Kommentar

Wirkungstreffer

Burkart Schmid | Chefredakteur | Burkart.Schmid@dfv.de
TW.Klein
Burkart Schmid | Chefredakteur | Burkart.Schmid@dfv.de

Die Corona-Krise könnte schon bald der Welt-Geschichte angehören. Die Gastronomie bewirtet wieder erwartungsfrohe Gäste und die Umsatzzahlen gehen wieder nach oben. Die Contract Caterer können davon allerdings nur träumen. Hier steht ein erfolgreiches Geschäftsmodell plötzlich auf dem Prüfstand. Folge des geglückten Home-Office-Experiments.

Deutschlands führende Contract Caterer verlieren in einem Jahr 910 Millionen Euro an Umsatz, das ist ein Viertel (-25,7 %) ihres gesamten Umsatzvolumens. Die neue Umsatzmarke gleicht in etwa der von 2004. Besonders betroffen die Parade-Disziplin, der Markt Business & Industry, wo mehr als jeder zweite Euro bisher verdient wird. Beim Essen und Trinken am Arbeitsplatz bricht fast ein Drittel vom Umsatzkuchen raus (-31,3 %). Getoppt nur von dem Bereich Sonstige (Eventgastronomie + Co) mit -54,3 Prozent. Schwer getroffen auch der Kita- und Schulmarkt (-28,3 %). Fast stabil dagegen die beiden Caremärkte (-2,3 % | -7,5 %).

Generalisten vorn

Fakt ist: Generalisten schneiden im Exklusiv-Ranking des Fachmagazins gv-praxis besser ab. Dennoch alles Negativzahlen, hinter denen sich Angst, Verzweiflung, Resignation und Wut, meist auf politische Entscheidungen, verbergen. Wenn erfolgreiche Unternehmen, die sich über Jahre im Businessmarkt einen Namen gemacht haben, plötzlich 40 oder 50 Prozent des Umsatzes verlieren, dann ist das ein Desaster. Dass die Kurzarbeit vielfach das einzige Instrument für Kostenmanagement ist, ändert nichts an den dramatischen Verwerfungen, deren Spätfolgen noch nicht abzuschätzen sind.

Werden alle 33 Companys nach diesem Corona-Wirkungstreffer überleben?, fragt sich der Betrachter besorgt. Das Virus wie der Home-Office-Trend sind bekanntlich gekommen, um zu bleiben. Man kann nicht genug Rücklagen haben, lautet dazu ein Kommentar. Agilität, Auf-Sicht-Fahren, Anpassen und gleichzeitig Innovationen entwickeln - alles aktuelle Managementaufgaben. Vertrauen auf Gast- und Kundenseite bleibt wichtig. Das garantiert die Branche mit hohem Sicherheitsaufwand.

Schwachstelle Außenkommunikation

Corona deckt auch Schwächen auf. So, wie das Gastgewerbe über mangelnde Durchsetzungskraft auf der Berliner Bühne klagt, hat auch die vereinte Cateringbranche bei näherer Betrachtung zu wenig Aufmerksamkeit auf sich lenken können. Sie hat für ihre große gesellschaftliche Bedeutung zu geringe Außenwirkung entfaltet und steht klar im Schatten von Gastronomie und Hotellerie. Hier rächt sich, dass diese Branche seit Jahrzehnten keine einheitliche Linie findet, auch weil sie untereinander zu oft im direkten harten Wettbewerb steht. So fehlen auf der Mitgliederliste der Fachabteilung Catering im Dehoga Bundesverband der Marktführer Compass und weitere vier Namen aus den Top 10.

Für 2020 geben fast alle befragten Verantwortlichen zu Protokoll, dass viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Krisenmodus über sich hinauswuchsen. Toller Teamspirit! Kein Cateringmanager, der nicht sofort das Angebot umstellte und sich über neue To-go-Formate als Lösungsanbieter profiliert. Was sonst Monate Zeit braucht, wird jetzt in Wochen realisiert. 

Delivery - gekommen, um zu bleiben

Gleichzeitig rücken neue Vertriebskanäle in den Fokus, Take-away und Delivery bleiben zukunftsrelevant, ebenso Veränderungstempo und Innovationskraft. Die Herausforderung lautet, die SB-Formate – ausgerichtet auf Spitzenfrequenzen zur Mittagszeit – in attraktive Konzepte zu verwandeln, die den veränderten Ansprüchen gerecht werden. Auch wenn die Wertschätzung für attraktive gastronomische Angebote auf Gäste- und Auftraggeberseite weiter stabil bleibt, muss die Branche Catering neu denken. Wie man Krise meistert, ist jetzt gelernt. Wie man neue lukrative Umsatzfelder erschließt, noch nicht. 
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