Kommentar

Made in Germany

Claudia Zilz, Redakteurin gv-praxis
Claudia Zilz, Redakteurin gv-praxis

Jüngst kam die Burgerkette „Hans im Glück“ mit dem ersten Insektenburger auf den Markt. Und auch auf der Internorga gab es Heuschrecken, Mehlwürmer und den dazugehörigen Burger zum Verkosten. Igitt, sagen die einen, voll lecker die anderen.

Beim Thema Insekten scheiden sich die Geister – oder besser die Welt. Denn in Ländern wie Thailand, Indonesien und Mexiko gehören Maden, Wasserkäfer oder auch Libellen zum täglichen Mahl. Über zwei Milliarden Menschen genießen regelmäßig Insekten als wichtige Protein- und Nährstoffquelle für ihre Ernährung – und das aus freien Stücken, weil es mundet. Und sie können aus einer unglaublichen kulinarischen Vielfalt schöpfen, sind doch rund um den Globus über 2.000 Insektenarten essbar. Ein großer Schatz, den wir kulinarisch weltweit noch nicht erschlossen haben.

Hierzulande tut man sich schon mit dem Gedanken schwer, auf eine getrocknete Made zu beißen oder eine Heuschrecke als Snack zu verspeisen. Warum eigentlich? Was unterscheidet eine Heuschrecke im Aussehen von einem Lobster? Mal ehrlich, der Lobster ähnelt als Miniaturausgabe einem kleinen Insekt, vielleicht auch einem Skorpion. Und gleicht die Made nicht einer Schnecke? Warum gilt die Weinberg- oder Meeresschnecke als Delikatesse, während man ein Hack aus Insektenlarven als Ekel empfindet?

Lieber Spanferkel statt Grille?

Sicher, es liegt an unserem Kulturkreis. Wir essen lieber das süße Spanferkel vom Grill als die Grille am Spieß. Doch können wir uns diesen Ekel bzw. Luxus noch leisten? Und entgeht uns dabei vielleicht nicht sogar ein kulinarischer Hochgenuss? Die Zeit ist reif, die eigenen Verhaltensmuster und Ernährungsweisen zu hinterfragen. Das sind wir auch den jüngeren Generationen schuldig, gilt es doch künftig, über zehn Milliarden Menschen zu ernähren.

Bessere Klimabilanz

Mit dem derzeitigen Fleischkonsum fahren wir auf Dauer an die Wand. Soviel steht fest. Stimmt nicht? Stimmt doch, denn für die Produktion von einem Kilo essbarem Rindfleisch benötigen wir über 9 Kilo Futter. Futter, das auf fruchtbarem Boden angebaut wird, der mit der wachsenden Weltbevölkerung immer knapper wird. Ganz abgesehen von dem immensen Wasserbedarf für das gute Steak auf dem Teller. Insekten benötigen lediglich 1,2 Kilogramm Nahrhaftes bis zur „Ernte“ und verursachen darüber hinaus deutlich weniger klimaschädliche Gase wie Methan und Kohlendioxid. Also warum nicht mal diese nachhaltige Fleischalternative probieren?

Die junge Rebellin Greta Thunberg hätte ihre Freude daran. Die schwedische Klimaschutzaktivistin hat mit ihren freitäglichen Schulstreiks eine globale Bewegung angeschoben. Sie fordert von der Politik nicht weniger als ein engagiertes Eintreten für den Klimaschutz. Nicht reden, sondern machen! Das findet auch Insektenkoch Frank Ochmann, dessen Leibspeise Heuschrecken sind.

Nur Mut zum Mehlwurm

Das Studierendenwerk Mannheim hat vor kurzem die Probe auf Exempel gemacht und ausgewählten Studenten unter anderem Pasta mit Mehl von Buffalo-Würmern serviert. Das kulinarische Experiment war ein voller Erfolg, die Studierenden vom Geschmack positiv überrascht. Und man selbst kann dabei kulinarisches Neuland entdecken. Wie auch einst Jürgen Dollase. Ein Käse, der sich bewegte, war eine seiner ersten Begegnungen mit essbaren Insekten, kurzum Maden. Heute empfiehlt der Gastrokritiker: „Wer sich an das Thema herantasten will, sollte es in Gesellschaft tun. Und wer es wirklich wissen will, sollte mal große Insekten probieren.“

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