Kommentar zu Vapiano Geschäftsbericht

Heiße Kiste

Boris Tomic, Chefredakteur des Fachmagazins foodservice.
Salome Roessler
Boris Tomic, Chefredakteur des Fachmagazins foodservice.

Pizza und Pasta müssen heiß serviert werden, sonst verliert man schnell die Lust am Genuss. Vapiano kennt das Geschäft – das einzige deutsche an der Börse notierte Foodservice-Unternehmen verfolgt weiter steil seinen Expansionskurs.

 


Allein 27 Neueröffnungen im vergangenen Jahr, 30 bis 35 weitere sind für das laufende Jahr 2018 auf der Agenda. 205 Restaurants in 33 Ländern zählt die Kette zurzeit. Die Vorstände Jochen Halfmann und Lutz Scharpe geben sich zuversichtlich; ihnen zufolge ist das Unternehmen auf einem guten Kurs.

Auf den ersten Blick ist das so: Neue Flächen bringen erhöhten Umsatz. Die Fast-Casual-Marke hat 2017 entsprechend mehr Geld eingenommen. Der Konzernumsatz stieg um 30,6 % auf 324,7 Mio. € (2016: 248,6 Mio. €). Erfreulich ist in diesem Zusammenhang das flächenbereinigte Umsatz-Wachstum von 4,8 %. Auch der Take-away-und Home-Delivery-Bereich macht den Chefs Spaß: Das Abholgeschäft, mittlerweile auf 76 Restaurants ausgeweitet, wächst überproportional. Die Kunden zahlen den gleichen Preis wie im Restaurant, aber sie nutzen keine Sitzplätze und niemand muss das Geschirr spülen. So kann man Lohnkosten sparen. Vapiano hat es auch geschafft, dass der Durchschnittsbon kontinuierlich wächst: Der liegt zurzeit bei etwas über 11 € pro Person. Pizza, Pasta und Salate werden in den Restaurants allerdings regelmäßig teurer. Diese Schraube ist nicht unendlich weiterzudrehen. Auf den sozialen Kanälen murren die Gäste schon länger über die fortwährenden Preisanstiege.

Doch trotz des erhöhten Umsatzes hat die Kette in 2017 einen Verlust von rund 30 Mio. € verzeichnet. Neueröffnungen verschlingen Geld – rund 2 Mio. € muss man in ein neues Vapiano investieren. 41 Mio. € wurden aufgrund der zahlreichen Restaurant-eröffnungen im vergangenen Jahr abgeschrieben. Der Vapiano-Vorstand betont gebetsmühlenartig, dass für Expansions-Unternehmen nicht der Nettogewinn (der ja auch nicht vorhanden ist), sondern das Ebitda die richtige Maßgröße sei. Hier berichtet Vapiano ein Plus von 15,8 Mio. €. Anleger an der Börse halten diese Stellgröße, bei der aus dem Jahresergebnis Zinsen, Steuern und Abschreibungen herausgerechnet werden, auch für aussagekräftiger. Allerdings steht fast jedes Unternehmen mit dem Ebitda-Wert wesentlich besser da.

An dem Ebitda orientiert sich übrigens auch die Erfolgsprämie der Vorstände: Die drei Vorstände werden sich dennoch von dem ein oder anderen Aktionär und - sicher auch von ihren Mitarbeitern - fragen lassen müssen, warum sie sich in der momentanen Ertragssituation gemeinsam Boni von über 430.000 € genehmigen. Rund 1,2 Mio. € verdienten die Chefs im vergangenen Jahr – und damit doppelt so viel wie im weniger verlustreichen Jahr zuvor …  

Die geplante weitere Vapiano-Expansion wird wieder Millionen verschlingen – die Gewinnzone ist von Seiten des Vorstandes frühestens für das Jahr 2020 prognostiziert – das Gericht, beziehungsweise Geschäft, bleibt also nicht nur auf den Tellern der Gäste heiß.



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