und lecker. Rund 667 Millionen Hühner werden jedes Jahr in Deutschland geschlachtet. Im Schnitt lebt ein Masthuhn 43 Tage, dann muss es einem neuen weichen. Ein glückliches Leben – so viel steht fest – hatten nur die wenigstens von ihnen. Den Schweinen hierzulande geht nicht besser, von Puten ganz zu schweigen.

Seit Jahren flimmern Bilder von gequälten Tieren über die Mattscheiben der Nation, zuletzt von einem Mega-Milchviehbetrieb im Allgäu mit 900 Kühen. Tiere werden getreten und geschlagen, ein Bild grausamer als das andere. Geändert hat sich seitdem wenig. Immer noch bestimmt Masse statt Klasse das Fleischangebot – auch in Gastronomie und Großküchen. Fakt ist: Wer Preise dauerhaft drückt, senkt das Tierschutzniveau.

Die volle Mehrwertsteuer auf Fleisch wird an der aktuellen Situation wenig ändern, zumal das Geld in diesem Fall noch nicht einmal zweckgebunden ist, kurzum, auch in andere Töpfe fließen kann. Und es macht "gutes" Fleisch aus artgerechter (Bio-)Haltung im Verhältnis deutlich teurer.

Klare Standards setzen

Was wir stattdessen brauchen, sind verbindliche, gesetzliche Standards für mehr Tierwohl im Stall – gekoppelt mit einem Förderprogramm für Landwirte. Denn unseren Bauern geht es immer schlechter, weil sie ihre Produkte verramschen müssen, Handel und Verbraucher stetig den Preis drücken. Weitermachen oder Weichen? Diese Frage stellen sich derzeit viele Familienbetriebe. Und jetzt sollen sie auch noch für mehr Tierwohl sorgen. Um dies zu realisieren, müssen die ohnehin oft klammen Höfe in Stallumbauten investieren – viel, ja sehr viel Geld in die Hand nehmen. Ohne finanzielle Stütze von der Politik laufen sie in den Ruin.

Unsere Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner will den Einsatz für Tierwohl belohnen und mit ihrem Tierwohlkennzeichen dem Verbraucher eine klare Orientierung an die Hand geben. Warum führen wir eigentlich nicht eine Kennzeichnung wie bei den Eiern ein? Eine 0 für Fleisch aus Bio-Haltung, eine 1 für Fleisch aus artgerechter Haltung und eine 2 für Fleisch aus Massentierhaltung. Das wäre eine klare Sache. Bei Eiern hat dies funktioniert, den Verbraucher aufgeweckt. Gut jedes zehnte Ei kommt heute aus ökologischer Haltung.

Haltung zeigen

"Klare Zeichen setzen für mehr Tierwohl", lautet die Devise dieser Tage. Das gilt auch für unsere Branche. Jeder Gastro-Profi hat es in der Hand, Fleisch aus artgerechter Tierhaltung auf den Teller zu bringen und dies an den Gast zu kommunizieren. Jeder so, wie er kann. Es gibt bereits einige Vorreiter in der Branche: die Autostadt Restaurants in Wolfsburg, das Studentenwerk Oldenburg, die KfW Bankengruppe oder die LWL-Kliniken in Münster und Lengerich. Sie alle setzen schon jetzt auf mehr Tierwohl. Sie zeigen: Es geht doch! Wären Sie dabei? Würden Sie sich einer Initiative anschließen unter dem Motto "Wir zeigen Haltung – pro Tierwohl"? Wir freuen uns über Ihr Feedback. Schreiben Sie uns.

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