Kommentar

Wappnen wir uns!

Boris Tomic, Chefredakteur des Fachmagazins foodservice.
Salome Roessler
Boris Tomic, Chefredakteur des Fachmagazins foodservice.

Der Wind wird rauer. Und das, obwohl Bund, Länder und Gemeinden in den nächsten fünf Jahren mit insgesamt weiter steigenden Steuereinnahmen rechnen können.

Schaut man aber genauer auf die vom Arbeitskreis „Steuerschätzungen“ in Berlin vorgelegte Steuer-Kalkulation, so steigen zwar die Steuereinnahmen von heute 796,4 Milliarden Euro auf 935 Milliarden Euro im Jahr 2024. Allerdings fallen die Zuwächse deutlich geringer aus, als noch bei der letzten Steuerschätzung im Mai dieses Jahres prognostiziert. Damals hatten die Experten immerhin insgesamt 7,1 Milliarden Euro mehr an Steuereinnahmen vorausgesagt.

Was hat das mit unserer Foodservice-Branche zu tun?, werden Sie nun vielleicht fragen. Sehr viel. Weniger Steuereinnahmen bedeuten im Umkehrschluss weniger sozialversicherte Arbeitsplätze. Sind weniger Menschen in Arbeit, heißt das wiederum, dass in den Außer-Haus-Markt weniger Geld fließt. In wirtschaftlich brüchigen Zeiten sitzt der Geldbeutel eben nun mal viel tiefer in der Hosentasche.

Nicht nur die systematisierte Gastronomie wird den Abschwung in den kommenden zwei Jahren härter spüren. Systeme mit moderaten Durchschnittsbons bis circa 15 Euro sicher etwas weniger stark als Casual-Dining-Konzepte, bei denen der Bon im Schnitt bei rund 30 Euro liegt. Jobs reduzieren – das tun gerade auch große Contract Caterer wie Eurest, die bis 2021 rund 500 Arbeitsplätze abbauen müssen. Und zwar in der Folge von Auftragsverlusten.

Es ist nicht von der Hand zu weisen: Das Gespenst der wirtschaftlichen Rezession klopft leise, aber unüberhörbar an die Pforten der deutschen Banken, Autobauer und der Schwerindustrie. Dazu fordern Automatisierung und Digitalisierung ihren Tribut in Form von Rationalisierung menschlicher Arbeitskraft in unserer Arbeitswelt. Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) ließ eine Umfrage in seinen Unternehmen machen, wie diese die Zukunft sehen. Bei den Geschäftserwartungen konstatiert der DIHK einen massiven Einbruch – und das nicht nur in Industrien, die viel exportieren und zurzeit Handelskriege und den Brexit fürchten, sondern auch bei Dienstleistern, im Handel und Baugewerbe.

Die Produktion im produzierenden Gewerbe liegt um über 5 Prozent unter dem Niveau des Vorjahres und die Auftragseingänge sind sogar um 7 Prozent niedriger. Kontinuierlich wächst die Zahl der Firmen in Deutschland, die in den kommenden Jahren weniger investieren und gleichzeitig Jobs reduzieren möchten.

Wirtschaftsabschwung im Gastgewerbe macht sich in der Regel immer zuerst in den Geschäftszentren bemerkbar – also Hamburg, München, Düsseldorf und natürlich Frankfurt. Es trifft sehr stark die Hotellerie, aber auch die Systemrestaurants, Bars und Kneipen. Spesen sitzen dann einfach nicht mehr so locker. Es gilt für die Branche also, sich zu wappnen; stellen Sie sich den Kernfragen: Menükarten anschauen – gibt es bestimmte Menüpunkte, die sich nicht bewegen? Zwei-zu-eins-Specials, Coupons und Early Bird Dinners sind großartige Möglichkeiten, Kunden während einer Rezession anzulocken. Elektrizität, Wasser und Lebensmittelkosten überprüfen.Wenn Montagabende normalerweise langsam sind, benötigen Sie so viele Kellner?

Aber Vorsicht: Eine Rezession ist jedoch nicht die Zeit, um Ihre Werbung auszuschalten. Dadurch verschwänden Sie schnell von der Bildfläche.


stats