Kommentar

Von Hundert auf Null

gv-praxis Chefredakteur Burkart Schmid über die Trends der Gemeinschaftsgastronomie.
Fotostudie T.W. Klein
gv-praxis Chefredakteur Burkart Schmid über die Trends der Gemeinschaftsgastronomie.

Die Dimension dieser Corona-Krise ist unermesslich – und man hätte gern eine Glaskugel, um einen Blick in unsere Zukunft zu werfen. Was uns alle eint, ist die Ungewissheit. Und die berührt jeden Einzelnen von uns. Weder wir, noch die Unternehmen oder der Staat – niemand hat für diese Situation eine Blaupause.

Keiner konnte sich so eine dramatische Lage je vorstellen, vielleicht in Science-Fiction, aber doch nicht real. Ziele und Zahlen eines jungen Jahres zählen plötzlich nicht mehr. Wirklich systemrelevant – welch ein Wort – ist einzig der Mensch. Das Virus bedroht zu allererst die Schwächeren. Das gilt für unsere Mitbürger und unsere Unternehmen gleichermaßen. Doch auch kerngesunde und solide aufgestellte Firmen können den Totalausfall von Umsätzen nicht lange verkraften. Für die Gemeinschaftsgastronomie, besonders für Contract Caterer und deren Auftraggeber, gilt: Jeder Tag im Krisenmodus ist ein verlorener Umsatztag, unwiederbringlich.
Der Shutdown trifft alle: kleine, mittlere und große Companys entlang unserer Prozesskette, vom Produzenten über den Handel bis zum Dienstleister und Verarbeiter in allen Einrichtungen der Gemeinschaftsgastronomie. Und natürlich auch Millionen Gäste und Patienten, die besonders in den vielen sozialen Einrichtungen, Kliniken und Heimen von der Leistungskraft der Küche und Hauswirtschaft abhängig sind.

Während sich viele Angestellte mit dem Homeoffice arrangieren, gewinnen plötzlich jene an Stärke, die nicht zu den Hochbezahlten gehören: Kassiererinnen, Lkw-Fahrer, Krankenschwestern, Lagerarbeiter, Pflegekräfte. Sie kämpfen um den Erhalt des Systems und verdienen hoffentlich auch nach diesen Wochen mehr Respekt und monetäre Wertschätzung. Als Leuchttürme erweisen sich auch viele Menschen, die sich während dieser beispiellosen Pandemie an wunderbaren Hilfsaktionen beteiligen. Hier setzen viele Catering-Dienstleister ein Zeichen der Solidarität – mit kostenlosen Menüs und Lunchpaketen, mit Gutscheinen und anderen Gratisleistungen oder Geldspenden.

Zukunftsmodel Homeoffice?

Vielleicht ist diese für uns alle völlig neue und unbekannte Phase des Stillstands, des häuslichen Rückzugs und des Hoffens und Bangens eine Gelegenheit für jeden einzelnen, zu überlegen, was nach der Bewältigung dieses Ausnahmezustands anders und besser werden könnte – privat wie beruflich. Denn: Jede Krise bietet auch Chancen. Was könnten die Folgen sein? Das Einkaufs- und Konsumverhalten – ja, unser erlerntes Wertemuster – verändern sich. Sicherheit, Nähe und Vertrauen erhalten eine völlig neue Gewichtung. Gewinner könnten Landwirtschaft, Lebensmittelhandwerk, -produzenten und -handel sein, prognostiziert zum Beispiel ein Ernährungswissenschaftler. Zu befürchten ist, dass die Betriebsgastronomie hinsichtlich der Nachfrage im doppelten Sinne betroffen ist: Neben drohender Arbeitslosigkeit könnten mehr Firmen nach der Krise New Work praktizieren, weil der unfreiwillige Testlauf funktionierte. Und überall wird die Digitalisierung unsere Welt noch mehr verändern.


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