Kommentar

Paukenschlag

Burkart Schmid
TW Klein
Burkart Schmid

Auf der alten Imagebroschüre von Compass findet sich noch ein Zitat von Jürgen Thamm: „Wo andere Probleme finden, suchen wir die Lösung.“ Jetzt muss der Marktführer im Contract Catering für die eigene Organisation Lösungen finden – und das schneller als jemals zuvor in seiner über 40-jährigen Geschichte.

Konkret: Bis Ende 2021 werden rund 500 Stellen wegfallen – und zwar in Eurest-Betrieben, in der Verwaltung und innerhalb der Führungsstruktur. Neben mit dem Gesamtbetriebsrat vereinbarten Ruhestandsregelungen sollen durch Fluktuation frei werdende Stellen nicht mehr besetzt werden. Auch wird es betriebsbedingte Kündigungen geben. Für betroffene Mitarbeiter wurde ein umfangreicher Sozialplan erarbeitet.

Aktuell beschäftigt Eurest bundesweit knapp 6.000 Mitarbeiter in rund 450 Restauranteinheiten und der Verwaltung. Der Personalabbau versteht sich als präventive Antwort auf einen immer intensiveren Wettbewerb und, wie es Compass-Chef Friedrich-Georg Lischke formuliert, auf die konjunkturellen Prognosen und Realitäten.

Neu organisieren auf allen Ebenen

"Wir organisieren uns neu", weil auch bei den Kunden erkennbare Einschnitte sichtbar würden. Die deutsche Wirtschaft steht am Rande einer Rezession. Arbeitsplatzabbau heißt immer Abbau von Gästepotenzial in Kundenbetrieben. Dafür will der Cateringkonzern mit einer Stellenanpassung rechtzeitig notwendige Schritte einleiten, um sich auch unter schwierigen Rahmenbedingungen stärker auf den Markt und seine Kunden auszurichten und zu investieren, um „werthaltige, innovative Restaurant-Erlebnisse zu schaffen.“ Das gastronomische Erlebnis und die Kulinarik sollen in den Fokus rücken. Man will sich wieder auf die Kernkompetenzen besinnen. Marken wie Food Affairs und Leonardi zeigen die Richtung.

Änderungen bei Strukturen und Abläufen

In den kommenden Monaten wird es daher weitreichende Änderungen bei Strukturen und Abläufen des Unternehmens geben. Für Aufsehen sorgt der größte Dienstleister unserer Branche schon länger. Denn das Personalkarussell auf der Führungsetage dreht sich seit Jahren. Etwas, das Kunden in einem People Business gar nicht mögen und was intern wie extern Unruhe schafft. Zuletzt sorgte der Mann für Aufsehen, der den Marktführer und seine Politik rund zwanzig Jahre verantwortete: Jürgen Thamm.

Als Regional Director Continental Europe hat er seinen Führungsposten gegen den Aufsichtsratsvorsitz von Compass Deutschland und Eurest getauscht. Nicht viel länger als ein Jahr im Amt ist die neue Geschäftsführung. Sie ist besetzt mit Friedrich-Georg Lischke, Peter Schmidt als neuem Personalchef und Henning Dehler, Finance Director. Zudem ist ein neuer Eurest-Geschäftsführer an Bord. Ein Neustart.

Neustart pro Effizienz

Dass die Marke Eurest viele Jahre richtungweisend, profitabel und effizient war, bedeutete zuletzt nicht, dass sie auch unangreifbar wäre. Mit der schwindenden Strahlkraft gingen im Laufe der Jahre auch Verträge verloren. Die Umsatzkurve im wichtigen Businessmarkt zeigt laut gv-praxis-Ranking innerhalb einer Dekade nach unten.

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Effizienz ist nicht alles, jetzt muss wieder Wachstum her. Vor zwei Jahren erfolgte bereits als wichtige Maßnahme für mehr Kundenorientierung eine Neugliederung in drei Sektoren: Regional, Corporate und Food Affairs. Man wollte noch flexibler auf die sich verändernden Bedürfnisse der Auftraggeber und Gäste reagieren. Friedrich-Georg Lischke: „Wir wollen wieder Gas geben.“

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