Kommentar

Neue Normalität


Burkart Schmid
TW Klein
Burkart Schmid

Schon bemerkt? In unserer Arbeitswelt findet gerade eine Revolution statt. Der leergefegte Arbeitsmarkt und ein Rekordhoch von über 45 Millionen Erwerbstätigen in unserem Land beschleunigen das Verhalten der Arbeitgeber, mehr Freiheiten und mehr Flexibilität am Arbeitsplatz zuzulassen. Damit kommen sie auch den Ich-Wünschen der Generationen Y und Z entgegen.

Ja, unsere Arbeitskultur ist in einem radikalen Wandel begriffen. Treiber ist die digitale Transformation mit der Folgewirkung, dass die Arbeitnehmer sich zunehmend unabhängig von festen Büroplätzen und Anwesenheitszeiten bewegen. Beschleunigt wird dieser Trend durch eine neue Sharing-Kultur. Althergebrachte Besitzstände werden infrage gestellt. Diese Entwicklungen hat jüngst eine weltweite Studie der Boston Consulting Group bestätigt: Das Gehalt steht bei den Berufstätigen nicht auf Platz eins. Deutsche ziehen vor allem Anerkennung und ein gutes Verhältnis zu den Kollegen vor. Und da wäre noch der Wunsch, auch mal von zu Hause arbeiten zu können.

Kein Wunder, dass in dieser Berufswelt auch flachere Hierarchien und ein attraktives Arbeitsumfeld den Menschen gefallen. Paradebeispiel: Die Arbeitskultur von Trivago in Düsseldorf. Sie zielt in diese Richtung. Es gibt freie Arbeitszeiten. Die sehenswerte Betriebsgastronomie toppt an Vielfalt und Abwechslung so ziemlich alles, was wir bisher kennengelernt haben. Dennoch wandeln Betriebsgastronomen in diesen Zeiten bisweilen auf dünnem Eis. Denn nicht überall wird ganztägig gegessen und getrunken, was das Herz begehrt, weil die Arbeitgeber die Mitarbeiter langfristig binden wollen. Gastbindung wird immer schwieriger.

In der jüngsten Leserumfrage unseres Blattes gibt es durchaus auch kritische Stimmen, die ein verändertes Konsum- und Nachfrageverhalten für die Einbrüche bei den Essenszahlen verantwortlich machen. Mobiles Arbeiten verändert nachhaltig das Essverhalten, so das Credo. Bei 38,5 Prozent (mehr als ein Drittel!) unserer Befragten sorgen flexible Arbeitszeiten für fallende Essenszahlen. Die Marktforschung (npd Group) ermittelte 2018 für den Business-Markt Besuchsfrequenzen von mageren 0,2 Prozent. Noch Fragen?
„Die neue Arbeitswelt wartet nicht – sie ist schon mitten unter uns. “
Burkart Schmid

Wie sich die Branche auf die Zukunft vorbereitet, zeigt der Caterer Sodexo. Nach Aussagen des neuen Europa-Chefs Patrick Sochnikoff arbeitet der Konzern in Deutschland etwa mit dem Online-Betriebsrestaurateur Smunch zusammen. Man habe die Lieferung nach Hause „auf dem Radar.“ Längst im Fokus stehen bei den Dienstleistern Companies wie Design Offices, expansiver New Work-Pionier und die Nummer 1 für Corporate Coworking. Zurzeit ist man an mehr als 20 Standorten in allen wichtigen Metropolen präsent. Werbe-Ton: „Zum kreativen Austausch bei einem Kaffee trifft man sich in der großzügigen Coworking Lounge mit Loft-Charakter.“ Die neue Arbeitswelt wartet nicht – sie ist schon mitten unter uns. Und wir werden offensichtlich zum Umdenken gezwungen.

Make and Buy lautet dabei die Devise. Wer bei der Geschwindigkeit von Innovationen mithalten will, braucht kompetente Partner. Der scheidende Siemens-Gastronomiechef Thomas Donhauser hält auch eine Symbiose aus interner und externer Gastronomie für interessant. Auf alle Fälle der Beginn einer neuen Epoche, die viele Grundsätze auf den Kopf stellt.


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