Kommentar

Unsere Wegstrecke

Burkart Schmid
TW Klein
Burkart Schmid

Die Jubiläumsausgabe zum 45. Geburtstag der gv-praxis ist vor wenigen Tagen erschienen. Dazu passt der Satz: Alt ist, wer an seiner Vergangenheit mehr Freude hat als an seiner Zukunft. Entstanden ist ein zukunftsorientierter Streifzug durch unsere Berufswelt. Mit einem kompakten Rückblick, einer fundierten Standortbestimmung und hoch relevanten Zukunftsthemen.

Ja, wir haben in den viereinhalb Dekaden immer wissbegierig nach vorn geschaut und unseren Content primär darauf ausgerichtet, Ihnen möglichst viele hilfreiche und relevante Themen zu offerieren. Das hielt uns jung. Mein leider viel zu früh verstorbener Vorgänger Axel Bohl hat es, befragt zu den Motiven seiner Arbeit in der gv-praxis, so formuliert: „Ich habe von Anfang versucht, das GV-Thema mit den Blicken der Leser zu betrachten, über den Tellerrand hinaus unser gemeinsames Anliegen in größere Zusammenhänge zu stellen, um das miteinander zu diskutieren, was wir Visionen nennen.“ Und er sah die Branche als kleines Universum mit ihren ganz eigenen Gesetzmäßigkeiten.

Veränderte Sichtweise

Ja, die Rahmenbedingungen sind in vielen Einrichtungen immer noch auf den Standort und die Zuschusszahler ausgerichtet und oft limitiert. Doch vielfach haben sich Sichtweise und Anforderungen gewandelt, sind deutlich gast- und erlebnisorientierter geworden. Und damit gestalten wir die Grenzen zur öffentlichen Gastronomie fließender, nicht so zementiert, wie es noch vor zwanzig, dreißig Jahren der Fall war. Auch das haben wir uns in vielen Jahren zur wichtigen Aufgabe gemacht: In einem inhomogenen, unübersichtlichen Markt möglichst viel Transparenz zu schaffen – mit Rankings und Umfragen, Expertengesprächen und Fallstudien. Das muss die Kompetenz des Leitmediums einer Branche sein: Auf allen Kanälen, ob Print, digital oder live auf einem unserer Events, fachliche Orientierung bieten und immer die Nähe zum Leser pflegen. So war es möglich, dass wir neben dem Blatt schon 1975 die erste Branchenveranstaltung zur Internorga entwickelten – und es gibt sie noch heute neben anderen hochkarätigen fachlichen Events, die alle unser Markenzeichen tragen.


Die Signale

Als unser Fachblatt 1973 startete, war das Branchen-image im Keller. Signale im April 1973: Runter von den Kosten, noch mehr rationalisieren, weniger Fachkräfte, noch billiger einkaufen... Und dann der erste Appell im Kommentar der gv-praxis: „Wir müssen rauf mit den Preisen, anders gehts nicht.“ Der Weg war steinig vom hässlichen Wort Kantinenfraß und der Massenabfütterung samt leistungsverachtenden Verurteilungen bis zum Austausch des Wortes Verpflegung gegen Gastronomie zum Oberbegriff Gemeinschaftsgastronomie. Knapp 500 Ausgaben der gv-praxis später ist es der Branche gelungen, als wichtiger Bestandteil des Außer-Haus-Marktes wahrgenommen zu werden. Gesellschaftlich und politisch wichtig. Die Treiber für diese nicht eben rasante Entwicklung liegen im Wettbewerb um die bessere Dienstleistung und im gesellschaftlichen Wandel begründet. Vielen Entscheidern ist es gelungen, aus einer „dem sozialen Frieden“ dienenden hochbezuschussten Sozialleistung ein modernes Serviceangebot zu entwickeln, das ihnen für die Definition von unternehme-rischen Werten nützlich ist.

Essen als soziales Tatoo

Der Boom von Essen und Trinken, nicht nur aus gesundheitlichen Motiven, sondern auch als „soziales Tatoo“, wie es der Göttinger Ernährungspsychologe Dr. Thomas Ellrott formuliert, sichert unserer Branche eine gewaltige Aufmerksamkeit und Wertschätzung. Leider noch nicht flächendeckend in allen Segmenten. Besonders im Caremarkt bleiben noch viele Chancen moderner Klinikgastronomie unentdeckt. Im Schulmarkt bleibt die Frage der Wirtschaftlichkeit moderner Schulmensen samt vitaler Angebotswünsche immer noch unbeantwortet. Aber wir sind in der öffentlichen Wahrnehmung weiter als je zuvor. Was in der vorliegenden „zukunftsorientierten Dokumentation“ den Autoren wichtig war, ist die Kombination aus Status quo und Perspektiven. Unsere Ergebnisse des Relevanzbarometers in diesem Heft bringen die Wucht der zukünftigen Branchen-Dynamik auf den Punkt.

An dieser Stelle ein großes Dankeschön allen Leserinnen und Lesern, die uns seit vielen Jahren ihr Vertrauen schenken. Das ist für uns Ansporn und Verpflichtung zugleich, unser Blatt immer noch besser zu machen. Wir freuen uns auf die Zukunft – mit Ihnen.



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