Kreditbedarf

Vapiano ist nicht gleich Vapiano

Vapiano ist nicht gleich Vapiano...
Vapiano
Vapiano ist nicht gleich Vapiano...

Die Sachlage ist nicht einfach: Die Vapino SE ist seit vergangener Woche zahlungsunfähig. Die Vapiano SE vereint aber nicht die Summe aller Vapino-Restaurants in Deutschland, sondern nur die, die in Eigenregie des Kölner Unternehmens betrieben werden.

Um es noch schwieriger zu machen - zahlungsunfähig bedeutet nicht automatisch insolvent. Sollten die geforderten Staatshilfen in Höhe von rund 14 Mio. Euro binnen der nächsten zwei Wochen fließen, schießen auch die Gesellschafter und die Banken weitere 10,7 Mio Euro zu und theoretisch könnten die 55 betroffenen deutschen Vapianos nach der Corona-Krise wieder öffnen.

Den größten Batzen - 47 Prozent der Vapiano SE - hält zurzeit immer noch Mayfair SE. Dahinter steht das Family Office der Familie Herz (Tchibo) mit Sitz in Hamburg. Mayfair unterstützt Vapiano seit seiner ersten Investition in das Unternehmen im Jahr 2011. Allein in den vergangenen zwei Jahren hatte Mayfair  zusätzliche 22 Millionen Euro an Liquidität bereitgestellt. Allerdings hat Mayfair in der vergangenen Woche auch entschieden, seine Anteile an dem Unternehmen an einen erfahrenen Restrukturierungsexperten und Treuhänder zu übertragen - und in Verbindung mit der Forderung nach Staatshilfen so die drohende Insolvenz beschleunigt. Es bleibt also erst einmal ungewiss, was wirklich mit den 55 Restaurants passieren wird.
Was ist die DEVAP?
Die DEVAP mit Sitz in Köln ist die Interessenvereinigung der deutschen Vapiano-Franchisepartner. Dem Vorstand der DEVAP gehören die Franchisenehmer Jörg Ritter (Aachen), Reiner Dworaczek (Oldenburg) und Heiner Gosda (Kassel) an. Die Vapiano-Franchisepartner betreiben derzeit 29 Restaurants in 25 deutschen Städten.

Die DEVAP (Vereinigte Deutsche Vapiano Partner e.V.), die die Interessen der deutschen Vapiano-Franchisenehmer vertritt, stellt in diesem Zusammenhang entschieden klar, dass die deutschen Vapiano-Franchisenehmer mit ihren 29 Restaurants in 25 deutschen Städten ausdrücklich nicht von der Zahlungsunfähigkeit der Vapiano SE betroffen sind.

„Wir als Vapiano-Lizenznehmer sind selbständig agierende Unternehmer. Wir führen unsere Restaurants eigenständig und unabhängig von der Vapiano SE. Mit deren Zahlungsunfähigkeit haben wir nichts zu tun“, sagt Jörg Ritter, selbst Vapiano Restaurantbetreiber in Aachen und Vorstandsmitglied der DEVAP.

Es gibt zwei Gesellschaften

"Es ist dem Gast sicher nicht einfach klar zu machen, dass es hier um zwei Gesellschaften geht und es mag ihm wahrscheinlich auch egal sein, aber es ist wichtig, in der Öffentlichkeit Klarheit über die Eigentumsverhältnisse zu schaffen", sagt Michael Schlarmann, der in Wiesbaden, Mainz und Kaiserslautern Vapianos betreibt.

Er hat, wie alle Franchisenehmer, seine Belegschaft in Kurzarbeit geschickt und wartet hoffnungsvoll auf das Ende der Corona-Krise. "Wir können zwar nicht ewig ohne Umsatz durchhalten, aber einer Öffnung unserer Franchise geführten Restaurants nach Beendigung einer nicht zu lange dauernden Krise steht nichts im Wege", sagt er.

Die Maßnahmen der Regierung, als Gastronom sechs Monate Tilgungen von Krediten und auch sechs Monate Mieten aussetzen zu können, findet er richtig, aber nicht weitgehend genug. "Zinslose Kredite wären hier der richtige Weg für die Branche. Lässt sich das nicht durchsetzen, so ist die Mindestanforderung deutlich niedrigere Zinsen als die, die zurzeit im Gespräch sind", meint er. In der vergangenen Woche wurde in der Öffentlichkeit von bis zu sieben Prozent an Zinsen für Darlehen diskutiert. 

Blick in die Schweiz

 
Ähnlich stellt sich die Situation in der Schweiz da. Dort betreibt die VAP AG als familiengeführtes Unternehmen alle sechs Vapiano Restaurants in der Deutschschweiz. “Alle unsere unternehmerischen Tätigkeiten werden weiterhin unabhängig fortgeführt. Unsere Geschäftstätigkeit in der Deutschschweiz ist losgelöst von der finanziellen Situation unseres Lizenzgebers”, so die Schweizer Lizenznehmerin Sabina Sodano.

Sodano eröffnete vor 13 Jahren ihr erstes Vapiano-Restaurant in Zürich. Im vergangenen Jahr bewirteten ihre Restaurants 1,2 Mio. Gäste. Sie ist von dem System Vapiano absolut überzeugt. Wichtig sei die kontinuierliche Investition in Personal ebenso wie dessen fortwährende Schulung. Und dass man dem Kunden immer wieder klarmache, dass hier alles frisch zubereitet werde.

"Wo sonst kann man als Kunde schon seinen eigenen ,Private Cook' in einem normalen Restaurant haben?", fragt Ehemann Enrico Sodano, der als Advisor für das Board der VAP AG fungiert - und sieht darin einen großen Wettbewerbsvorteil.

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