Nachruf

Martin Kolonko gestorben

Mit Martin Kolonko hat die Gastro-Branche einen geschätzten Vertreter und feinen Menschen verloren.
Imago Images / Lindenthaler
Mit Martin Kolonko hat die Gastro-Branche einen geschätzten Vertreter und feinen Menschen verloren.

Der erfolgreiche Münchner Unternehmer, Multi-Konzept-Player und Systemgastronom Martin Kolonko ist im Alter von 55 Jahren in der Nacht zum 29. April nach schwerer Krankheit verstorben.

In der Gastro-Branche war Martin Kolonko seit Beginn der 90er Jahre bis 2017 weit über München hinaus als geschätzter Branchenverteter bekannt: als kreativer Individualist, der eigenständig moderne, urbane Konzepte entwickelte und up-to-date hielt. Und als unternehmerischer Team-Player, der mit zwei Gesellschaften, an denen er beteiligt war, ein Multi-Konzept-Portfolio wirtschaftlich erfolgreich betrieb – vom Wirtshaus bis zur Party-Destination.

Martin Kolonko hat sich in der Foodservice-Branche vor allem mit zeitgeistiger Fullservice- sowie Fine-Dining-Gastronomie in Großstadtlagen als wichtiger Pionier und Querdenker einen Namen gemacht.

Engangement als Gesellschafter

1990 gründeten Franz Rauch, Florian Oberndorfer und Martin Kolonko das Gastro-Unternehmen ROK. Bis 2009 eröffneten die drei Gesellschafter nach und nach sechs Gastro-Konzepte: Wirthaus in der Au und Forum Speisecafé & Partyservice (1991), die Münchner Knödelei (auf der Wies’n seit 2002) sowie die Wirtshäuser zur Brez’n (1998) und zum Straubinger (2000). 1998 Partnerschaft mit Hermann Zimmerer. In Partnerschaft mit Michael Käfer erweiterte das legendäre Lounge & Club-format P1 das Portfolio (2003). Der Gesamtumsatz netto (ohne P1) lag Anfang der Jahrtausendwende bei über 12 Mio. Euro pro Jahr.

2009 verließ Miteigentümer Martin Kolonko die Rokundco GmbH & Co. KG und gründete die Kolonko Verwaltungs GmbH & Co. KG, in die das Wirtshaus Zur Brez´n, das Forum Restaurant sowie das M1 im BMW Museum übergingen. Florian Oberndorfer und Franz Rauch führten Rokundco weiter. Den Schritt ins Ausland wagte Kolonko 2010, als er in der chinesischen 8-Millionen-Metropole Qingdao das "No. 1 Zhongshan Road – Internationales Restaurant" eröffnete.

Kolonkos erstes eigenes Gastro-Konzept

1991 startete Martin Kolonko sein erstes eigenes gastronomisches Engagement: das Mischkonzept Restaurant, Café, Bar und Partyservice Forum im Münchner Gärtnerplatzviertel, das er ein Vierteljahrhundert mit Herzblut erfolgreich betrieb – tatkräftig unterstützt von seiner Frau Anke.

Ganztagesfähig zu sein, mit unterschiedlichen Konzept-Eckpfeilern, eine breite Zielgruppe anzusprechen und zugleich mit dem Lifestyle Schritt zu halten, das waren Ansprüche, die Kolonko an sein gastronomisches Allround-Konzept stellte. An Spitzentagen erzielte der 135-Plätze-Betrieb Umsätze von 15.000 Euro täglich, die Jahresumsätze lagen in der Regel zwischen 2 und 3 Mio. Euro. Nachdem 2016 mit zahlreichen Gäste-Events das 25-jährige Jubiläum des Forum-Konzepts gefeiert wurde, kam 2017 relativ überraschend die Schließung. "Pächter- und Konzeptwechsel", so die offizielle Begründung. Scheinbar ging die Rechnung der Münchner Gastro-Institution nicht mehr auf: Baustellen in der Nachbarschaft, verschärfter Wettbewerb – es kam einiges zusammen. Wirtschaftliche Vernunft siegte über Herzblut. Doch, es gab noch das Wirtshaus zur Brez’n an der Münchener Leopoldstraße, an dem Kolonko beteiligt war.

2003 präsentierte Kolonko beim 22. Hamburger Foodservice-Forum auf der Bühne seine modernen gastronomischen Ideen als junger Multi-Konzept-Unternehmer: in der Diskussionsrunde "Meine Stadt, mein Geschäft, meine Vision". Auch im Top 100 Ranking 2003 von foodservice war Kolonko mit den ROK Restaurants vertreten: mit einem Gastro-Umsatz von 10,1 Mio. Euro netto in 5 Betrieben.

Mit Martin Kolonko hat die Branche einen von vielen Fachleuten geschätzten, feinen Menschen verloren. Er hinterlässt seine Frau Anke und zwei erwachsene Kinder, Lia und Simon.


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