Kommentar

Pasta & basta – nur Bares ist Wahres

Boris Tomic, Chefredakteur des Fachmagazins foodservice.
Salome Roessler
Boris Tomic, Chefredakteur des Fachmagazins foodservice.

In Köln knallten in dieser Woche in der Vapiano-Zentrale die Korken: Gerettet! 30 Mio. Euro flossen von den Alteigentümern um die Familien Wella, Tchibo und den finanzierenden Banken dann doch noch in letzter Minute auf die Konten des deutschen Italieners.

Die Verhandlungen zogen sich so zäh hin wie der allerbeste Mozzarella auf den Pizzen des Unternehmens. Sie trieben CEO Cornelius Everke sicher mehr als einmal die vergleichbaren Schweißtropfen einer seiner Pizzabäcker an den knallheißen Öfen der existierenden 230 Restaurants auf die Stirn. Everke hat es geschafft! Er hat die erste Hürde in diesem wirklich schweren Spiel genommen – er konnte die Geldgeber davon überzeugen, dass Vapiano unter ihm eine Zukunft hat. Und zwar eine, in der irgendwann auch Geld verdient wird.

Im vergangenen Jahr machte Vapiano rund 30 Mio. Euro Verlust. In diesem wird am 18. Juni im Geschäftsbericht sicher keiner ausgewiesen, welcher geringer ausfällt. Nicht Everkes Schuld – beide Jahre saß er nicht im Fahrersitz. Aber nun sitzt er dort. Er wird liefern müssen. Noch einmal werden die Investoren wohl kaum einen solchen Parforce-Ritt hinlegen (wollen). Die jetzt hinter ihm liegenden Verhandlungen hätten das Waterloo des CEO sein können.

Dass sie es nicht wurden, ist für ihn eine Stärkung. Aber wir reden hier nur von einem ersten Sieg einer Schlacht eines viel größeren Krieges. Es gilt nun schnell und konsequent die offenen Flanken zu beseitigen: massive operative Probleme im alltäglichen Gastroablauf abstellen, die prüfende Steuerbehörde in der Zentrale befriedigen und nicht profitable Läden und zur Not auch ganze Ländermärkte schließen. Das wäre aber nur die Pflicht – die Kür folgt danach.

Nach dem Erfüllen dieser Pflicht wird es Everkes Kür sein, zwei sich immer stärker abzeichnende Umsatz- und Frequenz-Monster zu besiegen. Italienische Gastroformate wurden in den vergangenen Jahren auf Teufel komm´ raus dupliziert. Die Konkurrenz ist mittlerweile enorm. Der Druck wächst.

Noch ist der deutsche Markt nicht überhitzt. Aber der Blick über den Ärmelkanal nach Großbritannien zeigt mit dem Beispiel des jüngst in die Insolvenz gegangenen Jamie´s Italian, wohin Konkurrenzdruck bei überhitzen Märkten zwangsläufig führt – einer guckt über kurz oder lang in die Röhre.

Das zweite Monster ist schwieriger zu besiegen, da es kaum abschließend zu definieren ist. Es heißt Zeitgeist. Was noch vor zehn Jahren hip und angesagt war, muss heute nicht mehr funktionieren. Anstehen, um sein Essen zu erhalten, gehörte sicher zu dem Phänomen Zeitgeist – ob es bei heutigen Standards, gleichem Angebot und gleichen Preisen der Konkurrenz noch dazu gehört, sollte man zumindest in Frage stellen.

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